Gute Nacht, Kameraden

by

SPD, CDU und Hagen aktiv verweigern Distanzierung von SS-Witt-Verherrlichung

Ist es schlichte Ignoranz, fehlendes historisches Bewusstsein oder gar klammheimliches Sympathisantentum? Mit der großen Mehrheit von 11 Stimmen lehnte es die Bezirksvertretung (BV) Hohenlimburg am Mittwoch per Enthaltung ab, sich von dem verherrlichenden Beitrag über den SS-Brigadeführer Fritz Witt in den Hohenlimburger Heimatblättern zu distanzieren. Nur die Vertreter der Bürger für Hohenlimburg (BfHo) und der Grünen stimmten dem Antrag zu, den die BfHo eingebracht hatte.

Mit diesen drei Ja-Stimmen gilt der Antrag zwar formal als beschlossen, allerdings wirft das Stimmverhalten von SPD, CDU und Hagen aktiv in der BV ein beschämendes Licht auf die Befindlichkeit dieser Gruppierungen. In der WPWR wird stellvertretend für die Verweigerer Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Voss zitiert: „Ich werde mich enthalten. Dr. Bleicher hat bezahlt. Er hat sich entschuldigt.“

Dr. Bleicher? Der wird in dem Antrag der BfHo (siehe unten) überhaupt nicht erwähnt. Der Tenor des Antrags lautete auf Distanzierung vom „Aufsatz über Fritz Witt“. Haben Voss und seine Kollaborateure den Antrag nicht gelesen? Haben sie auch den Beitrag in den Hohenlimburger Heimatblättern nicht gelesen? Oder wollen sie sich gar nicht distanzieren?

Dabei hatte Historiker Dr. Blank (Historisches Centrum Hagen) den Bezirksvertretern in einem kurzen aber deutlichen Vortrag klar gemacht, „dass der Bleicher-Text auch für ihn ein „schockierender Aufsatz“ gewesen sei“, wie die WPWR berichtet. Konkret zu Fritz Witt: „Dieser Mann steht für Tod, Terror und Zerstörung. (…) Sein Nachfolger, Panzer-Meyer, wurde von den Alliierten zum Tode verurteilt. Auch Fritz Witt wäre, hätte er den Krieg überlebt, von diesen zum Tode verurteilt worden.“

Das Verhalten der Mehrheit der Bezirksvertreter ist noch weniger nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass sie damit weit hinter dem Hohenlimburger Heimatverein zurück bleiben. Dessen Vorsitzender, Widbert Felka, hatte sich unmittelbar nach bekannt werden der Witt-Hymne in einem Interview noch hinter „rechtlichen Gründen“ versteckt, weshalb er sich „nicht weiter äußern“ könne.

Diese Stellungnahme war wohl – so scheint es heute – der Verwirrung des ersten Augenblicks geschuldet. Denn sehr schnell gab der Heimatverein eine eindeutige Erklärung ab: „Mit Betroffenheit haben Vorstand und Beirat auf diesen Artikel und seine inhaltlichen Aussagen reagiert. (…) Vorstand und Beirat distanzieren sich von dem in Heft 5/2015 veröffentlichten Beitrag (…)“.

Selbst der Verfasser, Dr. Bleicher selbst, bedauert inzwischen die Veröffentlichung seines inkriminierten Textes: „In dem Bewusstsein, dass ich das Erscheinen des Artikels nicht mehr rückgängig, sondern mich nur ausdrücklich dafür entschuldigen kann, (…)“

An den Vertretern von SPD, CDU und Hagen aktiv in der BV sind diese Stellungnahmen entweder komplett vorbeigerauscht oder sie wollen sie bewusst nicht zur Kenntnis nehmen. Tatsache ist jedenfalls: SPD, CDU und Hagen aktiv haben sich von der Heiligsprechung des SS-Offiziers Fritz Witt nicht distanziert.

SPD, CDU und Hagen aktiv wollten auch nicht bedauern, wie es in dem Beschlussvorschlag heißt, „dass in Hohenlimburg eine derartige Veröffentlichung erfolgt ist – dies auch noch ausgerechnet im Monat des 70. Jahrestages der Befreiung Deutschlands vom Terrorregime des Nationalsozialismus und des damit verbundenen Gedenkens an die Opfer der NS-Verbrechen.“

An diversen Kranzabwurfstellen sind diese Vertreter an einschlägigen Feiertagen gerne vorne mit dabei. Wenn es aber ans Eingemachte geht und Haltung – und nicht nur Ritual – gefordert ist, verweigern sie sich einer klaren Position.

Na dann: Gute Nacht, Kameraden.

Der Beschlussvorschlag der Bürger für Hohenlimburg:

Die Bezirksvertretung Hohenlimburg distanziert sich in aller Deutlichkeit vom Aufsatz über Fritz Witt in den Hohenlimburger Heimatblättern, Ausgabe Mai/2015, der das Wirken Fritz Witts im Dienste der Waffen-SS verherrlicht und einen jugendgefährdenden Charakter aufweist, insbesondere durch den Verzicht darauf, das Wirken Witts in einen kritischen Kontext zu stellen.

Des Weiteren fordert sie den Hohenlimburger Heimatverein als herausragenden Träger der Hohenlimburger Heimatkunde dazu auf, sich für die Verbreitung des Aufsatzes öffentlich zu entschuldigen und unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, derartige publizistische Verfehlungen in Zukunft zu unterbinden.

Des Weiteren wird der Heimatverein aufgefordert, den weiteren Vertrieb der Ausgabe 05/2015 der Hohenlimburger Heimatblätter unverzüglich zu unterbinden.

Die Bezirksvertretung Hohenlimburg bedauert außerordentlich, dass in Hohenlimburg eine derartige Veröffentlichung erfolgt ist – dies auch noch ausgerechnet im Monat des 70. Jahrestages der Befreiung Deutschlands vom Terrorregime des Nationalsozialismus und des damit verbundenen Gedenkens an die Opfer der NS-Verbrechen.

Ebenso wird der Hagener Historiker Dr. Ralf Blank gebeten, vor der Bezirksvertretung in öffentlicher Sitzung eine geschichtliche Bewertung des in Rede stehenden Aufsatzes abzugeben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: