„Unangemessen, unfein, unhöflich“

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CDU-Fraktionschef Röspel rechnet auf seine Art und Weise mit dem Bildungsbürgertum ab

Besonders schmerzlich ist es immer, wenn eine sicher geglaubte Klientel sich plötzlich abwendet, weil auch für die Treuesten der Treuen irgendwann die Grenze dessen erreicht ist, was sie lange genug geduldig mitgetragen haben.

So ergeht es in diesen Tagen der Hagener CDU, die sich seit jeher als das politische Zentrum der hiesigen Gutbürgerlichkeit begreift. Vereinsmeierei, rustikale Gaststätten und ländliche Folklore – mit diesem Dreiklang lässt sich das christdemokratische Milieu in seinen Grundzügen beschreiben.

Dieses vor Harmonie triefende Bild hat seit dem Auftritt des Beigeordneten Huyeng auf dem Neujahrsempfang des Theaterfördervereins einen Knacks bekommen. Dort waren nicht die versammelt, die mit Helene Fischer oder Patrick Lindner ins Bett gehen, sondern Gutbürger, die sich nicht länger von Vertretern der professionalisierten „Bürgerlichkeit“ zutexten lassen wollen. Hagener, die sich von ihren vermeintlichen Vertretern nicht mehr als Claqueure von Schaufensterreden instrumentalisieren lassen wollen.

Die Enttäuschung über diese Unbotmäßigkeit ist bei den organisierten Stellvertretern der gehobenen Stände natürlich groß, schließlich nahen die Kommunalwahlen. Entsprechend genervt reagierte der Fraktionsvorsitzende der Rathaus-CDU, Wolfgang Röspel, und griff tief in die Kiste der Sekundärtugenden.

Als „im Ton und von den Umgangsformen unangemessenen und dazu noch sachlich falsch“ sei die – selbstverständlich „populistische“ – Kritik, heulte er in sein Taschentuch.

Aus Sicht Röspels wäre richtiger wäre gewesen, „Herr Hacker hätte auf den im September 2013 von Kämmerer Christoph Gerbersmann vorgelegten Haushaltssanierungsplan 2014/2015 hingewiesen. Hacker hätte erklären können, dass darin ein Konsolidierungsziel von 2,25 Millionen Euro für das Jahr 2018 für den gesamten Kulturbereich eingestellt war – auch auf Druck der Kommunalaufsicht in Arnsberg!“

Warum hätte er das machen sollen? Im Gegenteil. Der Theaterförderverein hat gut daran getan, sich nicht länger vor den Karren von Politik und Verwaltung spannen zu lassen.

Röspel weiter: „Fair wäre gewesen, Herr Hacker hätte erläutert, dass keinerlei anteilige Zurechnung dieser Kürzung gegenüber dem Theater vorgenommen wurde. Das hat der Rat am 28. November beschlossen, nichts anderes. Deshalb wäre korrekt gewesen, Herr Hacker hätte darauf verwiesen, dass das Theater bis zum Jahr 2018 Zeit hat, das ihm mögliche Sparvolumen zu ermitteln, um damit in die Diskussion zu gehen.“

Richtig ist, dass der Rat – zum jetzigen Zeitpunkt – tatsächlich (noch) keine konkrete Kürzungssumme für das Theater oder andere Kultureinrichtungen beschlossen hat. Man lässt die Sache erst einmal so laufen. Aufschlussreich ist aber der hintergründige Hinweis, dass das Theater „bis zum Jahr 2018 Zeit hat, das ihm mögliche Sparvolumen zu ermitteln“.

Tief enttäuscht von bisher sicher geglaubten Bataillonen moralisiert Röspel, „Unfein und grob unhöflich“ sei es gewesen, wie mit dem Kulturbeigeordneten Thomas Huyeng umgegangen wurde: „Nachdem Herr Hacker das Klima anständig aufgeladen hatte, war der Empfang für Huyeng entsprechend „angespannt“. Menschlich unanständig wird es, insbesondere dann, wenn ein prominenter Hauptgeschäftsführer den Redner nicht einmal aussprechen lässt sondern mit wüsten Zwischenrufen unterbricht. Ein solches Verhalten steht für mich im krassen Gegensatz zum intellektuellen Anspruch eines Bildungsbürgertums.“

Die Realität sieht wohl etwas anders aus: Das gebildete Bürgertum sieht zunehmend die mangelnden intellektuellen Potentiale der CDU und ihrer führenden Repräsentanten und wendet sich ab.

Das ist schon voll „krass“ – eh, Röspel!

Eine Antwort to “„Unangemessen, unfein, unhöflich“”

  1. Varuna Varuna Says:

    ein, auch von de milieucharackterisierung her, sehr treffender artikel. herr hacker hatte sich mit der zustimmung zur verbetriebswirtschaftlichung in eine gmbh des theaters schon sehr weit zugunsten der kürzenden politik aus fenster gelehnt. das bekannte szenario der selbstbestimmung als selbstamputationwahl, am stück oder scheibchenweise, droht nun massiv. da muss ein rückug aus der ustimmung kommen. ersatzlos kürzen und streichen un da bei dervateskanda und steuevezicht, um exempel vermögensteuer. die könnte tatächlich wieder eingeführt werden, aktuell. en wolke am himme auf heisse steine, von wasser ist da noch nicht die rede.

    der zusammenhanfg von terrioralliät und soziallmiieu, herrschftsgebilde inkusive, wird dch cht ut deitlich. die wolke des kulturellen überbaus beibt schemenhaft. nun, ein bischen realismus muss schon sein.

    deutschland ist ja historisch derartig antiintelktuel….und der regieren[de] (lassende) geldade am meisten.

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