Wirtschaftspolitik im Strukturwandel

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Gewerkschaften in der Region entwickeln Perspektiven und Strategien für Gute Arbeit in der Region

Im IGM-Bildungszentrum Sprockhövel erfolgte ein gelungener Auftakt der Bildungsreihe des DGB Ruhr Mark. In einem vollen Saal begrüßte die örtliche DGB-Kreisverbandsvorsitzende Clarissa Bader das interessierte Publikum. Unter dem Titel „Wirtschaftspolitik im Strukturwandel“ waren viele Betriebs- und Personalräte sowie weitere Gewerkschaftsaktive der Einladung gefolgt, um sich dieser schwierigen Thematik betriebs- und gewerkschaftsübergreifend zu stellen.

In der Auftaktveranstaltung informierte Dr. Inge Lippert vom DGB-Bundesvorstand über zentrale Trends, die dann von DGB Regionsgeschäftsführer Jochen Marquardt in einer Analyse für die Städte und Kreise der Region bestätigt und konkretisiert wurden.

In ihrem Vortrag verwies Dr. Lippert auf die engen Zusammenhänge zwischen der falschen Exportorientierung und Sparpolitik in Europa und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung in den einzelnen Ländern.

In diesem Bereich sind ebenso politische Korrekturen erforderlich wie es unausweichlich darum gehen muss die Entwicklungen der Demografie im Land, die Perspektiven der Industrie- und Dienstleistungspolitik vor dem Hintergrund einer zunehmenden Digitalisierung und nicht zuletzt die Erfordernisse und Auswirkungen in einer Neuausrichtung der Energiepolitik in den Fokus zu nehmen. Diese Prozesse sind in engen Zusammenhang mit den Fragen nach der Zukunft der Arbeit zu verbinden und stellen die Gewerkschaften vor herausfordernde Gestaltungsaufgaben.

Marquardt knüpfte in seinem Referat an die aufgezeigten Trends an und stellte umfangreiche regionale Daten und erkennbare Entwicklungslinien vor. Trotz unterschiedlicher Arbeitsmärkte in den Städten und Kreisen der DGB Region verzeichnen sie viele gemeinsame Tendenzen.

Das häufig zitierte Wunder auf den Arbeitsmärkten ist zwar durch die Zählweise nach Köpfen rechnerisch richtig; allerdings in hohem Maße durch Teilzeitjobs sowie atypische und prekäre Arbeitsplätze gekennzeichnet. Das Delta zwischen angebotenen Stellen und suchenden Erwerbslosen ist immer noch riesengroß. Das Verhältnis der Personen, die sich auf eine offene Stelle bewerben können, reicht von 4,5 Suchenden im Märkischen Kreis bis auf dramatische 12,2 Suchende in Herne.

Diese kritische Bilanz übertrug der Referent auch auf die Situation auf dem Ausbildungsmärkten in der Region. Auch hier bleibt es trotz unterschiedlichen Angebots-Nachfrageverhältnissen in den Städten und Kreisen dabei, dass die Anzahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen immer noch völlig unzureichend ist und dass das vorhandene Angebot gerade einmal von einem Viertel der Betriebe bereitgestellt wird.

Den Abschluss der arbeitsmarktlichen Betrachtungen bildete ein Blick in die Erwerbslosenstatistiken. Hier gilt unter anderem die Verstetigung der Langzeitarbeitslosigkeit zu betrachten. In einer Region, die durch eine mittelständische Unternehmenslandschaft und einer zunehmenden Dienstleistungsentwicklung geprägt ist, stellen sich demnach besondere Herausforderungen, die im nach wie vor industriell geprägten Märkischen Kreis gleichermaßen und eben doch auch anders anzugehen sind, als das sich in einer besonders schwierigen Lage befindenden Bochum, wo in den kommenden Wochen der letzte Opel vom Band läuft.

Als Querschnittsthemen benannte der Referent sowohl die durchgängig bedrückende Lage bei den kommunalen Finanzen und wachsende Armutsentwicklungen, vor allem in den Städten der Region. Zum Abschluss waren die Teilnehmenden aufgefordert in einem „Wordcafé“ über die genannten Fragestellungen zu diskutieren und ihre Vorstellungen, aber auch ihre Ängste über die anstehenden Veränderungen zu formulieren.

Der DGB und seine acht Gewerkschaften in den fünf Stadt- und Kreisverbänden wollen sich den Herausforderungen in den kommenden zwei Jahren mit verschiedenen Veranstaltungen stellen. Nachdem im Einstieg die Themen aus der Sicht des Bundes-DGB und der Region mit Daten hinterlegt wurden, geht es im Februar in den Märkischen Kreis. Dort wird Prof. Dr. Ernst Kistler in die Debatte um den demografischen Wandel einführen.

Anschließend wird dann Dr. Urs Ruf über praktische Herausforderungen im Betrieb diskutieren. Im Sommer 2015 folgt eine Veranstaltung in Bochum. Hier sollen die Entwicklungen der so genannten „4. industriellen Revolution“, d.h. der zunehmender Digitalisierung der Arbeitswelt mit Prof. Dr. Klaus Dörre und Wolfgang Nettelstroth von der IG Metall dargestellt und Gestaltungsaufgaben debattiert werden.

Eine dritte Runde ist dann in Herne geplant. Gemeinsam werden Prof. Dr. Peter Hennicke und Dr. Ralf Bartels (IGBCE) die Aufgaben der Energiewende in den Kontexten Klima, Versorgung und Beschäftigung erörtern. Im Jahr 2016 wird es die Reihe in Hagen beendet.

Hier werden die Erkenntnisse zusammengetragen, die Ideen aus den Veranstaltungen aufgegriffen und darüber diskutiert wie Gewerkschaften in den Betrieben und in den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen erfolgreich für mehr gute Arbeit und eine gute Entwicklung der Wirtschaft im Interesse der Menschen erfolgreich wirken können.

Politische und wissenschaftliche Aufklärung soll in einen wirksamen Zusammenhang mit pragmatischen Umsetzungsschritten gebracht werden. Eine spannende Herausforderung für die Gewerkschaften in der DGB Region Ruhr Mark.

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