Die Kultur ist schuld

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Liest man die überwiegend unterirdisch anmutenden Kommentare in der Online-Ausgabe der Hagener Presse, so ist die kommunale Finanzmisere in erster Linie auf angeblich horrende Ausgaben im Kulturbereich zurückzuführen. Man müsse nur Museen und Theater schließen und alles würde gut.

In ein ähnliches Horn stößt ein Mann, der es eigentlich besser wissen müsste und mit Sicherheit auch weiß – der Hagener Stadtkämmerer Christoph Gerbersmann.

Der behauptet laut Heimatpresse, „dass Hagen im Vergleich zu anderen Städten wesentlich höhere Summen für den Kulturbereich“ bereit stelle. Um welche „anderen Städte“ es sich dabei handeln soll, wird nicht erwähnt. Da lohnt es sich, einmal genauer nachzuschauen.

Als vergleichbare Kommunen wurden in der Vergangenheit gerne die Städte Hamm und Mülheim ins Feld geführt. Hamm hat 176.000 Einwohner, Mülheim 166.000 und Hagen aktuell 186.000. Hamm ist bekannt dafür, dass dort die aus Berlin kommenden Intercity-Züge vor ihrem weiteren Weg durchs Ruhrgebiet bzw. über Hagen-Wuppertal ins Rheinland getrennt werden. Mülheim ist eine Art Vorort von Essen und Hagen hatte sich mal – lang, lang ist’s her – als Tor zum Sauerland definiert.

Hamm hat kein Stadttheater, das Mülheimer Theater ist eine reine Sprechbühne. Um also nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sollen erst einmal die Kulturbereiche, die allen drei Kommunen gemeinsam sind, berücksichtigt werden. Das sind Kulturbüro, Stadtarchiv, Stadtbücherei, Musikschule, Kunstmuseum und Volkshochschule.

Heruntergebrochen auf die Ausgaben pro Bürger und Monat, betragen dafür die Kosten in Hamm 4,26 Euro, in Mülheim 4,12 Euro und in Hagen 4,21 Euro. Die Volmestadt liegt hier im Mittelfeld, von „wesentlich höheren Summen“ ist weit und breit nichts zu sehen.

Um diese Zahlen etwas konkreter zu machen, kann man zu folgender Rechnung greifen: Würden die Zuschüsse für die vier Kulturzentren in der Stadt wieder um 60.000 Euro erhöht, ergäbe sich eine „Mehrbelastung“ pro Kopf und Monat von 2 Cent. Das würde Hasper Hammer & Co mehr Luft zum Atmen geben, täte aber niemandem weh. An diesem Beispiel lässt sich die Absurdität vieler Kürzungen sicherlich auch für eher suboptimal aufgestellte Entscheidungsträger verdeutlichen.

Bezieht man nun den Theaterbereich mit in den Vergleich ein, ergibt sich folgendes Bild: Hamm scheidet aus den genannten Gründen (kein Theater) aus, in Mülheim liegt der entsprechende Satz (nur kostengünstigeres Sprechtheater) bei 7,73 Euro und in Hagen (Musiktheater mit Orchester und Ballett) bei 10,08 Euro.

Interessant ist der Blick auf die benachbarten Großstädte Dortmund und Wuppertal, die beim Bühnenangebot schon eher vergleichbar sind. Dort liegen die Ausgaben für Kultur insgesamt pro Kopf und Monat in einer Größenordnung von 11,19 Euro (Dortmund) bzw. 11,46 Euro (Wuppertal).

Hagen ist also keineswegs der Exot, der sich überbordende Kulturausgaben leistet (die dann für einige auch noch schuld an der Haushaltsmisere der Stadt sein sollen), sondern reiht sich durchaus passabel oder eher unterdurchschnittlich in die Gruppe der anderen kulturbetreibenden Kommunen ein.

Dass die Stadt sich (noch) nicht in der Gesellschaft von immer wieder als vermeintliche (Spar-)Vorbilder genannten Dörfern wie Breckerfeld befindet, müssten die Großkopferten endlich als Vorteil und nicht länger als Bürde begreifen und auch nicht ständig in der Öffentlichkeit so darstellen.

Aber bei solchen Vertretern an eine Wandlung vom Saulus zum Paulus zu glauben, dürfte wohl vergeblich sein. Die drittklassigen Provinzkader haben schon genug Schaden in Hagen angerichtet; es wird allerhöchste Eisenbahn, sie bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2014 in die Wüste zu schicken.

Eine Antwort to “Die Kultur ist schuld”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    „Aber bei solchen Vertretern an eine Wandlung vom Saulus zum Paulus zu glauben, dürfte wohl vergeblich sein. Die drittklassigen Provinzkader haben schon genug Schaden in Hagen angerichtet; es wird allerhöchste Eisenbahn, sie bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2014 in die Wüste zu schicken“

    gut gebrüllt, löwe.
    LINKs ist da, wo die macht sein „sollte“. – zur optimierung des größten glücks der größten zahl (volkswohl).

    die arbeitsteilung, die sich in der soziologie des „funktionalismus“ fast monoplostisch als soziale strukturen generierend darstellt, wird über die beiden mechsnismen: marktschrei/massenmedien/institutionen-politikbetrieb und beriebswirtschaft/markt höchst schlecht gesteuert!

    da ist es gut, wenn die leute, die da aus schlechter erfahrung besonderts gut ausdrücken können, es auch nit ihren stilmitteln tun.

    nein, ich habe noch keine „menschen“ gesehen, nicht hier, nicht in deutschland,.. (in frankreich war moliére schon vor länger zeit drauf gekommenn..

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