„Minderleister“-Debatte bei Enervie

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Der Begriff „Minderleister“ wird zum Reizwort beim Hagener Energieversorger Enervie. Der Gesamtbetriebsrat kritisiert in einem offenen Brief, dass in einem Arbeitspapier die Führungskräfte aufgefordert werden, „Minderleister“ an die Personalabteilung zu melden. (…)

Quelle: DerWesten

Anmerkung: Nach Untersuchungen haben etwa ein Viertel der Beschäftigten in deutschen Unternehmen „innerlich gekündigt“. Der Grund liegt häufig in der Unfähigkeit (und Unwilligkeit) von Leitungen und Vorgesetzten, diejenigen, die sie „Mitarbeiter“ nennen, auch als solche zu behandeln und sie nicht zu Befehlsempfängern zu degradieren. Häufig ist es zudem so, dass schon die zweite Ebene qualifizierter ist als die Geschäftsleitungsetage, die das Sagen hat – auch bei städtischen Gesellschaften in Hagen.

Im Fall Enervie sind „Minderleister“ zuerst einmal in den Reihen jener Leitungskader zu suchen, die die Verantwortung dafür tragen, dass die Energiewende jahrelang verschlafen wurde. Stattdessen versuchte man sich als „national player“, was bekanntlich nicht so recht funktionierte. In der Folge stehen jetzt Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel und Dividendenzahlungen an die Stadt in Millionenhöhe fallen aus, während die Bezüge der Vorstandsmitglieder trotzdem erst vor einigen Monaten kräftig angehoben wurden.

Mitverantwortlich ist auch der Aufsichtsrat, der eigentlich – wie der Name zumindest suggeriert – das Gebaren der Geschäftsleitung kontrollieren soll. Das ganze erinnert ein wenig an das unrühmliche Beispiel der WestLB, die auch von einem Instrument der Daseinvorsorge zu einem Institut des Größenwahns aufgepumpt wurde und in der Folge krachend zusammenbrach.

In welche Richtung sich eine solche Unternehmenspolitik entwickeln kann, beschreibt der folgende aktuelle Beitrag:

Blackout im Rathaus

In Deutschland stehen Dutzende Stadtwerke am Abgrund. In Gera melden nun die ersten kommunalen Stadtwerke Insolvenz an. Weil die auch Busse und Bahnen betreiben, droht dort Stillstand. Die Gründe der Krise liegen nicht nur in der Energiewende. (…)

Im ostdeutschen Gera droht Stillstand. Die 100.000-Einwohner-Stadt im Osten Thüringens wird zum Schauplatz einer bundesweiten Premiere. Mit der Stadtwerke Gera AG muss das erste deutsche Stadtwerk Insolvenz anmelden. Ein Sprecher der Stadt betonte zwar, bislang sei nur die Holding betroffen, die Versorgung der Bürger werde aufrecht erhalten. Die Stadt räumte aber ein, dass auch operative Töchter in die Insolvenz gezogen werden könnten. (…)

Gera steht nicht allein. So stellten die Stadtwerke Ulm 2012 die Zahlungen an die Stadtkasse ein, allerdings ohne Insolvenz anzumelden. Auch in Städten wie Darmstadt oder Aachen sieht es nicht viel besser aus. Zum Problem wird der Fall vieler Stadtwerke vor allem für die klammen Kommunen in Nordrhein-Westfalen, von denen viele über ihre Stadtwerke Großaktionäre des Energiekonzerns RWE sind. (…)

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Eine Antwort to “„Minderleister“-Debatte bei Enervie”

  1. Umleitung: Bitte nicht mehr vor dem Spiel lesen … von SAQ bis Troll-Alarm … | zoom Says:

    […] Hagen: „Minderleister“-Debatte bei Enervie … doppelwacholder […]

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