5-Jahres-Plan deutlich übererfüllt

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Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung der Stadt

Für Oberbürgermeister Jörg Dehm ist alles bestens. Auf der Homepage der Stadt tönt er: „Hervorstechendes Wesensmerkmal unserer Stadt ist sicherlich auch das vielfältige Kultur-, Bildungs-, Sport- und Einkaufsangebot, das Hagen seit Jahrzehnten zu einer wichtigen Drehscheibe im Raum Südwestfalen hat werden lassen. Ohne Frage hat sich Hagen kontinuierlich zu einer liebens- und lebenswert Stadt weiterentwickelt.“

Und die „Hagenagentur“, jene defizitäre Tochtergesellschaft der Stadt, bei der sich der Erste Beigeordnete Schmidt ein schönes Zubrot als Berater verdienen durfte, assistiert fleißig: Da sind die Einkaufsmöglichkeiten nicht einfach „vielfältig“ sondern sogar „exzellent“, das Kulturleben „ebenso abwechslungsreich wie anspruchsvoll“. Die „Hagenagentur“ geht sogar noch mit einer Vorstellung hausieren, die offiziell längst beerdigt wurde: Hagen „als modernes, urbanes Oberzentrum der Märkischen Region“.

Dass zu den „hervorstechenden Wesensmerkmalen“ unserer Stadt auch immer mehr Leerstände gehören und der Kulturbereich in den vergangenen Jahren ausgedünnt wurde und aktuell massiv bedroht ist, spielt natürlich in der städtischen Propaganda keine Rolle. Denn die Weiterentwicklung, von der Dehm spricht, kennt realiter vor allem eine Richtung – abwärts.

Anspruch (oder besser: der vermeintliche) und Realität klaffen also immer weiter auseinander. Die schöngefärbten Passagen in den Selbstdarstellungsmedien könnten daher gut die Überschrift tragen: „Der 5-Jahres-Plan wurde wieder deutlich übererfüllt“.

Die Welt außerhalb des Hagener Tellerrands sieht die Entwicklung in der Stadt ohnehin weniger euphemistisch. In überregionalen Medien häufen sich Berichte mit durchaus kritischem Ansatz. Dazu zwei Beispiele aus den letzten Tagen:

In Hagen ist bald nichts mehr los

Wenn der Intendant eines Theaters die Bühne betritt, signalisiert er: „Achtung, es geht um eine wichtige Sache“. Als Norbert Hilchenbach, Intendant des Theater Hagen, sich vergangene Woche nach der Premiere von Verdis „Don Carlo“ an sein Publikum wandte, musste er erklären, dass die Zukunft seines Theater gefährdet sei. „Wir können nicht mehr sicher sein, Ihnen unsere Vorstellungen zeigen zu dürfen“. (…)

„Ob Theateraufführungen, klassische oder rockige Konzerte, Kabarett – in Hagen ist immer etwas los!“ So wirbt die Stadt auf ihrer Internetseite. Wenn die drastischen Maßnahmen allerdings weitergeführt werden, muss sie diesen Spruch schon bald entfernen. Denn dann wird es Nacht in Hagen.

Quelle: WamS

Mirakelhagen

(…) Als es darum ging, das völlig ruinierte Ruhrgebiet wieder aufzubauen, müssen die besten Architekten der Region ihre Azubis oder die Putzfrau nach Hagen geschickt haben, denn anders lassen sich die architektonischen Offenbarungseide, die sie hinterließen, nicht erklären. Man kann es drehen und wenden wie man will, aber zu der Zeit, in der ich in Hagen aufgewachsen bin, konnte man die Stadt nicht unbedingt als eine Perle bezeichnen. Es soll sogar Menschen geben, die in tiefe Depressionen verfielen, als sie zum ersten Mal in den Hagener Hauptbahnhof einfuhren. Von denen, die dort ausstiegen, ganz zu schweigen.

Es gibt zudem Menschen, zumindest gab es sie, und ich zähle definitiv dazu, für die gehörten zu den größten Glücksmomenten in ihrem Leben exakt zwei Ereignisse. Das erste hängt zwangsläufig mit dem Tag zusammen, der das Erreichen der gesetzlichen Volljährigkeit markiert, und an dem einen der mit Mühe und Not erworbene Führerschein dazu berechtigt, ein Kraftfahrzeug nicht nur zu steuern, sondern es auch aus Hagen herauszufahren. Das zweite Ereignis kündigte sich durch einen, in einem unscheinbaren Umschlag mit Sichtfenster verschickten Brief an, der mich zum Studium an einer auswärtigen Universität berechtigte. Hagen ist übrigens auch eine Unistadt und Hagen wäre anders, wenn es dort Studenten gäbe. Gibt es aber nicht. In Hagen steht nämlich eine Fernuniversität. Böse Menschen, Menschen wie ich, behaupten, sie wüssten warum. (…)

Quelle: FR-online

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