Strolche und Stromer

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Sind die „Würzburger“ eine Vorfeldorganisation des Energie-Versorgers Enervie im politischen Raum? Oder ist das Unternehmen umgekehrt eine Rekrutierungsplattform dieser in der Hagener SPD beheimateten Gruppierung – volkstümlich auch „die kleinen Strolche“ genannt? Solche Fragen liegen nahe, wenn man die jüngsten Äußerungen von Prof. Karl-H. Hasenritter liest, die sich auf die umstrittene Kandidatenaufstellung für die Kommunalwahlen im Mai beziehen.

In einem gestern in der Hagener Presse erschienenen Leserbrief macht Hasenritter darauf aufmerksam, dass die SPD-Ratsfraktion schon bisher von Beschäftigten der Enervie dominiert ist. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Mark Krippner und sein Stellvertreter Claus Rudel seien Enervie-Beschäftigte. Neu komme ihr Kollege Martin Stange aus Vorhalle dazu. Claus Rudel und sein Freund Timo Schisanowski säßen im Aufsichtsrat des Unternehmens.

Hasenritter, der selbst Mitglied des SPD-Ortsvereins Wehringhausen ist, weist darauf hin, dass die Mehrheit der von der Landesschiedskommission aus Wehringhausen Verbannten Beschäftigte von Enervie oder Eheleute von Beschäftigten seien.

Strukturell könne eine Dominanz von Beschäftigten der Enervie, deren Unternehmensanteile zu gut 42 Prozent bei der Stadt Hagen liegen, in der künftigen Ratsfraktion zu massiven Interessenkonflikten bei Abstimmungen im Rat und im Aufsichtsrat führen. Schließlich bestimme der Aufsichtsrat das Gehaltsniveau der Vorstandsmitglieder und der Rat sei zuständig für den Abschluss von Konzessionsverträgen mit Enervie.

Weiter warnt Hasenritter vor Interessenkonflikten zwischen Kommunalpolitik, privaten Investoren und Enervie, beispielsweise beim Mix von konventionellen Kraftwerken und erneuerbaren Energien.

Schon in der jüngeren Vergangenheit hatte der Energieanbieter leichtes Spiel, seine Interessen im politischen Umfeld durchzusetzen. So genehmigte der Stadtrat die Verlegung des Unternehmensstandorts auf die grüne Wiese in Haßley, die Werkszufahrt nach „Elektrograd“ wurde in einen albernen „Platz der Impulse“ umbenannt und dem Vorstand eine massive Erhöhung der Bezüge zugestanden. Dass die Chefetage der Stromer vorher noch mehr für sich gefordert hatte und es dann doch ein bisschen weniger wurde, dürfte Teil eines abgekarteten Spiels gewesen sein.

2 Antworten to “Strolche und Stromer”

  1. emma Says:

    meines Wissens ist der Beschluss, dass Enervie in Haßley neu bauen kann, gegen die Stimmen der SPD gefasst worden! Die SPD-Fraktion wollte doch, dass der Standort in Wehringhausen von Enervie entwickelt und nicht als Industrie-Brache zurückgelassen wird!

    • ws Says:

      Die Entscheidung für den Standort Haßley fiel im Rat im November 2010. Explizit dafür sprachen sich laut Protokoll Vertreter von CDU und FDP aus, ausdrücklich dagegen Vertreter von GRÜNEN und HAGEN AKTIV. Die SPD hatte noch Klärungsbedarf und plädierte für Vertagung, die jedoch mehrheitlich abgelehnt wurde. Die Abstimmung über den Enervie-Standort war geheim und ergab 34:23 Stimmen pro Haßley.

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