Der Gewinner der Verlierer

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Erik O. Schulz ist der neue Hagener Oberbürgermeister

Mit einem deutlichen Vorsprung von mehr als 25 Prozentpunkten ist der bisherige Geschäftsführer der Agentur Mark, Erik O. Schulz, zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Hagen gewählt worden. Schulz erhielt 62,7 Prozent der abgegebenen Stimmen, sein Mitbewerber Horst Wisotzki musste sich mit 37,3 Prozent bescheiden.

Geradezu unterirdisch war die Wahlbeteiligung: Nur 31,2 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Lag es am Wetter, an der Volksdroge Fußball, an grassierender Demokratiemüdigkeit oder fehlte es doch eher an einer echten Wahlalternative? Bei allem Getöse im Vorfeld war von Anfang an klar, dass beide im Prinzip so weitermachen wollten, wie es schon bisher in Hagen lief: Brav das exekutieren, was von oben vorgegeben wird.

Verwaltungsmann Schulz war als parteiloser Kandidat gemeinsam von CDU, FDP und GRÜNEN aufgestellt worden, der pensionierte Ex-Chef der Hagener Feuerwehr Wisotzki trat für die SPD an. Kurios: Beide sind sozusagen „Quereinsteiger“.

Schulz war lange Jahre Mitglied der SPD und hatte schon 2009 die OB-Kandidatur für seine damalige Partei angestrebt, war aber damals parteiintern seinem Genossen Jochen Weber unterlegen. Im Vorfeld der jetzigen Kommunalwahlen trat er aus der SPD aus und wurde unmittelbar darauf von CDU, FDP und GRÜNEN als gemeinsamer OB-Vorschlag präsentiert.

Wisotzki war dagegen parteilos, obwohl er einer sozialdemokratisch geprägten Familie entstammt. Sein Vater war u.a. zehn Jahre lang Hasper Bezirksvorsteher. Erst nach seiner Pensionierung trat der Junior in die SPD ein und wurde trotzdem schon wenige Monate später zum OB-Kandidaten seiner Partei ausgerufen.

Beide Kandidaten waren zweifellos Verlegenheitslösungen, da die personellen Reserven der Parteien langsam aber sicher zur Neige gehen. Bei der CDU hatte die einzige satisfaktionsfähige Option, Stadtkämmerer Christoph Gerbersmann, frühzeitig abgesagt. Als Herr über die städtischen Finanzen wird er wohl sehr genau gewusst haben, warum er sich den Tort nicht aufhalsen wollte. Beim GRÜNEN Jochen Riechel dürfte die Gefühlslage ähnlich ausgesehen haben.

Richtig angestochen war die Hagener SPD, deren Parteiführung sich nicht entblödete, gegen eine ihrer eigenen Genossinnen juristisch vorzugehen, die es gewagt hatte, darauf hinzuweisen, dass wohl eigentlich ein ganz anderer OB-Kandidat ins Auge gefasst worden war und nach dessen Absage ein gesundheitlich angeschlagener Horst Wisotzki aus dem Hut gezaubert wurde.

Nun ist die Wahl gelaufen und Erik O. Schulz wird zeigen müssen was er kann – oder will. Klar ist nur eins: Er ist der Oberbürgermeister der Wahlverlierer. Alle drei ihn unterstützenden Parteien haben bei den Kommunalwahlen Stimmen eingebüßt. Während die CDU mit einem Minus von 1,3 Prozentpunkten noch glimpflich davon gekommen war, verloren die GRÜNEN gut ein Viertel ihrer Wähler und die FDP mehr als die Hälfte.

Eine Antwort to “Der Gewinner der Verlierer”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    67,2 % von 31,2 % (= 0,672 * 0, 312) macht ca. 21 % wirkliche wählerzustimmung. die“machtfülle des amtes ist aber so wie bei einer 100 % wahl!! .da ham‘ er‘ se, die postdemokratie. hinzu kommt, das herr neuer ob schulz als parteiübergreifender nicht mal mehr RHETORISCH an irgendwelche parteibeschlüsse, wde cu,noch grüne noch spd, gebunden ist.
    ein weiterer schritt in den „abgrund“ des autoritären etatismus. die persönliche, gerne auch von personengruppen genutzte, willkürherschaft. de jure. de facto. de catastropho.

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