Knochenleim und Goldrausch

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250 Jahre Buchbinderhandwerk im Hagener Freilichtmuseum

„Knochenleim & Goldrausch. Buchbindereien vom 18. Jahrhundert bis in das E-Book-Zeitalter“ – so lautet der Titel der Sonderausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Hagener Freilichtmuseum in diesem Sommer zeigt. Der Technik- und Sozialgeschichte des Buchbinderhandwerks, diesem heute selten gewordenen Handwerk, widmet sich das Freilichtmuseum vom 15. Juni bis zum Saisonende am 31. Oktober.

Erstmals für Westfalen-Lippe würdigt das Freilichtmuseum ein Handwerk, das heute eine Nische füllt, historisch aber entscheidend dazu beigetrug, dass Bücher die Popularität erreichten, die sie heute besitzen. Denn erst die Buchbinder machten aus losen Druckbogen handliche und haltbare Bücher. Seit der Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich das Buchbinderhandwerk lange Zeit technisch kaum weiter, was sich nach der Auflösung der Zünfte ab Beginn des 19. Jahrhunderts änderte.

„Sowohl handwerks- als auch sozialgeschichtlich ist besonders die Zeit um 1900 sehr interessant, als auch die kleineren Buchbindereien mechanisiert wurden. Parallel dazu entwickelte sich das industrialisierte Buchbinden. Die daraus folgenden negativen Auswirkungen auf kleine Handwerksbetriebe ließen nicht lange auf sich warten“, erklärt Ausstellungsmacherin Dr. Anke Hufschmidt.

Außerdem präsentiert die Ausstellung einzelne Buchbinder, ihre Werkstätten, Betriebe und Familien. Anhand zweier Buchbinderfamilien aus Westfalen und Lippe werden die Veränderungen im Handwerk durch 150 Jahre Familiengeschichte nachvollziehbar.

Aus den 1950er Jahren werden zwei Buchbindermeisterinnen aus Hagen vorgestellt: Marianne Proll und Hanni Vomhof. Beide stellten besondere gestalterische Ansprüche an das Buchbinden: Hanni Vomhof schloss sich der Hagener Künstlervereinigung „Hagenring“ an, Marianne Proll war Mitglied im Verband „Meister der Einbandkunst“.

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation. In vier Beiträgen beleuchtet sie die Geschichte des Buchbinderhandwerks in der Zunftzeit, im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert beleuchtet sowie den Stand des Handwerks zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Kernstück des Ausstellungsbuches ist die in Fotos schrittweise dargestellte Anleitung zum Binden eines Buchdeckels wie er um 1900 gearbeitet wurde. Zudem zeigen rund fünfzig ausgewählte Objekte, die ausführlich vorgestellt werden, die Entwicklung des Buchbinderhandwerks der vergangenen 250 Jahre. Die Ausstellungspublikation ist reich bebildert und kostet 20 Euro.

Mehr dazu im Internet unter: www.lwl-freilchtmuseum-hagen.de

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