„Elitekämpfer“ oder Kriegsverbrecher? Die Soldaten der Waffen-SS

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Die Waffen-SS war ein militärischer Verband, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus der SS-Verfügungstruppe gebildet wurde. Bis heute ist die Waffen-SS von unterschiedlichen Legenden und Deutungen umgeben.

Dr. Jan Erik Schulte von der Gedenkstätte Hadamar gibt bei seinem Vortrag am Mittwoch, 24. Juni, um 19 Uhr im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1, einen Einblick in die Entwicklung dieses Verbandes und seine Funktion während des Zweiten Weltkriegs. Gleichzeitig geht Dr. Schulte der Frage nach, in wieweit die gängigen Deutungen und Vorstellungen von der Waffen-SS überhaupt richtig sind. Eine weitere Fragestellung ist das Bild der Waffen-SS in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft bis zur Gegenwart.

In rechtsextremen Kreisen werden die Waffen-SS und ihre Führungskräfte als Helden einer militärischen Elite glorifiziert. Auf der anderen Seite zeigt die geschichtswissenschaftliche Forschung, dass die Waffen-SS ein heterogen zusammengesetzter Verband war, der im Kriegsverlauf sein elitäres Selbstbild zwar behielt, aber nicht zuletzt auch wegen der hohen Verluste mehr und mehr ins Hintertreffen geriet.

Die aktive Beteiligung an Kriegsverbrechen, die personelle Einbeziehung in das System der Konzentrationslager und die rücksichtslose, menschenverachtende Kampfführung unterschied die Waffen-SS deutlich von der Wehrmacht. Dennoch sahen sich die SS-Veteranen nach dem Zweiten Weltkrieg als „Soldaten wie andere auch“.

In der Stadt Hagen hatte seit 1933 die 69. SS-Standarte „Sauerland“ ihren Sitz. Sie war für das Stadtgebiet und die umliegenden Stadt- und Landkreise zuständig. Die der Allgemeinen SS zugehörige Einheit stellte auch für die Waffen-SS zahlreiche Soldaten. Wie der 1890 in Haspe geborene Albert Schuch, der während des Kriegs als SS-Offizier in der „Leibstandarte Adolf Hitler“ und ab 1943 Chef des Kommandostabs der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ war. Der Divisionskommandeur, Fritz Witt, war ebenfalls aus Hagen. Witt wurde bereits im März 1933 zur „Leibstandarte“ abgeordnet, um am Aufbau dieses „Eliteverbands“ mitzuwirken. Als SS-Brigadeführer und Generalleutnant der Waffen-SS fand er im Juni 1943 im nordfranzösischen Invasionsraum den Tod.

Sein Nachfolger als Kommandeur der SS-Division „Hitlerjugend“, Kurt Meyer („Panzermeyer“), fand nach seiner Haftentlassung 1954 an der Andreas-Brauerei im Stadtteil Haspe eine Anstellung als Vertriebsleiter. Von Hagen aus organsierte er bis zu seinem Tod 1961 als Bundessprecher die „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG) aus ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS. Meyer repräsentierte nicht nur den Typus eines unbelehrbaren ‚Nazis‘, sondern gilt bis heute als Sinnbild eines fanatischen, brutalen und rücksichtslosen SS-Soldaten, er war an zahlreichen Kriegsverbrechen aktiv beteiligt.

Der Referent Dr. Jan Erik Schulte zählt auch international zu den führenden Experten für die Geschichte und Struktur der SS und Waffen-SS. Eintritt: 5 Euro an der Museumskasse.

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