DGB Hagen: Viele Vollzeitbeschäftigte in Hagen künftig von Altersarmut bedroht

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Der DGB legt differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden in Hagen vor. Sie beruhen auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung. Bei der Berechnung des mittleren monatlichem Bruttoarbeitsentgeltes sind einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld berücksichtigt, Auszubildende wurden nicht mitgezählt.

Im Jahr 2010 erhielten auf dieser Basis Vollzeitbeschäftigte in Hagen 2.856 € monatliches Bruttoentgelt und damit fast exakt den NRW-Landesdurchschnitt (2.839 €). Viele Menschen werden mit diesem Einkommen nach ihrer Berufstätigkeit keine auskömmliche Rente erhalten, denn diese Durchschnittsverdiener haben nach 40 (!) Versicherungsjahren aktuell einen Anspruch auf ca. 1.200 € Rente. Sollte es zu der geplanten Rentenniveaukürzung auf 43% kommen, bleiben dann ca. 1.030 € als Lohn für 40 Jahre Vollerwerbstätigkeit, sofern diese Versicherungsjahre überhaupt erreicht werden.

„Die vorliegenden Rentenpläne der Bundesregierung müssen deshalb verhindert werden. Vielen Beschäftigten droht Altersarmut. Auch die bisherigen Überlegungen aus der SPD sind unzureichend!“, so der Hagener DGB-Vorsitzende Jochen Marquardt.

Zusätzlich offenbaren sich auch in Hagen große Unterschiede, wenn man sich die Zahlen der unterschiedlichen Beschäftigtengruppen selbst bei Vollzeitbeschäftigung genauer anschaut:

  • Männer erzielten meist ein deutlich höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie 3.041 € brutto im Monat gegenüber nur 2.397 € bei den Frauen. Dieser große Verdienstunterschied von 644 € monatlich erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte. So arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau. Auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung zusätzlich einen großen Einfluss auf das Lohngefälle.
  • Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung erhielten in Hagen durchschnittlich nur 2.392 € brutto im Monat. Ebenfalls geringer fällt der Verdienst bei ausländischen Arbeitnehmern aus, sie erhalten mit 2.490 € über 380,-€ weniger als Deutsche, die bei einem durchschnittlichen Verdienst von 2.876 liegen.
  • Das mittlere Bruttomonatsentgelt der Vollzeitbeschäftigten mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss liegt in Hagen mit 4.440 €  um 353 € unter dem NRW-Durchschnitt. Doch auch in Hagen ist der Abstand zwischen gut- und geringausgebildeten Beschäftigten beachtlich. Ihr Verdienst ist fast doppelt so hoch wie das Bruttoentgelt bei Vollzeitbeschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Wenn sich diese großen Verdienstabstände bereits bei den Vollbeschäftigten zeigen, so ist die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, für die Gewerkschaften mehr als begründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Ausländer sind immer stärker von Altersarmut bedroht. Altersarmut sei zwar noch kein Massenproblem, doch in Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Deshalb würden die Folgen der geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % in Zukunft für viele Beschäftigte in der Region gravierend sein.

Diese Erkenntnis verschärft sich in besonderer Weise, wenn man die vielen Teilzeitbeschäftigten und Mini-JobberInnen in diese Betrachtung einbezieht. Der DGB-NRW hat eine Analyse für Nordrhein-Westfalen vorgelegt, die für das Jahr 2011 eine durchschnittliche Altersrente von 975 € für Männer und 491 € für Frauen, bei einer Grundsicherung im Alter von 676 €, ausweist.

Marquardt: „Wir werden aktiv auf die Politik zugehen und die notwendigen Veränderungen einfordern. Das aufgearbeitete Datenmaterial und das Rentenkonzept des DGB können bei der Beurteilung helfen.“

Der angesprochene Rentenreport NRW und das Rentenkonzept können im DGB-Büro in Hagen, Körnerstr. 43 eingesehen bzw. abgeholt werden.

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