Vom Regen in die Traufe

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Jörg Dehm bleibt im vertrauten Beritt: Vom OB einer Pleite-Kommune zum Partner einer angeschlagenen AG

Der Pressebericht vom Dienstag deutete es nur zart an. Der Hagener Ex-OB Jörg Dehm habe ein neues Betätigungsfeld als „Senior Partner“ des Unternehmens seines „langjährigen Freundes“ Frank Oesterwind, der Mülheimer Enerson AG, gefunden. Dort gebe es allerdings „wirtschaftliche Probleme“.

Was die Hagener Presse nicht berichtete: Die „Probleme“ sind mit Aktenzeichen bestückt: 63 IN 206/13, 63 IN 207/13 und 63 IN 229/13. Darunter werden im Zusammenhang mit der Enerson AG Insolvenzverfahren beim zuständigen Insolvenzgericht Duisburg geführt.

Dabei hatte es wie üblich so gut angefangen. Im Mai 2012 jubelte der Mülheimer Ableger der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ): „Enerson AG bringt Jobmotor nach Saarn“, einen Stadtteil von Mülheim. Die Firma wolle ihre Belegschaft um 100 Mitarbeiter aufstocken. Es habe eine große „Vorstellungsrunde mit Medienvertretern, Wirtschaftsförderung und Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld“ gegeben. „Mittlerweile sind wir schon wer“, stellte Vorstandsvorsitzender Oesterwind fest.

Das vollmundige Versprechen hielt nicht lange, im Oktober 2013 musste für eine Tochtergesellschaft die Insolvenz angemeldet werden. Schuld soll die Energiewende gewesen sein. Die AG als „Dach“ des Unternehmens ging – angeblich aus juristischen Gründen – mit ins Verfahren. Oesterwind führte zur Begründung an: „So konnten wir auch in der Zentrale Kosten reduzieren.“

Die WAZ berichtete im Januar 2014 wohlwollend unter dem Titel „Enerson AG will die Krise überwinden“: „Die kurzzeitige Planinsolvenz mit der vorübergehenden Zahlung von Gehältern durch die Agentur für Arbeit sei ein gutes Verfahren, urteilt Frank Oesterwind. „Das hat viele positive Aspekte. Davor muss man auch keine Angst haben.“ Mit 200 Mitarbeitern in Zentrale und Tochterfirmen war die Enerson AG in Mülheim gestartet, 60 Arbeitsplätze wurden bereits vor dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren abgebaut.“ Kritische Nachfragen? Fehlanzeige. Dabei sollten doch eigentlich 100 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Am 23. April 2014 wurde laut Angabe des Duisburger Gerichts das Insolvenzverfahren gegen die Enerson Operations GmbH aufgehoben, nachdem die Bestätigung des Insolvenzplans vom 04.03.2014 rechtskräftig geworden war. Aber die Freude währte nicht allzu lange.

Am 9. Juli titelte die Mülheimer Ausgabe der WAZ: „Nach Schutzschirm folgen Entlassungen bei Enerson-Tochter in Mülheim“. Weiter heißt es: „Das neue Konzept für die Tochterfirma der Enerson AG erwies sich als nicht tragfähig. Erst Ende März waren Insolvenzplan und Schutzschirm für das Mülheimer Unternehmen genehmigt worden, jetzt wurden Mitarbeiter der Tochter entlassen. Das übrige Geschäft der Enerson-Gruppe läuft weiter.

Es ist erst wenige Monate her, seit die Mitarbeiter der Enerson Operations GmbH einen Hoffnungsstreif am Horizont gesehen haben. Im März stimmten die Gläubiger dem Insolvenzplan für die Tochterfirma von Enerson zu, man freute sich über den Erhalt der Firma und der Arbeitsplätze. Doch die Hoffnung war vergebens: Die Mitarbeiter haben inzwischen ihre Kündigung erhalten, manche warten noch auf ihren Lohn von Juni.“

Sieben Tage später gab die Enerson AG den Einstieg ihres neuen Partners Jörg Dehm bekannt, garniert mit den szenetypischen Floskeln:

„Jörg Dehm hat im Rahmen seiner 35-jährigen Tätigkeit für drei unterschiedliche Kommunen umfangreiche Erfahrungen in allen Bereichen kommunalen Handelns erworben. Seine Schwerpunkte lagen im Bereich der Haushaltssanierung und der Beteiligungsentwicklung. Als Oberbürgermeister einer Stadt im Stärkungspakt hat er die bereits als Stadtkämmerer erworbenen Sanierungserfahrungen vertiefen können. Erfahrungen bringt er zudem in Fragen von Organisationsoptimierung, Outsourcing und Rekommunalisierung ein wie auch bei den Themen Stadtentwicklung, Öffentliches Bauen oder Schulentwicklung.

Für Jörg Dehm steht im Vordergrund, dass gemeinsam mit dem Kompetenzteam der enerson ein ganzheitliches Beratungsangebot mit größtmöglichem Nutzen für die Kommunen umgesetzt werden kann.

Dazu gehört, neben den strategischen und operativen Fragen im Rahmen von Veränderungsprozessen die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Fokus zu nehmen. Dehm weiß aus einer Vielzahl von eigenen Projekten, dass die richtigen Konzepte ohne eine gezielte Personalentwicklung und –unterstützung selten erfolgreich umgesetzt werden.

enerson-Vorstand Frank Oesterwind sieht das Geschäftsfeld von enerson kommunal als sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Aufgaben der Gruppe. „In Synergie zu unseren etablierten Geschäftsbereichen können wir mit den Erfahrungen und Kompetenzen von Jörg Dehm können wir den Kommunen ein ganzheitliches Beratungsangebot mit größtmöglichem Nutzen bieten.“, so Frank Oesterwind.“

So wächst zusammen, was zusammen gehört. Na denn: Frohes Gelingen.

Eine Antwort to “Vom Regen in die Traufe”

  1. Umleitung: Kein Humboldt in Düsseldorf, Radwege, Putins Trucker, Dschihad im Norden, Buhrows Rasenmäher und mehr | zoom Says:

    […] Hagen: Vom Regen in die Traufe … doppelwacholder […]

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