Streit zwischen Theater und Stadt Hagen verschärft sich

by

Kämmerer Christoph Gerbersmann fordert vom Theater mehr Kreativität beim Thema Sparen. Das Haus soll künftig 1,5 Mio. Euro weniger Zuschuss erhalten. (…)

Quelle: DerWesten

Anmerkung: Gerbersmann „erinnert daran, dass das Theater (…) aktuell den höchsten kommunalen Zuschuss in seiner mehr als 100jährigen Geschichte erhalte“. Eine Aussage, die überhaupt nichts belegt, wenn man sie nicht in einen Zusammenhang beispielweise mit der Wirtschaftsleistung oder der Preisentwicklung stellt. Auch Gerbersmann dürfte das höchste Gehalt eines Hagener Kämmerers seit 100 Jahren beziehen.

Auch den alten Äpfel-mit-Birnen-Vergleich tischt Gerbersmann wieder auf: Hagens Kulturausgaben seien „doppelt so hoch ausgefallen wie in Kommunen vergleichbarer Größe und Wirtschaftskraft“. Die vier Beispielgemeinden, die er erwähnt, überschreiten allerdings alle nur soeben die 100.000-Einwohner-Grenze. Soviel zur „vergleichbaren Größe“.

Ehrlicher und sinnvoller wäre es, die Pro-Kopf-Ausgaben in Städten mit selbstbespielten Bühnen zu vergleichen. Da kommt Hagen sehr gut weg und der demografische Faktor wäre auch berücksichtigt. Danach liegen die von Gerbersmann als Vergleich herangezogenen Personalkosten aus Pforzheim nicht niedriger, sondern wesentlich höher als die Hagener – um 34 Prozent. DOPPELWACHOLDER.DE hat darauf schon einmal im Oktober 2013 hingewiesen: Die Kultur ist schuld. In dem Beitrag sind ebenfalls einige aufschlussreiche Zahlen zu finden.

Weiter spricht Gerbersmann von einem „Verlust von 60.000 Einwohnern“, um damit einen Abbau von „Strukturen, Größe und Personal“ ins Spiel zu bringen. Damit liegt er nicht nur leicht daneben, sondern übertreibt zum Zwecke der Legitimierung seiner Überlegungen gewaltig. Die Differenz zwischen Gerbersmann und der Realität beträgt immerhin 33 Prozent: Seit dem höchsten Stand nach der kommunalen Neuordnung 1975 mit 232.000 Einwohnern sind es heute 45.000 weniger.

In einem Kommentar schreibt der stellvertretende Lokalchef der WPWR, Martin Weiske: „Alle anderen gesellschaftlichen Gruppen in dieser Stadt haben angesichts des quälenden Spardrucks sich längst diesen finanziellen und demografischen Realitäten gestellt.“ Das ist in gleich mehrfacher Hinsicht nicht zutreffend.

Demografie: Siehe oben

Spardruck: Sparen kann man nur etwas, das man übrig hat. In Hagen wird gekürzt – so wie in vielen anderen chronisch unterfinanzierten Kommunen auch. Und das nicht erst seit gestern. Zur Erinnerung: Bereits 2002 wies die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin und Präsidentin des Deutschen Städtetags, Petra Roth (CDU), auf die katastrophale Haushaltslage der Kommunen und ihre Ursache hin: Verantwortlich für die rasante Talfahrt der Kommunalfinanzen seien nicht die Ausgaben der Kommunen, sondern ihre weiter rückläufigen Einnahmen.

Gesellschaftliche Gruppen: Die sollen sich, so Weiske, „alle“ den „Realitäten gestellt“ haben. Auch diese Behauptung liegt schwer daneben. Es gibt Gruppen, die gezwungen werden, sich den „Realitäten“ stellen, andere hingegen sind nicht betroffen. Je ein Beispiel: Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel müssen mit einem stark reduzierten Angebot der Hagener Straßenbahn klar kommen, die Ticketpreise wurden natürlich nicht reduziert. Sportvereine können hingegen weiter Hallen und Plätze kostenlos nutzen. Für diese Klientel stehen zusätzlich zweckgebundene Landesmittel, die sogenannte „Sportpauschale“, zur Verfügung. Kunstrasenplätze werden weiterhin angelegt. Von „demografischen Realitäten“ ist in diesem Kontext selbstverständlich nicht die Rede.

Eine Antwort to “Streit zwischen Theater und Stadt Hagen verschärft sich”

  1. A. Quatermain Says:

    Rechnen konnte dieser Kämmerer noch nie.
    Da nützen auch keine 4 Wochen Praktikum in der Abstellkammer der Märkischen Bank.

    Oder Vögel zählen als Hobby-Ornitologe in den Lenneauen.

    Mir klingelt es jetzt noch im Ohr.
    Wegen der Umstellung der Buchhaltung der Stadt Hagen,
    wollte er 12 zusätzliche neue Mitarbeiter haben.

    Der Moderator aus Dortmund musste ihm erklären,
    das in Dortmund 1 Mitarbeiter aus anderen Fachämter zur Kämmerei gekommen sei.
    Ein weiterer zusätzlicher Mitarbeiter würde eingestellt.

    2 zusätzliche Mitarbeiter bei 2,5 facher Einwohnerzahl gegen über Hagen. Und er wollte 12 Leutchen zusätzlich haben.

    Aber mit dem Rechnen scheint es bei dieser Verwaltung nicht weit her sein.

    Wenn schon Frau Kaufmann am Raten ist, wie viele Neubürger aus Bulgarien und Rumänien nach Hagen gezogen sind.

    Nicht richtig Rechnen konnte sie schon bei den Opfern der Odenwaldt-Schule. Zum Glück ist diese Lehranstalt Geschichte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: