„Früh übt sich … Handwerk zum Spielen“

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Neue Sonderausstellung im LWL-Freilichtmuseum Hagen

31. Mai bis 31. Oktober 2015

Backen

Foto: Freilichtmuseum

„Früh übt sich … Handwerk zum Spielen“ ist das Thema der neuen Sonderausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Freilichtmuseum Hagen zeigt. Die Ausstellung lädt zu einer Reise in eine Handwerkswelt im Kleinen ein. Zu sehen sind Werkzeug- und Baukästen, Blechspielzeug und Spielkästen, Brett- und Kartenspiele, Spielfiguren sowie Bilderbücher aus den vergangenen 150 Jahren. Vielen von ihnen ist anzusehen, wie intensiv mit ihnen gespielt worden ist.

„Der kleine Wagenbauer“ und „Die kleine Putzmacherin“ – so heißen Spiele, die um 1900 im Spielzeughandel angeboten wurden. Sie sind nur zwei von vielen Beispielen dafür, wie die Lebens- und Arbeitswelt der Handwerker für Kinder als „Handwerk zum Spielen“ dargestellt wurde. Was genau hat der kleine Wagenbauer gespielt und mit welcher Absicht wurden solche Spiele verkauft und verschenkt?

„Die Spielsachen zeigen, wie die Handwerke und das Leben von Handwerkern beim Spielen auf unterschiedliche Weise Kindern und Jugendlichen näher gebracht wurden“, sagt die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Anke Hufschmidt. „Manchmal recht praxisnah mit dem Anspruch der Berufsvorbereitung, oft aber auch in humorvoller Weise, etwa bei Karten- und Brettspielen. Auf jeden Fall wurden über das Spielzeug bestimmte Bilder von Handwerkern und ihren Arbeiten vermittelt. Außerdem lässt sich erkennen, welche Vorstellungen mit Kindheit verbunden waren und wie die Rollen zwischen Jungen und Mädchen beim Spielen verteilt waren“, so Anke Hufschmidt weiter.

Die Ausstellung beginnt damit, wo und wie Handwerker Kindern und Jugendlichen begegneten. Wer sie nicht aus der eigenen Familie oder der Nachbarschaft kannte oder ihnen bei anderer Gelegenheit bei der Arbeit zusah, traf sie spätestens in Bilderbüchern, Märchen, Liedern und Erzählungen. Seit der Ausbreitung von farbigen Bilderbüchern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es auch Bücher mit Bildern von Handwerkern. In den meist sehr beschaulichen Bildern wurden die Handwerker mit ihren Werkstätten, Arbeitsgeräten und Produkten vorgestellt, Texte erläuterten die wichtigsten Tätigkeiten.

Eine weitere Station in der Ausstellung steht unter dem Motto „Spielend arbeiten lernen“. Diese Präsentation macht deutlich, wie Handwerksberufe von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedene Arten von Spielzeug transportiert wurden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die deutsche Spielzeugindustrie zum Weltmarktführer. Sie bot ein breit gefächertes Angebot an Spielwaren an. Immer neue Produkte sollten die Nachfrage anregen. Vor allem wohlhabende Familien konnten sich viele Spielzeuge leisten. Manche Spielwaren gab es in unterschiedlichen Preisklassen und erreichten damit auch ärmere Familien.

Die Spielzeugindustrie warb bei den Eltern mit dem pädagogischen Nutzen, den Spielzeug für Kinder und Jugendliche hatte. Viele Spiele sollten zu Arbeit, Fleiß und Ausdauer erziehen und die Geschicklichkeit konnte trainiert werden. Außerdem versprachen die Anbieter, über Spielzeug auch Bildungsinhalte zu vermitteln. Zweckfreies Spielen wurde dagegen kaum gefördert.

Unter den Handwerksberufen „zum Spielen“ sind die Holzhandwerke häufig zu finden. Spielkästen wie „Der Schreiner“ und „Der kleine Wagenbauer“, aber auch Werkzeug- und Laubsägekästen luden in unterschiedlicher Realitätsnähe zur aktiven handwerklichen Nachahmung ein. Bei dem entsprechenden Blechspielzeug, wie zum Beispiel einem Handwerker an einer Kreissäge, ließ sich vor allem die Übertragung der Dampfkraft auf eine Maschine beobachten.

Die Präsentation zeigt nicht nur Spielzeug – sie lädt die Besucher auch ein, selbst zu spielen. Das ist an verschiedenen Stationen möglich, vor allem aber im Spielzimmer am Ende des Rundgangs, wo Reproduktionen historischer Spiele die Gelegenheit zu einer spielerischen Zeitreise bieten.

„Für das LWL-Freilichtmuseum Hagen ist Spielzeug ein attraktives Ausstellungsthema, denn es bildet eine wichtige Quelle für die Handwerksgeschichte. An Spielsachen ist nachvollziehbar, wie sich die Berufe im Handwerk veränderten. Es dauerte nämlich oft nicht lange, bis neue handwerkliche Tätigkeiten und Maschinen im Spielwarengeschäft erhältlich waren“, erklärt Anke Hufschmidt. Aber wie realistisch ist die Darstellung handwerklicher Maschinen zum Beispiel im Blechspielzeug eigentlich? Und wieso gibt es nur so wenig Spielzeug für kleine Handwerkerinnen? Die Antworten finden die Besucher im Ausstellungsgebäude im oberen Museumsbereich.

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