Wie in der NS-Wochenschau

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„Hohenlimburger Heimatblätter“ glorifizieren hohen SS-Offizier

Wilhelm Bleicher hat sich viele Jahre seines bisherigen Lebens mit Frühgeschichte, Steinen und Höhlen beschäftigt. Seine Dissertation schrieb der ehemalige Studiendirektor für Deutsch und Geographie über die Eisenzeit in den Höhlen des Hönnetals.

Die „Hohenlimburger Heimatblätter“ sind nach eigener Beschreibung die „Monatsschrift des Vereins für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg e.V.“. Der beschäftigt sich mit Themen wie „Aussichtstürme im Sauerland und Siegerland – Schwindelfreie luftig-fröhliche Unterhaltung vom Feinsten“.

Redakteur der „Heimatblätter“ ist laut Impressum Dr. Wilhelm Bleicher – der Höhlenforscher. Der Begriff „Schriftleiter“ wäre wohl angemessener, wenn man den Hauptartikel der neuesten (Mai-)Ausgabe des Heftchens liest. Von „luftig-fröhlicher Unterhaltung“ kann bei diesem Machwerk jedenfalls keine Rede sein.

Pünktlich zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus liefert Bleicher – und damit auch der Hohenlimburger Heimatverein – seine Sicht der Dinge und veröffentlicht eine Schrift, auf deren Titel ein SS-Offizier in vollem Wichs seine Orden präsentiert.

Gut die Hälfte der Ausgabe widmet Bleicher diesem „Brigade-Führer Waffen-SS Fritz Witt aus Hohenlimburg“. Ohne jeden Anflug kritischer Distanz ähneln die Formulierungen jener Diktion, die auch in NS-Wochenschauen zu finden ist (zum Vergleich ein Beispiel am Ende dieses Beitrags). Angereichert ist das Traktat mit historischen Fotografien: Fritz Witt mit Braut, Fritz Witt mit Kind, Fritz Witt mit Hitler usw.

Der 1908 geborene Witt trat bereits 1931 in die NSDAP und gleichzeitig in die SS ein, in der er schnell Karriere machte. Autor Bleicher beschreibt akribisch die Beförderungen des SS-Mannes, welche Einheiten er befehligte und wo sich diese während des Krieges so herumtrieben. Immer im Tonfall eines Kriegsberichterstatters der damaligen Zeit und immer aus der Perspektive der SS.

Da werden natürlich auch keine fremden Länder überfallen – nein: „Im März 1938 ging das Regiment „SS Deutschland“ nach Österreich.“ Die Eroberung des zur Tschechoslowakei gehörenden Sudetenlandes ist ein „Anschluss“ etc. pp.

Das Schicksal vor allem der Zivilbevölkerung, die unter den schwarzen Horden zu leiden hatte, blendet Bleicher vollkommen aus. Dafür setzt er mit einem seinem Machwerk angefügten postscriptum einen zynischen Schlusspunkt:

„Um dem Einwand zu begegnen, dass bei Abfassung dieses Berichts zu wenig „political correctness“ bzw. zu wenig kritische Distanz gewaltet habe, seien drei Bemerkungen nachgetragen:

  1. Fritz Witt war in Anbetracht der maßgebenden Umstände seines Lebens in erster Linie ein gehorsamer Soldat und
  2. „Es irrt der Mensch, so lang er strebt“ (Goethe, Faust I)
  3. „Wer frei von Schuld ist, der werfe den 1. Stein“ (Bibel)“

Leseproben:

Als Führer der 3. Kompanie der SS-Standarte „Deutschland“ hatte der Hohenlimburger (Hagener) Mann die erst kurz zuvor neu aufgestellte und als schwierig geltende Kompanie, die innerhalb des Regiments als „Rabauken“-Kompanie bekannt und berüchtigt war, zu zähmen.

Aber da er selbst in der „Kampfzeit“ (1931/32) mit seinem Bruder zu den Hagener „Rabauken“ gegen die Rotfrontkämpfer (die z.B. uniformierte Puppen an der Brunnenstraße aufgehängt hatten) gehört hatte, verstand er die Seelenlage der Männer und formte und bildete sie.

Aus Kameradenkreisen ist bekannt, dass das Verhältnis zwischen Fritz Witt und Felix Steiner nicht ohne Spannungen war. (…) Der Polenfeldzug ab 1.9.1939, bei dem die Gefechtsgruppe Witt sich besonders vor Modlin bewährte, zeigte doch, dass beide in der Erfüllung ihrer Pflicht gut zusammenarbeiteten.

Am 1.3.1939 und 22.Mai 1939 verlieh ihm die Führung die zwei Medaillen zur Erinnerung an den 13.3.1938 (Anschluss Österreichs) und 1.10.1938 (Anschluss des Sudetenlandes).

Am 16. Mai 1940 hatte Witt mit seinen Männern im heftigen feindlichen Abwehrfeuer auf Anhieb den Übergang über den 72m breiten Süd-Beveland-Kanal erzwungen. – Weiter geht es durch Flandern Richtung Calais.

 Auch NS-Gazetten werden von Bleicher kommentarlos zitiert:

Der SS-Kriegsberichter Fritz Helke bestätigt aus S. 7 des „Das Schwarze Korps“ (29.6.1944) die harten Kämpfe um den Klidipass: „Bei der Entscheidung … geht er seinen Männern wie immer voran, ein tapferer Soldat, ein vorbildlicher Führer.“

Im „Völkischen Beobachter“ (5.7.1944) schreibt der SS-Kriegsberichterstatter Dr. Hermann Schramm über das Charkow-Unternehmen Witts: „Stehen und Angreifen! Das ist die unwandelbare und erbarmungslose Parole des Kommandeurs und seiner Kampftruppe, die er selbst jederzeit vorlebt und die nun im Eichenlaub zum Ritterkreuz … aus der Hand des Führers … die höchste dankbare Anerkennung findet.“

Selbst bei der Schilderung des Todes Fritz Witts muss der schreibende Heimatfreund während der Formulierung seiner Zeilen (wenigstens innerlich) die Hacken zusammengeschlagen haben:

Hier traf ihn am 14.6.1944 ein Geschoss eines der weittragenden feindlichen Schiffsgeschütze (Volltreffer direkt in den Gefechtsstand). Der Feuerorkan der 21-cm-Batterien der Schlachtschiffe traf ihn mit drei Angehörigen seines Stabes beim Sprung in den Splittergraben.

In der Zeitung der Waffen-SS „Das Schwarze Korps“ (29.6.1944, S. 6 f) widmet ihm Fritz Helke 11/2 Seiten. Er lässt noch einmal unter der Todesrune das Leben dieses überzeugten Kämpfers für eine angeblich bessere und gerechtere Welt Revue passieren. Mit dem folgenden Satz charakterisiert er Witt mehr als durch die Überschrift „Kämpfer des Führers“: „Im Jahre 1931 war es, dass bei dem Führer eines SS-Sturmes in Hagen in Westfalen ein junger drahtiger Mann erschien und sein Anliegen in den knappen Worten zusammenfasste: „Ich heiße Witt. Ich möchte SS-Mann werden.““

Beispiel aus der NS-Wochenschau:

3 Antworten to “Wie in der NS-Wochenschau”

  1. Werner Samke Says:

    Die linken Medien laufen wieder mal zur Hochform auf! Geschichtliches Schulwissen recht leider nicht aus!
    Sie schreiben völlig einseitig verdreht, nicht neutral und politisch korrekt- eben so wie die heutigen Gutmenschen!

    • Matthäus Franzen Says:

      *Gutmensch* „Häufiger benutzt die politische Rechte den Begriff, um den politischen Gegner zu diskreditieren: Indem sie „linke“ Ideale als „Gutmenschentum“ abwertet, unterstreicht sie den Anspruch, selbst realistisch und auf der Sachebene zu argumentieren, während den als Gutmenschen Bezeichneten damit Realitätsverlust, mangelndes Reflexionsvermögen, ein unrealistisch hoher moralischer Anspruch oder utopische Vorstellungen unterstellt werden.“ (Zitat Auer: „Political Correctness“) *Gutmensch* wurde zum Unwort des Jahres 2015 gewählt.

  2. Werner W. Samjeske Says:

    Sie schreiben leider in Sachen Brigadeführer Fritz Witt absoluten Schwachsinn. Diese heutigen Zeitgeist- Schlauredner wären sicherlich damals eifrig, an vorderer Stelle, mit dabei gewesen…..oder ein führender Kopf des Widerstandes??!!

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