Nur noch peinlich

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Hagener Presse verwechselt Buchdruck mit Buchbinderei

Es ist schon ein Kreuz mit der heimischen Presse. Da werden Straßen in falschen Stadtteilen verortet und der Sitz der Hagener Abteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes wird beispielsweise kurzerhand in die Altenhagener Alleestraße verlegt, obwohl der DGB seit Jahrzehnten in der Körnerstraße in der Stadtmitte ansässig ist.

Richtig peinlich wird es allerdings, wenn Schreiber der lokalen WRWP-Einheitszeitung Buchdruck und Buchbinderei verwechseln. Dann geht es ans Eingemachte, an Unkenntnis der Geschichte des eigenen Mediums. Es geht um die Technik, ohne die es Journalisten auch im heutigen digitalen Zeitalter überhaupt nicht gäbe.

So geschehen in der Freitagsausgabe der Hagener Lokalausgabe der Funke-Gazette (früher WAZ) in dem Bericht über eine Ausstellung im Freilichtmuseum. Der basierte auf einer Pressemitteilung – man hätte also eigentlich nicht viel falsch machen können.

Hat man aber. In der Überschrift des Artikels heißt es: „Alles über die Kunst der Buchdruckerei“. Mal abgesehen davon, dass es sich hier nicht um Kunst, sondern um Handwerk handelt, geht es bei dieser Ausstellung nicht um Drucktechnik. Vielmehr steht die Buchbinderei im Fokus.

Der Buchdruck war allerdings seit Beginn des Zeitungswesens bis in die 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts die Technik, mit der Zeitungen vervielfältigt wurden. Das sollten Journalisten eigentlich auch heute noch wissen. Buchdruck war das am meisten verbreitete Hochdruckverfahren, mit dem eben nicht nur Bücher produziert wurden, sondern auch Periodika aller Arten und andere Druckwerke.

So auch in Hagen. Vor dem Bau des Druckzentrums in Bathey war die Setzerei der Westfalenpost in einem Hintergebäude der heutigen Rathausstraße (damals: Heidenstraße) angesiedelt, das erst kürzlich der im Bau befindlichen Rathaus-Galeere weichen musste. Während im Kellergeschoss die Linotype-Maschinen ratterten, lagen auf dem Hof gegossene Zeilen herum, die irgendwie überflüssig waren.

Überflüssig wurden dann später auch die Setzer, die Metteure und die Korrektoren. Auch Journalisten, die qualifiziert arbeiten, werden offenbar zunehmend überflüssig. Siehe das aktuelle Beispiel.

Wir wissen natürlich nicht, wer am Tage der Bearbeitung der Pressemitteilung des Freilichtmuseums im Pressehaus dafür zuständig war, aber die Namen der Qualitätsjournalisten Yvonne Hinz und Mike Fiebig fallen einem selbstverständlich als erstes ein. Spätestens Redaktionsleiter Michael Koch hätte aufwachen müssen – hätte er denn sein eigenes Blatt Korrektur gelesen.

Aber das gehört offensichtlich nicht mehr zu den Aufgaben des Lokalchefs einer Regionalzeitung.

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