Zwei Stadtplaner gehen in den Ruhestand

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Mit Hans-Dieter Schumacher und Jürgen Schädel verliert die Bauverwaltung der Stadt zwei strategische Planer. Die beiden gehen neben einigen anderen Mitarbeitern des Fachbereichs in den Ruhestand. (…)

Die Entwicklung des Industriegebietes im Lennetal habe den Niedergang der Hasper Hütte bzw. das Aus der Klöckner-Walzstraße in Kückelhausen relativ erfolgreich abgefedert. „Allerdings müssen Bierkastenläger, Autohäuser sowie völlig überdimensionierte und weitgehend ungenutzte Expansionsreserveflächen heute als Fehlentwicklungen betrachtet werden“, legt Schädel angesichts des anhaltenden Gewerbeflächenmangels in Hagen den Finger gleich wieder in offene Wunden. Zumal man in Kückelhausen entlang des Konrad-Adenauer-Rings heute denselben Trend beobachten kann: Handel und Dienstleister – die optimale Ausnutzung von knappen Gewerbeflächen für produzierende Betriebe sieht eben anders aus.

Auch Hans-Dieter Schumacher spart in der Rückschau nicht mit mahnender Kritik beim Blick auf die Flächennutzung in Hagen: „Ein Baulückenkataster ist immer ein Thema gewesen, um die Ausweisung von Neubauflächen zu kontern. Diese Theorie ist bis heute gut und sollte auch immer in den Hinterköpfen bleiben. Allerdings laufen die Marktmechanismen oft anders.“ Auf der grünen Wiese baut es sich eben deutlich netter. Er erinnert jedoch daran, dass gerade in einer schrumpfenden Stadt die Infrastruktur nicht mehr so wirtschaftlich betrieben werden könne – erst recht nicht, wenn die Zersiedelung voranschreite. (…)

Positiv empfindet Schädel auch die weitgehende Verkehrsberuhigung der Innenstadt: Die meisten Fahrzeuge rollen um das Zentrum herum. „Allerdings“, so der ehemalige Fachbereichsleiter, „ohne den 20- bis 30-prozentigen Einwohnerschwund würde der Ring angesichts des Verkehrsaufkommens schon heute nicht mehr funktionieren.“ Dazu haben auch die weiteren Umgehungsstraßen in Haspe, Delstern, Eckesey und Boele beigetragen. (…)

Allerdings habe es die Stadtplanungspolitik versäumt, die einstigen Hauptstraßen im Anschluss ­zurückzubauen, attraktiv umzugestalten und den Menschen dort ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. „Wir müssen aufpassen, dass mit dem Bau der Bahnhofshinterfahrung dies rund um den Bodelschwingh-Platz nicht auch wieder versäumt wird“, empfiehlt der ­Verkehrsplaner mit seinem reichen Erfahrungsschatz. (…)

Quelle: DerWesten

Anmerkung: Die (sanfte) Kritik der beiden Stadtplaner ist an vielen Punkten berechtigt. Aber warum äußern sie sich erst jetzt öffentlich, beim Eintritt in die Rente? Konnten sie vorher nicht, wollten sie nicht oder durften sie nicht? Die beschriebenen Fehlentwicklungen haben schließlich eine Jahrzehnte alte Tradition.

Die Planung des Industriegebiets Lennetal reicht zurück bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die dortigen Fehler müssen nicht erst heute als solche bewertet werden, sondern sind die Folgen der Vermarktungspolitik der Stadt Hagen. Einerseits sind die Flächen hochsubventioniert zu Tiefstpreisen verkauft worden, andererseits erhielt jeder Hempel, der nicht bei Drei schnell genug auf dem Baum war, den Zuschlag.

Gut, jeder darf mal einen Fehler machen. Aber nicht ständig wiederholen. Deshalb hat Schädel recht mit seiner Kritik bezogen auf Kückelhausen. Dort nehmen ausgerechnet jene Institutionen großen Raum ein, die mit schöner Regelmäßigkeit den angeblichen Mangel an Gewerbeflächen in der Stadt beklagen: Die Industrie- und Handelskammer und die Kreishandwerkerschaft mit ihren aus Steuergeldern subventionierten Komplexen.

Dazu gesellen sich der Sitz eines Telefonbuchverlags und eine Behindertenwerkstatt. Alles nichtstörende Einrichtungen, die schon aufgrund der mangelhaften Verkehrsanbindung in einem Gewerbegebiet nichts zu suchen haben (Bei der SIHK werden z. B. Fortbildungsveranstaltungen in den Abendstunden angeboten).

Auch die Kritik der beiden Stadtplaner an der zunehmenden Zersiedlung ist berechtigt. Aber auch in diesem Punkte hätten sie sich schon viel früher zu Wort melden müssen. Inzwischen haben die diversen Bauträger mit ihren Schlichtbauten bereits reichlich Spuren hinterlassen, die nicht mehr so schnell getilgt werden können.

Das gleiche gilt für die ebenfalls angesprochenen Umgehungsstraßen. In der gesamten Amtszeit von Schumacher und Schädel sind solche Projekte umgesetzt worden. Immer nur mit dem Augenmerk auf Neubau und nie war der Rückbau der zu entlastenden Straßen mit eingeplant, um die dort lebenden Menschen zu entlasten. So auch jetzt bei der Bahnhofshinterfahrung.

Dass mehr Lebensqualität im Umfeld des Bodelschwinghplatzes in die Finanzierung dieser Maßnahme nicht eingepreist ist, dürfte einem „Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung“ kaum entgangen sein.

Zum Renteneintritt gibt es also keinen Grund mehr für falsche Krokodilstränen.

2 Antworten to “Zwei Stadtplaner gehen in den Ruhestand”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    schöne, saubere kritik, der nur zugestimmt werden kann!

    das „grundproblem“ des einwohnerschwundes verweist darauf, dass die „marktmechanismenem“ die lebensplanung der menschen nun so gar nicht richtig berücksichtigen, es sei denn als verdienstquelle (privatisierung der renten).

    „eigentlich“ wäre der einwohnerschwund die gelegenheit, mieten und immobilenepreise endlich fallen zu lassen, die masse landet sowieso bei den kreditgebern banken.

    auch „sonst so“ müsste“eigentlich“ der „wert“ des einzelnen bürgers „steigen“. wir merken nichts davon, obrigkeitsstaatsallüren und marktmonopolmachtstrukturen (überall nur kettenfilalen von großkonzernen) nullen das einfach aus.

    das comptuerzeitalter mit ungeheurem rationalisierungs“potential“, die ungheure weltweite konkurrenzstrezstruktur der bildung, kultur, des sport, lassen eine arroganz gegenüber den zwangasanbietern ihrer arbeitskraft, welcher art auch immer, die sich in prekarisierung und lohndumping, sowie erzwungener wohnmobilität manifestiert, immer offensichtlicher werden.

    es gibt also im wahrsten sinne des wortes „gestaltungsraum“ hier in hagen und dieser raum wird gleich wieder „eng“ gemacht.

    den vielen migranten(stämmigen) kann nur zugerufen werden: unsere kaputtspar-rotstift-beriebswirtschaft-immobilienzins-streich-baukultur ist so schlecht, da kann von „woanders“ fast nur „besseres“ kommen!!

  2. A. Quatermain Says:

    Kann mich dem Autor Ws. nur anschließen.

    Warum reißen diese beiden Stadtplaner jetzt bei Eintritt in ihrer wohlverdienten Rente die Klappe auf?
    Locken Aufträge in der Freien Wirtschaft als Zubrot?

    Hatten diese Beamten nicht seit den 70er Jahren öfters die Gelegenheit,die Gigomanie an Umwidmung der Bauflächen,
    Einhalt zu gebieten? Ich erinnere nur an die Versprechungen und was am Ende bei dem Endresultat dabei herausgekommen ist.

    Verarsche der Hagener Bevölkerung nenne ich dieses!

    Diese beiden Hochbezahlten Beamten sollen ihre Pension, vom Hagener Bürger bezahlt, genießen und des weiteren ihre Klappe halten. Man hat die letzten 30 Jahren zu diesen Zuständen, wie sie heute da sind, aus diesen beiden Münder rein gar nichts gehört.

    Klientenpolitik wurde von der Planung bis zum Endergebnis vielfach betrieben. Deshalb hat die IHK und die Kreishandwerkerschaft so einen schönes Gebäudekomplex bekommen.
    Die Behindertenwerkstatt erinnert von außen mehr an einem Hochsicherheitsknast, als eine Werkstatt für Behinderte.

    Ach so, die Tage war Chef Grothe im TV.
    Er wurde gefragt zu den Zuständen wie sie sind in Vorhalle.
    Außer Quark nichts aus berufenen Munde gehört.

    Wie bei den 3 Affen.
    Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.

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