„Ein französisches Magazin in Paris“

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Cemile Giousouf ist nicht Charlie

„Je suis Charlie“ – ein Satz, der jetzt schon in die Geschichte eingegangen sein dürfte. Nach dem Massaker in den Redaktionsräumen eines Satiremagazins mitten in Paris kennt jeder den Namen des Blattes: Charlie Hebdo. Wirklich jeder? Auch Cemile Giousouf, die in Hagen gescheiterte CDU-Kandidatin für den Bundestag, die über die Landesliste ihrer Partei dann doch noch ins Parlament einziehen durfte?

In einer Stellungnahme zu den Morden äußert sich Giousouf nur zu einem „Terroranschlag auf die Redaktion eines französischen Magazins in Paris“. Kein Wort dazu, dass ein Satiremagazin betroffen ist, und kein Wort dazu, dass es sich um Charlie Hebdo handelt.

Giousouf: „Die Taten sind durch nichts zu rechtfertigen und ein Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit in Frankreich und ganz Europa. In Europa leben wir respektvoll miteinander. Wir verteidigen unsere gemeinsamen demokratischen Grundsätze und werden uns von Fanatikern nicht auseinanderdividieren lassen.“ Meinungsfreiheit? Pressefreiheit?

Da waren kürzlich bei einem Giousouf-Besuch in der Türkei des großen Sultans Recep Tayyip Erdoğan noch ganz andere Töne zu vernehmen (siehe: „Erdoğans Mädchen„). Auch dort ging es um Satire. Von einer Verteidigung der Pressefreiheit durch Giousouf im Land des Neo-Osmanen ist allerdings nichts überliefert. Im Gegenteil.

Die gebürtige Leverkusenerin befand stattdessen, der Abdruck einer vom türkischen Apparat kritisierten Karikatur in einem baden-württembergischen Schulbuch sei „völlig inakzeptabel”. Von der Regierung in Stuttgart verlangte sie, „sich angemessen zu entschuldigen”.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ließ das jedoch kalt. Der Grüne wollte an dem Schulbuch nichts ändern und sich schon gar nicht entschuldigen.

Seitdem müsste sich die Abgeordnete von einer Saula zur Paula gewandelt haben, wenn man ihre Äußerungen zum Anschlag in der französischen Hauptstadt liest. Aber da trügt wohl der Schein.

In ihrer Stellungnahme zu den Pariser Morden umschifft sie geschickt die Begriffe, die alle Welt mit dem Anschlag in Verbindung bringt. Weder das Wort „Satiremagazin“ kommt ihr über die Lippen, noch der Name der Zeitschrift: Charlie Hebdo. Die naheliegende Verbindung zu ihrem Türkeiauftritt wäre wohl zu peinlich gewesen.

Wenn Cemile Giousouf die Pressefreiheit so sehr am Herzen läge, hätte sie sich schon in der Türkei ganz anders verhalten können. Auch dort haben satirische Blätter eine lange Tradition. Soweit bekannt, hat es aber noch keine islamistischen Anschläge auf solche Zeitschriften gegeben. Bedrohungen kommen dagegen aus einer anderen Ecke: immer wieder versucht das Erdoğan-Regime, Blätter mit juristischen Mitteln mundtot zu machen.

Dazu hat man von der Abgeordneten, die auch schon mit Mitgliedern der umstrittenen Gruppierung „Milli Görüs“ vor der Hagener CDU-Zentrale posierte, allerdings nichts vernommen. Giousouf ist eben nicht Charlie.

Eine Antwort to “„Ein französisches Magazin in Paris“”

  1. Umleitung: Lobbyismus, Charlie Hebdo, Hamburg, LaTeX, Xavier Naidoo, ein Twitterbuch @9nov38 und mehr. | zoom Says:

    […] „Ein französisches Magazin in Paris“ – Cemile Giousouf (CDU) ist nicht Charlie: In einer Stellungnahme zu den Morden äußert sich Giousouf nur zu einem „Terroranschlag auf die Redaktion eines französischen Magazins in Paris“. Kein Wort dazu, dass ein Satiremagazin betroffen ist, und kein Wort dazu, dass es sich um Charlie Hebdo handelt … doppelwacholder […]

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