Hagen – ein toter Briefkasten

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Irgendwie muss die Zeitung ja gefüllt werden. Das gilt vor allem auch für unsere Heimatpostille, das Hagener Einheitsorgan aus dem Hause Funke (ehemals WAZ).

So erschien bei DerWesten unter dem reißerischen Titel „So spionierte die Stasi Hagen aus“ am Samstag ein Beitrag des Qualitätsjournalisten Mike Fiebig, der in der gedruckten Ausgabe fast eine Seite einnahm.

Eigentlich ein spannendes zeithistorisches Thema, bei dem die Leser Aufklärerisches erwarten durften. Leider wurden sie gründlich enttäuscht. Nach der Lektüre blieb denn nur noch die Frage: Was wollte der Dichter uns damit sagen?

Zuerst stolpert man über den Begriff „fromme Spione“. Entstammten die Kundschafter vielleicht dem Klerus oder unterhielten sie tote Briefkästen in Sakralbauten? Es findet sich in dem Artikel nicht die geringste Erklärung.

Dann sollen die Agenten die Stasi-Zentrale mit Informationen „aus Vereinen, aus Parteien, aus Behörden“ und – quel malheur – „sogar von den Fluren unseres Pressehauses“ versorgt haben. Das wäre alles interessant gewesen, leider findet sich in dem Traktat so gut wie nichts dazu.

Über Spion „Hauke“ wird berichtet, er sei bei der Hagener JVA beschäftigt gewesen, habe „auf den Fluren des Hagener Polizeipräsidiums“ herumgeschnüffelt, sich 1989 bei Bundesgrenzschutz beworben und „1981 einen Lageplan eines Hagener Luftwaffendepots in den Osten“ übermittelt.

Luftwaffendepot? Hagen war und ist keine Garnisonsstadt. Es gab mal einen Militärflugplatz auf dem Emsterfeld (zu Adolfs Zeiten), ein Kreiswehrersatzamt (inzwischen weg) und ein Grundstück an der Zietenstraße, das der Standortverwaltung Iserlohn unterstand (vermutlich wegen der umfangreichen Bunkeranlagen im Berg) und seit langem mit Wohnhäusern bebaut ist.

Über den zweiten Kundschafter „Peter Iglen“ „weiß man viel“, behauptet der Autor. „Viel“ bedeutet in Wirklichkeit „wenig“. Der Schreiber weiß nur zu berichten, das der Mann Jahrgang 1948 ist und einen Bundesparteitag der Grünen besucht haben soll. Das war „viel“.

Wo das ebenfalls erwähnte Ehepaar gespitzelt haben soll, bleibt ebenso unerwähnt wie sich der Autor auch nur ansatzweise dazu herablässt, Belege für seine Räuberpistolen aus der Zeit des Kalten Krieges beizubringen.

Dafür behauptet er am Ende seines Beitrags nochmals, dass die Agenten den „Ost-Apparat“ bedienten, „mit Informationen aus unserer Stadt, aus unseren Firmen, unseren Vereinen und Institutionen“. Alles allerdings völlig substanzlos und ohne irgendein Beispiel zu nennen.

Hagen war in Wirklichkeit selbst für die Stasi offensichtlich uninteressant – ein „toter Briefkasten“ im wahrsten Sinne des Wortes. Nur Autor Mike Fiebig hat es nicht bemerkt.

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