Hungerstreik statt Kamelle

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Der eine schafft es mit Hausdurchsuchungen in die überregionale Presse, der andere mit vollem Einsatz für seine Stadt

Während Hagens OB Jörg Dehm weiter versucht, die von der Bezirksregierung Arnsberg gewünschten Kürzungsprogramme zu Lasten der Bevölkerung durchzudrücken, geht ein französischer Bürgermeister einen ganz anderen Weg.

Stéphane Gatignon, Bürgermeister von Sevran, protestiert seit Freitagabend mit einem Hungerstreik gegen die Finanznot seiner Gemeinde. Der 43-jährige Grünen-Politiker hatte am Sonntag bereits die zweite Nacht in einem Zeltlager vor der Pariser Nationalversammlung hinter sich gebracht.

Mindestens bis Dienstag will er seine Aktion fortsetzen. Dann steht im französischen Parlament das auch im Nachbarland existierende Problem verarmter Städte und Gemeinden auf der Tagesordnung.

Gatignon fordert mehr finanzielle Mittel für die Kommunen. Journalisten sagte er, allein für seinen Heimatort benötige er einen Mehrbetrag von fünf Millionen Euro jährlich, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Sevran ist ein Ort mit 50.000 Einwohnern im Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris. Der französische Innenminister Valls, der der sozialistischen Partei angehört, erklärte sich mit dem grünen Bürgermeister solidarisch.

Deutlicher können sich die Unterschiede der politischen Kultur zwischen Deutschland und Frankreich nicht präsentieren: Hier immer noch reichlich Spuren preußischen Obrigkeitsdenkens, dort der Geist des 14. Juli, des Tages der Französischen Revolution 1789. Hier ein bürgermeisterliches Selbstverständnis als vollstreckender Verwaltungsbeamter, dort als gewählter Vertreter „seiner“ Bürgerschaft, für die es sich einzusetzen gilt.

Der eine schafft es nur mit von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue  angeordneten Hausdurchsuchungen in die überregionale Presse, der andere mit vollem Einsatz für seine Stadt.

Zur gleichen Zeit übrigens, zu der sich der Bürgermeister von Sevran im Hungerstreik für seine Gemeinde befindet, ist der Hagener OB in seinem Rathaus in einer ganz anderen Mission unterwegs. Dort steht die Eröffnung der Karnevalssession an – Kamelle, de Dehm kütt!

Eine Antwort to “Hungerstreik statt Kamelle”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    Ist nicht die Interpretation: „Arroganz der Macht“ für eine so dreiste Begründungslüge nicht noch zu vertraunsselig und die internationale Kunstpolithroßmeistschachvariante in keinster Weise ausschöpfend?

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