„Ich geh Landtag“

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Der Hagener FDP-Chef und Landtagsabgeordnete Uli Alda legt sein Ratsmandat nieder. So berichtete es die Hagener Presse am Samstag. Als Begründung gab Alda danach an, dass „eine seriöse Wahrnehmung beider Mandate zur gleichen Zeit (…) nicht mehr möglich“ sei.

Eine durchaus logisch erscheinende Begründung für eine doppelte Arbeitsbelastung – theoretisch. Aber was treibt Alda eigentlich praktisch so im Landtag und drum herum?

Abgeordnete im Parlament von Nordrhein-Westfalen erhalten eine monatliche Diät von fast 11.000 Euro. Fairerweise sei angemerkt, dass sie von diesem Bruttobetrag ihre Altersvorsorge allein stemmen müssen. „Arbeitgeber“-Anteile sind seit der Reform der Abgeordnetenbezüge im Jahr 2005 nicht mehr vorgesehen. Trotzdem bleibt im Vergleich zum normalen Einkommensbezieher eine Menge übrig. Dafür können die Wähler entsprechende Gegenleistungen erwarten.

Diese stellen die Mandatsträger im Zeitalter des Internets gerne ausführlich auf ihren Homepages dar, so auch Uli Alda. Was man dort zu lesen bekommt, lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass der Mann für seine aktuelle Tätigkeit wie geschaffen ist.

Sofort auf der Startseite findet sich die Abteilung „Aus meinem Leben als Abgeordneter“. Dort kann der interessierte Bürger nachschlagen, mit welchen Dingen sich ein Hagener FDP-Abgeordneter so beschäftigt: „Grünkohlessen in Hohenlimburg“ ist da zu lesen oder „Der kleine Botschafter“, eine Kinderaufführung des chinesischen Instituts für Wohlfahrt. Dazu auf einem Foto Ulrich Alda im Gespräch mit dem chinesischen Generalkonsul When Zenschun.

Diesen Schulterschluss könnte der unbefangene Beobachter jetzt dahingehend interpretieren, dass Alda begriffen habe, die kommunistische Partei Chinas sei so was wie eine fernöstliche Entsprechung der hiesigen FDP. Das wäre ein Erkenntnisgewinn, wandte sich das Mitglied des Landtags (MdL) doch bisher von allem, was es für links – oder vermeintlich links – hielt, angewidert ab.

Alda führt aber noch weitere Leistungsnachweise auf: So hielt er unter anderem eine „Festrede beim Schrebergarten-Richtfest“ und gewann einen „Pokal für die freiwillige Feuerwehr“. Das sind schon tolle Leistungen und sicher – wer wollte daran zweifeln – mindestens die 11.000 Euro Diäten pro Monat wert.

Und dann kam ja noch der 23. November, jener denkwürdige Tag, an dem das Fernsehen Alda entdeckte. „Erstes Fernsehinterview als Landtagsabgeordneter“ titelt er auf seiner Homepage. „Interview“ ist dabei vielleicht etwas übertrieben, es handelt sich um ein 30-Sekunden-Statement in einem Beitrag des bekannten Qualitätssenders SAT 1.

Ergiebig sind auch die – zugegebenermaßen erst wenigen – Beiträge Aldas im Landesparlament. Da findet sich das folgende (ungekürzte) Highlight:

Ulrich Alda (FDP): Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Sie hören jetzt einen einstündigen Vortrag, der auf Wunsch auch gerne wiederholt wird.

Ich mache es ganz kurz. Ich will Ihnen einfach nur sagen: Es ist alles gesagt worden. Was soll ich da jetzt noch lange anfügen? Die FDP-Landtags­fraktion begrüßt, dass die Landesregierung nunmehr einen Gesetzentwurf einbringt, um die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen für die Berufe zu regeln. Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss. Das ist mein Vortrag.

(Beifall von der FDP, der SPD und den GRÜNEN)

Sonst drohe ich an, noch mehrmals zu kommen, bis Frau Warden von der SPD und ich auch endlich die Anerkennung bekommen, dass auch wir unsere Jungfernrede gehalten haben, sie gestern und ich heute. – Danke sehr. Einen schönen Abend noch!

(Allgemeiner Beifall)

Böswillige Menschen würden an dieser Stelle vielleicht den Karl Kraus zugeschriebenen Satz zitieren: „Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Aber die Vertreter der Missgunst sollen hier nicht zu Wort kommen.

„Ein aufregender Moment“ war für Uli Alda „meine erste Plenarrede“. In seinem Wortbeitrag schaffte er es, die sprachliche Kreativität seiner Heimatstadt und speziell der Schülerschaft eines ganzen Berufskollegs einem größeren Publikum bekannt zu machen:

Wenn Sie in Hagen – ich habe es persönlich erlebt – jemanden fragen, was er denn in der Zukunft machen möchte, antwortet er nicht: „Ich möchte zum Käthe-Kollwitz-Berufskolleg gehen, um mich auf mein späteres Berufsleben vorzubereiten“, sondern sagt: Ich geh Käthe. – Das ist die Praxis, die einem von der sprachlichen Kompetenz her heute begegnet.

Für diese Sequenz wird ihm mancher Hagener sicher jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen, verbunden mit der Bitte, dieser Abgeordnete möge der Stadt noch lange erhalten bleiben.

„Von der sprachlichen Kompetenz her“ kann Alda übrigens problemlos mithalten. Mit seinem Wahlspruch „Alda’s als die anderen“ hat er sich jedenfalls schon mal um die Aufwertung des sogenannten „Pommesbuden-Apostrophs“ große Verdienste erworben.

Da sollte es nicht wundern, dass sich womöglich auch jemand findet, der „es persönlich erlebt“ hat, dass ein FDP-Abgeordneter, der seinen Wahlkreis im Landesparlament vertreten möchte, sagt: „Ich geh Landtag“.

Homepage Uli Alda

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