Was erlauben Will?!

by

von Christoph Rösner

„Den Zufall gibt’s bei mir nicht. Ich habe immer eine Idee, ein Konzept im Kopf. Auch wenn mir das nicht immer abgenommen wird.“

Ach was, Herr Will, Sie haben immer ein Konzept im Kopf? Und Sie wissen – offensichtlich aus eigener Erfahrung – dass Ihnen das nicht immer abgenommen wird? Ja wunderbar, dann verstehe doch jetzt jemand Ihre öffentliche und sehr laute Aufregung ob der Installation des Knetehaufens in Ihrer international be- und anerkannten HagenRing-Galerie.

Immerhin, das Zitat stammt von Ihrer Website, und ich gehe doch davon aus, dass Sie auch meinen, was Sie dort schreiben, oder?

Oder muss ich annehmen, dass dieses einem Künstler durchaus angemessene Zitat nur für Sie selbst Geltung hat? Dass Sie das gar nicht so meinen, wenn es um andere Künstler geht, die Sie selbst eingeladen haben?

Oder, noch perfider, gilt dieses Zitat nur für solche Kollegen, die das gleiche Konzept im Kopf haben wie Sie selbst?

Ich hoffe, dass ich mit diesen Thesen nicht Recht habe, ansonsten müsste ich konstatieren, dass Sie, Herr Will, wie auch Ihre Mitaufregerkünstlerkollegen, einem merkwürdig eingeengten Kunstbegriff frönen, in dem die Freiheit der Kunst eher schmückendes Beiwerk denn gelebte, innere Haltung zur Kunst beinhaltet.

Ihr öffentliches Echauffieren zeigt mir nur eines: nämlich eine verheerende Engstirnigkeit in inniger Symbiose mit exakt jener Provinzialität, die in Hagen nicht erst seit Ihrer Aufregung Legende ist.

Sie Armer, „verarscht“ fühlen Sie sich, und im tiefsten Innern Ihrer geschundenen Künstlerseele erflehen Sie das Erscheinen eines blonden Massenunterhalters, der Ihnen die Schmach von der Seele nimmt. Nur am Rande, ich wusste gar nicht, wer Ihr erflehter Retter Guido Cantz ist, das musste ich erst googeln … spielt aber keine Rolle, jeder sucht sich seinen geeigneten Unterhalter.

Oder, um es auf die profane Ebene runterzubrechen, benutzen Sie Ihren Künstlerkollegen Rainer Maria Matysik, dessen hagenfarbene Kneteästethik Ihnen so gar nicht zu behagen scheint, um den HagenRing mal wieder in die Hagener Öffentlichkeit zu hieven – wär ja mal nötig, oder?

Immerhin ist es Ihnen gelungen, die Hagener Aufregerseele mal wieder in Wallung zu versetzen. Beweis? Die fast vierzig Kommentare in der Online-Ausgabe der Westfalenpost – genannt Der Westen.

Gut, die meisten der Kommentatoren sind inzwischen bekannt, die üblichen Verdächtigen halt, wenn es um Kunst oder Kultur in Hagen geht, immer das gleiche Kunst-ist-Dreck-und-überflüssig-Geseire. Jede Stadt muss ein paar Idioten ertragen, aber warum immer so viele in Hagen …?

Gut, zurück zu Ihnen, Herr Will. Das Schlimmste, was Sie aber mit Ihrer Aufregung erreicht haben, genau jenen anonymen Kunst/Kultur-Trollen eine Stimme gegeben zu haben. Das nehme ich Ihnen wirklich übel, das ist einem anerkannten Künstler unwürdig. Dass das unglaublich investigative Hagener Blatt nur allzu gerne genüsslich und mit Anlauf über das Stöckchen gesprungen ist, das Sie ihm hingehalten haben, darf ernsthaft niemanden wundern.

Dass aber ein Künstler, der sich in Hagen und darüber hinaus seine Meriten verdient hat, in dieser Weise mit einem Kollegen und seinem Konzept von Kunst ins Gericht geht, ist höchst erschreckend. Es zeigt dann doch, dass Sie ein Hagener Künstler und nicht ein Künstler in Hagen sind, der offensichtlich keinen Spaß versteht. Ich hoffe, der Unterschied wird verstanden … Und noch etwas, Ihrem Satz: “Ich bin ja wirklich tolerant, aber das geht eindeutig zu weit“, mit dem Sie sich in der Westfalenpost zitieren lassen, möchte ich abschließend die Wikipedia-Definition gegenüberstellen, die Sie ganz schnell selbst googeln können: ´Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.´

Von dieser einfachen Erklärung einer nicht nur von Ihnen ´wirklich´ überstrapazierten menschlichen Grundhaltung sollten Sie und der HagenRing sich leiten lassen, als Vorbild in einer immer intoleranter werdenden Gesellschaft. Diese Haltung wäre einem Künstler- (Kollektiv) angemessen.

Mit künstlerischem Gruß

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