Ziemlich beste Freunde

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Der Geschäftsführer und sein Pflegehelfer

Der geschasste Vorstandssprecher der Enervie AG, Ivo Grünhagen, dürfte sich in Hagen kaum noch größerer Sympathien erfreuen. Aber keine Regel ohne Ausnahme – einen treuen Fan hat er noch: Lokalredakteur Martin Weiske.

In einem Kommentar in der Samstagsausgabe der WPWR bezeichnet Weiske den mit einer Morgengabe von 1 Million Euro blitzentsorgten Grünhagen anerkennend als „Alpha-Tier“ und bedauert, dass „dessen Idee eines schmerzhaften wirtschaftlichen Jahres der Bereinigung zuletzt keine Mehrheit mehr im Aufsichtsrat fand.“

Weiske schwärmt vom „geradlinigen, kompromisslosen Führungsstil“ Grünhagens, der „den heimischen Energieversorger so erfolgreich ins 21. Jahrhundert geführt, dass ihm die Anteilseigner sogar den wenig zielführenden Lekker-Exkurs verziehen.“

Ja, die Führung des jetzt Ex-Vorstandes war „so erfolgreich“, dass das Unternehmen in jene bedrohliche Schieflage geriet, die Grünhagen letztlich den Kopf kostete. Dass die Anteilseigner (genauer: der Aufsichtsrat) ihm den Lekker-Kauf „verziehen“ haben, setzt voraus, dass diese über die Hintergründe des Erwerbs dieses Defizitbetriebs überhaupt informiert waren.

Zur „Ehrenrettung“ Grünhagens muss dann noch die Energiewende herhalten, mit der „der Stern des Managers“ in den Sinkflug überging. „Dass die für die Stromnutzer kostspieligen Zwänge der südwestfälischen Versorgungsinsellage eher hausgemacht waren“, wird vom Kommentator als „Eindruck“, der sich „plötzlich verfestigte“, heruntergespielt. Dabei wurde mit der Insellage viele Jahre gutes Geld verdient. Als dieses Geschäftsmodell nicht mehr wie gewohnt funktionierte und alles Klagen darüber nicht mehr zog, wurde – ganz plötzlich – ein Ausweg gefunden.

Wie bei einem Nachruf üblich, endet auch dieser mit tröstenden Worten: „Grünhagens gerader Weg hat ihn persönlich zunächst zu einer Million-Abfindung geführt. Doch seine konsequente Haltung dürfte ihm sicherlich an anderer Stelle auch als Job-Türöffner dienen.“ Vielleicht in jener Mülheimer Beratungsfirma, bei der auch eine andere abgewickelte Hagener Größe untergekommen ist: Ex-Oberbürgermeister Jörg Dehm.

Die mitfühlende Kommentierung Martin Weiskes bezüglich Ivo Grünhagens erinnert an den deutschen Titel einer mehrfach ausgezeichneten französischen Filmkomödie, in der ebenfalls ein (auf ganz andere Art und Weise) abgestürzter Geschäftsführer und sein Pflegehelfer die zentralen Rollen besetzen. Der Titel des Films: Ziemlich beste Freunde.

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