Schiffschaukelbremser

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Mit was sich die BV Haspe so beschäftigt

Für die heutige Sitzung der Bezirksvertretung Haspe ist in der Rubrik „Tagesordnungspunkte des Bezirksbürgermeisters“ der Punkt „Mittelbereitstellung Kirmeswagen und Wurfmaterial“ vorgesehen. Bitte was?

Und tatsächlich – es findet sich folgender Beschlussvorschlag: „Die Bezirksvertretung Haspe stellt aus ihren Mitteln für das laufende Haushaltsjahr 2013 einen Betrag in Höhe von bis zu 4.000,00 Euro für den Kirmeswagen/Planwagen und die Anschaffung von Wurfmaterial zur Verfügung.“

„Damit auch in diesem Jahr eine Teilnahme der Bezirksvertreter am Kirmeszug in Haspe möglich ist und Wurfmaterial angeschafft werden kann, müssen entsprechende Haushaltsmittel zur Verfügung stehen,“ legt Bezirksvorsteher Thieser zugleich apodiktisch fest.

4.000 Euro sind bei einem für die BV frei verfügbaren Jahresetat von 30.000 Euro ein erkleckliches Sümmchen, das hier zwecks Selbstdarstellung der Bezirksakteure beim alljährlichen Kirmesklamauk verballert werden soll. Aber damit nicht genug.

Seit Herbst 2011 beschäftigt die Hasper Brauchtumsvertretung die Verwaltung mit ihrer Idee, den auf den Überresten des Hochofenwerks der ehemaligen Klöckner-Werke angelegten Ennepe-Park zum Gewerbegebiet der Schaustellerszene umzumodeln. Tonnenschwere Fahrgeschäfte sollen künftig nicht mehr auf den entsprechend befestigten Flächen auf dem Hasper Marktplatz und im Kreisel aufgebaut werden, sondern eine neue Heimstatt auf Rasenflächen im Park finden.

Diese Wacholder-geschwängerte Idee zog einen gewaltigen Aufwand nach sich. Ein Ingenieurbüro wurde mit einer Untergrunderkundung beauftragt, das vorhersehbare Ergebnis: „Die Schaffung einer Fläche mit Eignung für Schwerlastverkehr bei gleichzeitiger guter Begrünung schließen sich naturgemäß aus.“

Dann wurde ein Termin mit den Hagener Schaustellern vereinbart, um „die Vorstellungen und Wünsche der Veranstalter kennen zu lernen.“ Die verwiesen auf eine Fläche in dem zwischen Soest und Lippstadt gelegenen Anröchte, wo so etwas angeblich möglich sei. Das löste weitere Aktivitäten der Verwaltung aus: „Aufgrund der besonderen Bedeutung des Anröchter Beispiels für eine evtl. Lösung im Ennepepark wurde die Situation in Anröchte vor und nach der letztjährigen Herbstkirmes im Oktober besichtigt und fotografisch dokumentiert.“

Herausgekommen ist bei diesen Aktivitäten letztlich nichts. Die Verwaltung formuliert vorsichtig: „Die Situation im Ennepepark ist nur bedingt vergleichbar mit der in Anröchte.“

Begleitet wird der ganze Zauber von entsprechend umfangreichen Textmaterial, das die Verwaltung jetzt wieder einmal einem Gremium vorlegen wird, das sich gerne mit (siehe oben) „Wurfmaterial“ beschäftigt, für das mal eben locker eine vierstellige Summe bereitgestellt werden soll.

Ach ja, die Kosten. Bezahlt werden müsste der Spaß schließlich auch noch. Die Schätzungen reichen von 425.000 Euro bis 750.000 Euro für die Herstellung der Fläche plus der jährlich anfallenden umfangreichen Reparaturen, die sich durch das Befahren mit bis zu 60 Tonnen schweren Fahrgeschäften ergeben.

Dazu teilt die Verwaltung in ihrer Vorlage mit: „Die Finanzierung dieser Maßnahme ist nicht gesichert.“ Das hätte sich die BV Haspe auch schon denken können, denn Kirmes dürfte in einer Nothaushaltskommune kaum als Pflichtaufgabe durchgehen.

Aber wo Politik nach Art der Schiffschaukelbremser gemacht wird, ist das wohl zuviel verlangt.

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