Hochschulzukunftsgesetz: Vorsitzender des FernUni-Hochschulrats lehnt Entwurf des Ministeriums ab

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Verlust von Autonomie und Gestaltungsfreiheit soll abgewendet werden

Mit Unverständnis haben die Vorsitzenden der Hochschulräte der Universitäten des Landes Nordrhein-Westfalen den Referentenentwurf eines Hochschulzukunftsgesetzes zur Kenntnis genommen, den das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung am 12.11.2013 zur Stellungnahme versandt hat. Sollte der Entwurf Gesetz werden, wird das nach Ansicht der Hochschulräte nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der nordrhein-westfälischen Hochschulen und damit ihr nationales und internationales Ansehen, sondern auch den Wirtschaftsstandort NRW erheblich schwächen.

„Der Gesetzentwurf des Ministeriums ist von Misstrauen gegenüber den Hochschulen geprägt, der Autonomie als Gefährdung landespolitischer Rahmengebung missversteht, der statt auf Diskurs auf Direktive setzt“, erklärte Dr. Manfred Scholle, Hochschulratsvorsitzender an der FernUniversität in Hagen. Wird der Gesetzentwurf umgesetzt, führt er nach Ansicht Scholles für die Hochschulen zum Verlust planerischer Autonomie, interner Gestaltungsfähigkeit und von Handlungsfähigkeit durch nicht abschätzbare Zunahme von Bürokratie.

Die bisherigen klaren Verantwortlichkeiten würden total verwischt; das führe zum berühmten „Schwarze-Peter-Spiel“. Darüber hinaus gehe die Finanzautonomie sowie die Wettbewerbsfähigkeit im administrativen wie auch wissenschaftlichen Bereich verloren.

Quelle: FernUni

Anmerkung: Mitglied des Hochschulrats der FernUni ist u.a. Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB-Bezirks NRW (!)

Dazu: Die Gegenposition von Wolfgang Lieb, von 1996 bis 2000 Staatssekretär im Wissenschaftsministerium NRW, heute Mitherausgeber der NachDenkSeiten.

Unternehmerlobby will die Hochschulen steuern

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Vorsitzenden der Hochschulräte in NRW mehrheitlich die Hochschulen als durch den Wettbewerb um die Einwerbung von Drittmitteln gesteuerte „Unternehmen“, ja noch mehr als die verlängerten Werkbänke der Wirtschaft betrachten, dann liefert diesen Beleg ihr offener Brief an die Landesregierung [PDF – 78.5 KB].

Allein dieses Schreiben an die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und an die Wissenschaftsministerin Svenja Schulze müsste eigentlich alle, für die die Freiheit von Forschung und Lehre noch den im Grundgesetz verbürgten hohen Wert besitzt, von der Notwendigkeit der Novellierung des bisherigen sog. „Hochschul-„Freiheits“-Gesetz des früheren FDP-Innovationsministers Pinkwart überzeugen.

Die „unternehmerische Hochschule“, wie sie die Mehrheit der Hochschulratsvorsitzenden anstrebt, hat nichts mehr mit dem Grundgedanken der Wissenschaftsfreiheit zu tun, wie ihn das Bundesverfassungsgericht postuliert hat.

Den unterzeichnenden Hochschulratsvorsitzenden geht es nicht um die Wahrung einer autonomen Wissenschaft an den Hochschulen, ihnen geht es – wie sie selbst schreiben – um den „Schulterschluss der Hochschulen mit Industrie und Wirtschaft“. (…)

Quelle: NachDenkSeiten

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Eine Antwort to “Hochschulzukunftsgesetz: Vorsitzender des FernUni-Hochschulrats lehnt Entwurf des Ministeriums ab”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    die verbetriebswirtschtaftlichung ist eine großtendenz der wirtschaftsfreundichen neoliberalen politik, die weithin auch von GRÜNEN und SPD mitgetragen wird. schon einsteinmeinte, wenn nur die wirklich an der wahrheit interessierten, wie offiziell vorgesehen, im wissenschaftsbetrieb blieben, wäre es da sehr leer. l’art pour l’art in der wissenschaft ist eine sache, wissensfabrik mit rendite, „ganz normal“, wie alles andere auch, eine andere, böse sache. drittmittel sind keine autonomie, wie die ausrichtung an der wirtschaft. die wirtschaft bevorzugt da schnelle geld, dievwisenchaft wil langritgistes, ewges, wissen, die vernunft eben, weshalb sie auch nur unter staatlichem schutz vorm chaos der märkte und kriege ihr bonsai-gärtchen aufmachen konnte. zeltlagerähnlich für eine weile ungestört.

    kurzum, die hochschulräte scheinen noch reaktionärer als das wissenschaftsministerium zu sein.

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