Ohne parlamentarische Kontrolle

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Auch Hagener Hochschulräte verteilen Steuergelder an Leitungskräfte

Während sich das akademische Prekariat von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt, durften die Spitzen des Hochschulmanagements in den vergangenen Jahren einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen. Das ist einer jetzt aufgetauchten Liste (pdf) zu entnehmen, die nach Medienberichten ihre Quelle in der Düsseldorfer Ministerialbürokratie haben soll und die Beträge auf Heller und Pfennig nennt. So auch für Hagen.

Der Rektor der Hagener Fernuniversität, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, hat sein Gehalt in acht Jahren um fast 54 Prozent steigern können: Bis 2004 wurde er nach der Gehaltsgruppe B6 für Spitzenbeamte bezahlt – Grundgehalt: 88.640 Euro. 2012 bekam er insgesamt 136.019 Euro – davon waren 37.003 Euro frei mit dem Hochschulrat ausgehandelt.

Die Verwaltungschefin der FernUni, Kanzlerin Regina Zdebel, erlangte im gleichen Zeitraum sogar eine Erhöhung um 68 Prozent – von 74.498 Euro (Gehaltsgruppe B3) auf 124.989 Euro, davon 43.828 Euro auf Veranlassung des Hochschulrats.

Für die – sowieso geringer bezahlten – Leitungskräfte der Fachhochschule Südwestfalen fällt das Zubrot entsprechend knapper aus: jeweils etwa 10.500 Euro p. a. aus dem „Extratopf“.

Seit dem Inkrafttreten des sogenannten „Hochschulfreiheitsgesetzes“ zu Zeiten der schwarz-gelben Landesregierung in NRW werden neben dem an der W-Besoldung orientierten Grundgehalt und fest vereinbarten „Funktionsleistungsbezügen“ auch noch weitere Zulagen frei und geheim im Hochschulrat ausgehandelt.

Diese Spitzengehälter werden zwar an Besoldungsordnung und parlamentarischer Kontrolle vorbei bezahlt, allerdings nicht aus den Taschen der Wirtschaftsvertreter in den Hochschulräten, sondern aus Steuergeldern, die dann für die in Lehre und Forschung Tätigen natürlich nicht mehr zur Verfügung stehen.

Hochschulräte wurden im Zusammenhang mit dem „Hochschulfreiheitsgesetz“ des FDP-Landesministers Pinkwart während der Rüttgers-Regierung eingeführt. Ziel dieses Gesetzes war die „unternehmerische Hochschule“, in der sich die Hochschulleitungen an den Gebräuchen in den Unternehmen orientieren sollen und nicht als Spitze einer mit öffentlichen Mitteln finanzierten Wissenschaftseinrichtung, die durch staatliche Alimentierung von den Verwertungszwängen freigestellt ist, die in der unternehmerischen Welt herrschen, und dies, damit Wissenschaftler unabhängig forschen und lehren und junge Menschen selbstbestimmt lernen und arbeiten können.

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