Stickstoffoxidwerte in Hagen sprengen das EU-Limit

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Der Druck aus Brüssel nimmt zu. Hagen wird in Zukunft die Luftgrenzwerte nicht einhalten können. Jetzt drohen sogar kostspielige Vertragsstrafen. Von 20.000 bis 900.000 Euro ist die Rede – pro Überschreitungstag. Die Summe hängt von der Leistungsfähigkeit einer Kommune ab. (…)

Größtes Problem ist für die Verwaltung die Hintergrundbelastung in den Hagener Tallagen. „60 bis 70 Prozent sind darauf zurückzuführen“, argumentiert Weber. Das aber interessiert im fernen Brüssel wenig. „Lösen kann man das nur über strengere Abgasrichtlinien. Und selbst wenn im nächsten Jahr Euro 6 eingeführt wird, ist mit spürbaren Effekten frühestens in sechs Jahren zu rechnen.“ (…)

Quelle: DerWesten

Anmerkung: „Hintergrundbelastung“ in den Tallagen? Tritt Stickstoffdioxid aus dem Boden aus? Die Argumentation wird immer abenteuerlicher. Die Topographie verhindert möglicherweise, dass die Gase schneller verweht werden, aber die Geländeform ist nicht die Quelle der Belastung.

Die Stadt hat Gegenmaßnahmen immer wieder hinausgeschoben, selbst die Errichtung einer Umweltzone ist in Hagen jahrelang verschleppt worden. Nachdem sie dann endlich beschlossen wurde, hätte sie sinnvollerweise gleichzeitig auch mit einem Durchfahrtsverbot für LKW versehen werden können – Ausnahme: Belieferung innerhalb der Zone. Änderungen hätten nur an zwei Stellen im Randbereich vorgenommen werden müssen, um die Zufahrt zu insgesamt vier Industriebetrieben in Eilpe und Wehringhausen zu gewährleisten. Wobei zwei davon über einen Gleisanschluss (!) verfügen. Für einen LKW-Durchgangsverkehr gibt es im gesamten restlichen Bereich der Umweltzone keinen sachlichen Grund.

Anstelle ganze Verwaltungsabteilungen mit der Entwicklung eines „LKW-Routenkonzepts“ zu beschäftigen und die Schilderindustrie mit einem Millionen-Auftrag für die Produktion von Wechselwegweisern zu beglücken, hätten die materiellen und personellen Kapazitäten für eine effektive Überwachung des Durchfahrtsverbots eingesetzt werden müssen.

Ebenfalls kontraproduktiv ist die Einschränkung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Hier müsste endlich mal ein Konzept her, das diesen Namen auch verdient und eine Verschiebung des „Modal Split“ (der Verteilung zwischen den verschiedenen Verkehrsarten) zugunsten von Bus und Bahn bewirkt. Aber damit ist namentlich die Hagener Straßenbahn AG seit Jahr und Tag heillos überfordert. Euphemismen wie „Linie Mensch“ täuschen dabei über die suboptimale Aufstellung der Verantwortlichen nur hinweg.

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