Die Katze im Sack: Das RWE-Enervie-Aktien-Paket

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Rückkauf ist riskant und Enervie vielleicht nicht mehr viel wert

Die Rekommunalisierung der RWE-Anteile am Energieversorger Enervie wäre politisch geboten und aktuell möglich, da der Essener Energieriese in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist und es deshalb darauf anlegt, Beteiligungen gewinnbringend abzustoßen.

Darunter eben auch die 19-Prozent-Beteiligung am heimischen Nachfolger von Elektromark und Stadtwerke Hagen, an dem die Stadt 42 Prozent der Anteile hält. Hagen hätte ein Vorkaufsrecht entsprechend der Höhe der Beteiligung für ein Paket von etwa 10 Prozent der Aktien. Der Erwerb weiterer Anteile wäre möglich, wenn andere an Enervie beteiligten Kommunen ihrerseits auf Vorkaufsrechte verzichten würden; dann wäre Hagen wieder am Zug und könnte auch die restlichen 9 Prozent übernehmen.

So zu lesen in einer „Untersuchung zur möglichen Ausübung des Vorkaufsrechts zum Erwerb von Anteilen an der ENERVIE durch die Stadt Hagen“ der Beratungsgesellschaft PKF, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurde.

Neben einer Vielzahl anderer Unwägbarkeiten liegt die Problematik des eigentlich Wünschenswerten, nämlich des Erwerbs der RWE-Anteile durch die Kommune, in einer nur noch absurd zu bezeichnenden rechtlichen Rahmenbedingung. Danach muss das Vorkaufsrecht aufgrund vorgegebener Fristen ausgeübt werden, bevor überhaupt der „objektive“ Wert der Beteiligung ermittelt worden ist. Vulgo: Die Stadt müsste die Katze im Sack kaufen.

Die Firma Remondis hat pro Aktie 2,74 Euro gezahlt – und das quasi aus der Portokasse, da sie – laut Geschäftsbericht – über 300 Millionen Euro allein an flüssigen Mitteln verfügt. Das ist zweifellos ein „strategischer“ Preis, um den Fuß in die Tür zu bekommen. Die von der Stadt Hagen beauftragten Gutachter kommen nach ihrer Einschätzung bei der Wertermittlung zu wesentlich geringeren Beträgen.

In sechs Szenarien werden von PKF die sogenannten „inneren Werte“ des Unternehmens Enervie skizziert. Selbst die (unwahrscheinlich) positivste Annahme liegt bei weniger als 50 Prozent des Remondis-Angebots, vier Modelle weisen sogar einen „Wert“ unter Null aus; danach könnte man die Aktien gleich der thermischen Verwertung anheim führen. Sogar die Alternative der reinen Substanzbewertung reicht bei weitem nicht an das Remondis-Angebot heran.

Wieder einmal zeigen sich die Folgen des ideologisch forcierten Privatisierungswahns der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Die Erfolgsversprechen zerbröseln zu Staub, die in die „unternehmerische Freiheit“ entlassenen Bestandteile der Kommune sind nichts oder nicht mehr viel Wert und eine absurde Rechtslage – auch die ist ja politisch gewollt – gibt dem Gemeinwohl den Rest.

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