Wir müssen draußen bleiben

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GRÜNE verlangen Maßnahmen gegen Luftbelastung – LKWs und SUVs sollen nicht mehr ins Stadtzentrum

So langsam könnte Schluss mit lustig sein. Seit Jahren verschleppen Rat und Verwaltung wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Hagen. Jetzt macht die Europäische Union Druck.

Weitere Verzögerungen und Fristverlängerungen zur Einhaltung von Grenzwerten wird die EU verweigern, was immense Strafzahlungen zur Folge hätte. Ein Luxus, den sich die Pleitestadt als allerletztes leisten könnte. Schlimmer sind allerdings die Gesundheitsgefährdungen für die Bevölkerung, die wissentlich in Kauf genommen werden, um bestimmte Klientelgruppen zu bedienen.

Da die Feinstaubproblematik nach wie vor akut ist und der Grenzwert bei Stickoxiden aktuell um sage und schreibe 50 Prozent überschritten wird, wollen die GRÜNEN diesen Missstand in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses thematisieren.

Bisher wurden alle Maßnahmen vermieden, die ein wirkliches Umsteuern bedeutet hätten. Stattdessen wurden Alibiaktionen gestartet, die viel gekostet aber wenig bewirkt haben. So wurden für viel Geld Wechselwegweiser installiert, auf denen die Durchfahrtsverbote für Lastkraftwagen (bewusst ?) so klein dargestellt sind, dass sie im Vorbeifahren von den Fahren kaum wahrgenommen werden können.

Erschwerend kommt hinzu, dass Verstöße gegen Verbote praktisch nicht geahndet werden. Etwas, das für Hagen symptomatisch ist. Selbst zaghaften Versuchen der Stadtverwaltung, darauf hinzuweisen, dass auch für Teilnehmer am motorisierten Individualverkehr das herrschende Recht Gültigkeit besitzt, schallt die Kampfparole „Wegelagerei“ entgegen. Gern aufgegriffen auch von den hiesigen Gazetten, die sich offensichtlich Anzeigenaufträge der heimischen Autohändler sichern wollen.

Den GRÜNEN geht es bei ihrem Antrag aber nicht um die Einhaltung von Grenzwerten als Selbstzweck, sondern um die Reduktion der Schadstoffbelastung für die Menschen, die in den betroffenen Bereichen leben und arbeiten. Sie möchten mit diesem Vorschlag die Diskussion eröffnen und verschiedene Handlungsoptionen prüfen. Dazu gehören u.a.:

  • Vorziehen des Fahrverbots in der Umweltzone für Autos mit roter und gelber Plakete
  • Erhöhung des Befolgungsgrades z.B. bei temporären Sperrungen am Finanzamt und auch am Graf-von-Galen-Ring
  • Ganzjährliches LKW-Durchfahrverbot für das Stadtgebiet, Lieferverkehr erlaubt
  • Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf bestimmten Streckenabschnitten
  • Begrenztes Einfahrverbot in die Innenstadt – z.B. im Wechsel nur gerade bzw. ungerade Nummernschilder oder für SUVs – verbunden mit einer Stärkung des ÖPNV

Vor allem der letzte Punkt dürfte für erhebliches Aufjaulen der Meute sorgen. Kammern und Einzelhandelsverband werden in die Ketten gehen und ihre Spannleute im Stadtrat in Stellung bringen. Diese werden weiterhin nicht begreifen, dass die Probleme im Einzelhandel nicht auf (eventuelle) umweltpolitische Maßnahmen zurückzuführen sind, sondern im Gegenteil auf die Abwesenheit von Aufenthaltsqualität in der Stadt. Die führt zur verstärkten Abwanderung und damit zu Kaufkraftverlusten, für die zusätzlich auch die Bundespolitik mit den Folgen ihrer – dieser Tage wieder in den Medien hochgejubelten – Agenda 2010 verantwortlich ist.

Daher ist der Vorstoß der Hagener GRÜNEN zu begrüßen. Es gibt keinen rationalen Grund, das Stadtzentrum mit LKWs zu durchfahren oder darin mit tonnenschweren spritsaufenden Geländewagen (SUVs) herumzukurven. Beide Fahrzeugtypen sind in erheblichem Maße an vermeidbaren Emissionen beteiligt. Die werden auch nicht dadurch verringert, dass mit enormem Aufwand neue Straßen wie die Bahnhofshinterfahrung gebaut werden.

Deren Bau (städtischer Eigenanteil 21 Mio. Euro – bei leerer Kasse) bringt kurzfristig und wahrscheinlich auch langfristig keinerlei Entlastung und bis sie eines Tages fertiggestellt sein sollte, werden Tausende weitere Hagener die Stadt verlassen haben. Und ein Großteil der für diese Fehlentscheidungen Verantwortlichen auch. Motto: Nach uns die Sintflut.

Sollten unter dem Druck drohender Strafzahlungen tatsächlich Vorschläge zur Verminderung der Emissionen umgesetzt werden, könnte es z.B. den Lenkern allradgetriebener Spaßmobile bald so gehen wie dem Dackel vorm Metzgerladen, der freundlich, aber verbindlich darauf hingewiesen wird, was er und seine Artgenossen gefälligst zu verinnerlichen haben: „Wir müssen draußen bleiben!“

Eine Antwort to “Wir müssen draußen bleiben”

  1. Allan Quatermain Says:

    Liebe Grüne,

    ich hätte noch ein paar Vorschläge zur Feinstaubreduktion.

    Verbietet doch in Hagen die offenen Kamine, nebst diese Gussöfen aus den Baumärkten. Es ist eine Freude, bei tiefen Temperaturen, den Duft von lackierten Türen oder Schlafzimmern in die Nase riechen zu dürfen.
    Am liebsten schmeißen diese lieben Mitbewohner um Mitternacht ihre Öfen an. Dann gibt es noch Zeitgenossen, die verfeuern in ihren Öfen noch Papierbriketts zu den Eierkohlen.

    Auch diese Brauchtumsfeuer gehören untersagt.
    Was da verfeuert wird, fängt bei Autoreifen an,
    geht über Tapetenreste, Türen, ganze Wohnungseinrichtungen,
    bis zu Ölgetränkte Balken.

    Und als letztes,
    wer ist für diesen Schwachsinn, Taxistandplatz gegenüber
    der Drogerie Müller verantwortlich?
    Viele Droschkenfahrer lassen ihren Diesel die ganze Standzeit
    am blubbern. Das die Versuchung groß ist,
    als Abkürzung wie gehabt, über den Friedrich Ebert Platz durch die Mittelstr. zu rauschen, ist auch klar.
    Vor Jahren erzählte mir mal eine Politesse, dass es knapp Tausend
    Ausnahmegenehmigungen zum Befahren der Fußgängerzone gäbe!

    Da bekommt das Wort Fußgänger sofort eine neue Bedeutung.

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