Goldene Pflastersteine im Hauptbahnhof

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Abenteuerliche Zahlen aus dem Grothe-Amt

Um den Bereich hinter dem Hagener Hauptbahnhof zugänglich zu machen, soll der Personentunnel unter den Gleisen auf die andere Seite verlängert werden. Eine sinnvolle Maßnahme, die so ähnlich auch schon in anderen Städten realisiert wurde. In Hagen werden aber erst einmal Kostengebirge aufgetürmt, die nicht recht nachvollziehbar sind.

Baudezernent Grothe beziffert den Umbauaufwand auf ca. 12 Millionen Euro, basierend auf dem Preisniveau von 2009. Netto 8,5 Millionen, dazu 20 Prozent Planungskosten und zzgl. 19 Prozent Mehrwertsteuer – macht tutto kompletto 12,1 Millionen. Die Zahl erstaunt angesichts eines Bauwerks von nur etwa 20 Meter Länge, dazu Treppe und Rampe zur Überwindung des Höhenunterschieds.

Zum Vergleich: Die sogenannte Bahnhofshinterfahrung wird mit 65 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten sind nach offiziellen Angaben fast drei Kilometer Straße (exakt: 1.640 Meter Hauptrasse und 1.270 Meter Anschlüsse), fünf Brückenbauwerke, aufwendige Kreuzungen und Kreisverkehre mit opulenten Wegweiseranlagen sowie 30.000 Quadratmeter Gewässerbau incl. Stützmauern u.ä. Nicht zu vergessen die Errichtung einer als „Landschaftsbauwerk“ getarnten Giftmülldeponie neben der Villa Post – ebenfalls im Preis inbegriffen.

Baudezernent Grothe will den Hagenern also erzählen, dass ganze 20 Meter Verlängerung des acht Meter breiten Personentunnels unter den Bahnsteiganlagen des Hauptbahnhofs soviel kosten würde wie 540 Meter Straße plus einer Brücke plus anteiligem Gewässerbau plus anteiliger Müllkippe im Rahmen der – technisch nicht gerade unanspruchsvollen – Bahnhofshinterfahrung.

Nun lassen sich verschiedene Baumaßnahmen natürlich nicht 1:1 umrechnen; Äpfel mit Birnen zu vergleichen geht in der Regel nach hinten los. Aber einen Anhaltspunkt gibt der Hinweis auf die Kosten der Bahnhofshinterfahrung schon her. Woher kommt also eine solche Kostenschätzung? Plant das Grothe-Amt in der Tunnelverlängerung goldene Pflastersteine zu verlegen? Oder soll der Tunneldurchstich – aus welchen Gründen auch immer – mit Hilfe von überhöhten Kostenansätzen verhindert werden?

Der Stadtentwicklungsausschuss, in dem immerhin einige Architekten und Ingenieure (!) Sitz und Stimme haben, hat jedenfalls nichts gemerkt – oder wollte es nicht. Das Gremium hat in gewohnter Routine alles abgenickt und die Verwaltungsvorlage einstimmig „zur Kenntnis genommen“, wie das Protokoll vermerkt.

Dabei hätte schon der Blick auf „ein Häuschen weiter“ stutzig machen müssen. Ein ähnliches Projekt wurde 2012 in Recklinghausen umgesetzt. Die Tunnelverlängerung unter dem dortigen Hauptbahnhof war zwar noch kürzer als die Hagener Variante, es handelte sich nur um ca. 10 Meter. Aber es war ebenfalls ein Niveauunterschied zu überwinden, dazu mussten eine Treppe und 90 Meter Rampe erstellt werden.

Die Baukosten in Recklinghausen beliefen sich auf lediglich 1,5 Millionen Euro, 300.000 Euro weniger als erwartet – und meilenweit entfernt von den abenteuerlichen 12-Millionen-Berechnungen aus dem Hause Grothe.

Eine Antwort to “Goldene Pflastersteine im Hauptbahnhof”

  1. A. Quatermain Says:

    Jetzt weiß man doch, warum keine andere Kommune diesen Baumeister haben wollte.
    Zig Bewerbungen hatte er doch geschrieben.

    Denen ist aufgefallen, das er in Hagen genug Mist fabriziert hatte und wollten ihn wohl auch deshalb nicht haben.

    Umleitung von Geldern scheint ein großes Hobby von ihm zu sein.
    Ich nenne nur, Öffentliches Scheißhaus Haspe und Sprungschanze Altenhagen.
    Bei letzteren durften 2 Hobbymalerinnen sich daran austoben.

    Oder erst wird für viel Geld eine Kreuzung auf der Schwerter Str. gebaut, nach der Eröffnung kommt da ein Kreisverkehr hin.

    Einen Zentralen Busbahnhof am HBF und Sparkassen-Carre,
    den jeder Praktikant besser hin bekommt.
    (Bei 3 Gelenkbusse wird der Halteraum knapp und die Fahrgäste dürfen dann in Kurven einsteigen.
    Was man auch öfters in Haspe beobachten kann.)

    Die Unendliche Geschichte mit den Bahnhofsvorplatz hat
    nur 8 Jahre gedauert. Aber dafür war die dortige Grundsteinlegung mit Johannes Rau ganz nett.
    Oder das Gespinnse mit dem EVO-Park.
    Etc. usw. usf.

    Die Geschichte dieses Baumeister für die Stadt Hagen ist im negativen Sinne unendlich. Er ist oberster Chef seiner Behörde.

    Aber zum Dank bekam er von der Stadt Hagen als Verlängerung noch einmal 8 Jahre als Wahlbeamter.

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