Viel Rauch um nichts

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Kulturentwicklungsplanung für Hagen soll kommen – Ergebnisse sind schon zu erahnen

Im Rahmen der Kulturagenda Westfalen, dem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe moderierten Kulturentwicklungsprozess für Westfalen-Lippe, wird die Aufstellung von Kulturentwicklungsplänen in neun Kommunen und kommunalen Verbänden in einem fest umrissenen Bürgerbeteiligungsverfahren unterstützt. Auch in Hagen als Stadt mit dem höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen soll eine solche Kulturentwicklungsplanung initiiert werden. Hier wird die Aufstellung eines Masterplanes Kultur mit dem Schwerpunktthema Inter-Kultur gefördert.

Diese Förderung darf man sich allerdings nicht so vorstellen, dass Gelder für Kultur nach Hagen fließen. Es werden lediglich die Kosten für Beratung und Moderation aus Mitteln der Kulturagenda beglichen. Wer die finanzielle Zwangslage der Stadt kennt, über lange Jahre die kommunale Politik verfolgt hat und die intellektuellen Qualitäten vieler ihrer Akteure genießen durfte, kann sich das Ergebnis dieser Art Kulturentwicklungsplanung denken: Großes Palaver vieler angeblich „Wichtiger“ und ein Output nahe Null.

Aber erst einmal bläst die Presseabteilung des Oberbürgermeisters die Angelegenheit mächtig auf – wobei eine aus Sicht der Stadtspitze bunte Mischung strategisch relevanter Teilgruppen wie Freunde des „Brauchtums“, „Aspekte der Inklusion“ und „die Unternehmerschaft“ eingebunden werden sollen. Die eigentliche Subjekte des thematischen Oberbegriffs „Inter-Kultur“, die „Menschen mit Migrationshintergrund“, spielen – wenn sie nicht überhaupt nur als Vorwand benutzt werden – nur noch eine untergeordnete Rolle:

Der Kulturausschuss soll ab 19. September detailliert über den in Hagen partizipativ zu entwickelnden Masterplan informiert werden. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Kulturakteuren, Kulturschaffenden und allen interessierten Bürgern und Bürgerinnen vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Stadt Hagen umsetzbare Leitlinien für die Zukunft der Kultur in Hagen zu entwickeln, die für die nächsten fünf bis zehn Jahre Orientierung bieten für die in der Kultur in Hagen zu setzenden Schwerpunkte. Die Begriffe „Kultur“ und „Inter-Kultur“ werden neben den „klassischen“ Kulturangeboten ausdrücklich auch die freie Kulturszene, alle interessierten Kulturschaffenden sowie die in den Stadtteilen gelebten kulturellen Strukturen umfassen. „Inter-Kultur“ soll definiert werden als die in Hagen identitätsprägende Kultur der Menschen mit verschiedenen kulturellen Wurzeln, Interessen, Selbstverständnissen und schließt auch die Brauchtumskultur sowie den Aspekt der Inklusion in Hagen mit ein. Da diese umfassende Definition der „Inter-Kultur“ in Hagen fach- und stadtteilübergreifend ist, werden in den Informations- und Beteiligungsprozess zusätzlich zum Kultur- und Weiterbildungsausschuss auch die betroffenen Fachausschüsse sowie die Bezirksvertretungen mit einbezogen. Danach werden insgesamt fünf öffentliche Termine von November 2013 bis März 2014 mit breiter Bürgerbeteiligung stattfinden.

Der Masterplan Kultur soll identitätsstiftend und integrierend aufgestellt und umgesetzt werden vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Stadt Hagen, ohne unrealistische Hoffnungen auf nicht finanzierbare kulturelle Projekte zu wecken.

Die Unternehmerschaft in Hagen soll in den Prozess eingebunden werden, da die kulturelle Entwicklung auch einen wichtigen Standortvorteil darstellt für die Wirtschaft und ihre Chancen, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Die Wahrnehmung der Kultur und Identität in Hagen soll in der Stadt und in der Außenwirkung gestärkt werden.

Ausschüsse und Bezirksvertretungen sind somit beschäftigt, die „breite Bürgerbeteiligung“ ist nicht erst seit den Auftritten des OBs Dehm im Rahmen der Kürzungspakete hinreichend als Synonym für Alibiveranstaltungen bekannt. Migranten sind von den entscheidenden Figuren im Hagener Rathaus noch nie als Bestandteile der Hagener Bevölkerung angesehen worden. Es sind keine Zuwanderer im Rat vertreten, in den Parteien und Wählervereinigungen spielen sie keine Rolle. Darüber können auch eine Juso-Vorsitzende und eine – gegen internen Widerstand von außen installierte – CDU-Kandidatin nicht hinwegtäuschen.

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