Ein großes Nichts

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Die Westfälische Rundschau wird zur Pseudozeitung

Eigentlich dachten alle, sie wüssten, worum es geht, als am Dienstag, den 15. Januar, zur Mitarbeiterversammlung der Westfälischen Rundschau (WR) eingeladen wurde. Schon lange galten die Redaktionen im Märkischen Kreis als Wackelkandidat. Auch wenn WR-Chefredakteur Malte Hinz in den vergangenen Wochen Zuversicht geschürt hatte: Sie würden heute wohl dran glauben müssen. Vielleicht auch noch andere Redaktionen?

Was dann auf der Versammlung ab 11 Uhr geschah, können Außenstehende nur ahnen. Wer dabei war, wird den Moment wohl sein Leben lang nicht vergessen. Als die Geschäftsführung im Druckzentrum Hagen-Bathey ihre Pläne für die WR vorstellt, werden alle kreidebleich. So beschreibt es ein Betroffener. Wegen der schlechten Akustik im Raum habe er den Geschäftsführer Manfred Braun nur schlecht verstehen können. Sagt er wirklich etwas von sozialverträglich, von Kündigungen? Die Redaktionen werden alle platt gemacht? Die Anwesenden sind geschockt, ihre Mienen versteinert. Jemand muss einen doch jetzt kneifen, damit dieser Alptraum ein Ende nimmt … Der Alptraum ist Wirklichkeit. Und gestandene Männer, so erzählt man, brechen in Tränen aus.

Knapp sieben Stunden später findet im Journalisten-Zentrum Haus Busch in Hagen ein Treffen für die WR-Mitarbeiter statt, aus dem Stand organisiert von den Gewerkschaften DJV-NRW und dju in ver.di. Mehr als 80 Betroffene sind gekommen – Redakteurinnen und Redakteure genauso wie Pauschalisten und Freie. Für fast alle gilt: kein Job, keine Aufträge mehr ab dem 1. Februar. Statt ins Büro zu gehen, werden die Angestellten freigestellt sein. Sie werden auf ihre Kündigung warten, während ihr Blatt mit fremden Inhalten erscheint. Für die Dauer ihres Kündigungsschutzes werden sie ihr Monatsgehalt erhalten, danach eine Abfindung – im Rahmen des neuen Sozialplans, der Ende 2012 noch vereinbart wurde. Fünf, zehn, 25 oder 30 Jahre bei der WR, egal wie lang, es zählt nicht mehr. Man hofft wenigstens auf eine Transfergesellschaft, und ahnt nicht, dass der WAZ-Konzern noch weitere Tiefschläge bereithalten wird. (…)

Quelle: Journal des DJV-NRW

Anmerkung: Eine umfassende Zusammenstellung der Ereignisse rund um die Umwandlung der Westfälischen Rundschau in eine Zombiezeitung.

Inzwischen haben knapp 7.000 Unterstützer die Solidaritätserklärung für die Belegschaft unterzeichnet. Wer bisher nicht hat, kann ja noch. Deshalb noch einmal der Link zur Soli-Seite: http://rundschau-retten.de/soli-seite/

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