125 Jahre Wasserwerk Hengstey

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Bis 2014 sollen 14 Millionen Euro in eine weitere Aufbereitungsstufe investiert werden

Am 1. August 2012 jährte sich zum hundertfünfundzwanzigsten Mal der offizielle Beginn der Trinkwasserproduktion im Wasserwerk Hengstey. Damals wie heute präsentiert sich das Wasserwerk auf einem hohen technologischen Stand und produziert einwandfreies Trinkwasser höchster Qualität für die Bürger der Stadt Hagen. Mark-E nimmt das Jubiläum zum Anlass, in Form eines historischen Rückblicks die traditionsreiche Geschichte der Hagener Wasserversorgung Revue passieren zu lassen.

Offizielle Inbetriebnahme am 1. August 1887

Am 1. August 1887 wurde das Wasserwerk Hengstey, der erste städtische Versorgungsbetrieb überhaupt, offiziell durch Hagens Bürgermeister Prentzel seiner Bestimmung übergeben. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das Wasserwerk aber bereits seit einem Jahr und bestand aus vier Einzelbrunnen, die zu einer Brunnengalerie zusammengeschlossen waren. Die Bauarbeiten hatten im Herbst 1885 bei Gut Koenen im Ruhrtal begonnen, schon ein Jahr später waren die Betriebsanlage, ein Hochbehälter am Loxbaum und das Rohrnetz fertig gestellt. Das Wasserwerk hatte sofort durchschlagenden Erfolg: Bei Baubeginn hatte man mit etwa 500 Anschlüssen von Haushalten und Betrieben gerechnet, im Juli 1887 waren es schon mehr als doppelt so viele. Die Trinkwasserförderung betrug 1 Mio. Kubikmeter (m3).

Ausbauphasen und steigende Versorgungssicherheit

Da die Kapazitätsgrenzen schnell erreicht waren, beschlossen die Stadtverordneten bereits im Juli 1887 – einen Monat vor der offiziellen Einweihung – den Hochbehälter und die Pumpstation zu erweitern. Bedingt durch steigende Bevölkerungszahlen und zunehmende Industrialisierung stieg der Wasserbedarf bis zum Jahr 1908 stetig an. Bereits 1897 wurde daher mit einer Erweiterung des Wasserwerkes begonnen und insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter vorangetrieben.

1926 erreichte die jährliche Wasserabgabe für Haushalte und Betrieb bereits 7,4 Mio. m3. Mit dem Bau des Hengsteysees im Jahr 1927 wurde zudem im Wasserwerk eine Entnahmeeinrichtung installiert, um die Anreicherungsbecken mit Ruhrwasser befüllen zu können. Durch die Eingemeindung der Stadt Haspe in die Großstadt Hagen im Jahr 1929 gehörte nun auch die 1904 in Betrieb genommene Hasper Talsperre zu den Hagener Wasserwerken und sicherte zusammen mit dem Wasserwerk Hengstey die Wasserversorgung der wachsenden Großstadt.

Bereits im Jahr 1931 beschäftigte man sich in Hagen auch mit Qualitätskriterien. Ergebnis war der Bau einer Entsäuerungsanlage, um sowohl in den Versorgungsleitungen als auch in den Hausinstallationen Rostablagerungen zu verhindern. Im Zuge des Baus der Autobahn im Jahr 1938 wurde eine innovative offene Schnellfilteranlage gebaut, in der das Ruhrwasser vorgereinigt wurde, bevor es zur Versickerung auf die Anreicherungsbecken geleitet wurde. Zudem wurde das Wasserwerk Hengstey vollständig mit einem Deich geschützt und kann somit als einziges Ruhrwasserwerk bei natürlichen Hochwässern nicht überschwemmt werden.

Wasserwerk Hengstey im 2. Weltkrieg

Insbesondere die Kriegsjahre 1943 bis 1945 führten auch bei der Wasserversorgung der Stadt Hagen zu kritischen Situationen. Nach dem Luftangriff auf die Möhnetalsperre wird das Wasserwerk Hengstey am 17. Mai 1943 überflutet, kann aber bereits zwei Tage später als erstes Ruhrwasserwerk den Betrieb wieder aufnehmen. Nach einem Großangriff am 15. März 1945 kommt die Trinkwasserversorgung für fast fünf Monate zum Erliegen, da insbesondere das Wasserrohrnetz erheblich in Mitleidenschaft gezogen war. Insbesondere höher gelegene Gebiete Hagens waren in dieser Zeit auf notdürftig eingerichtete Trinkwasserbrunnen angewiesen. Erst mit der Wiederinbetriebnahme der Hauptdruckrohrleitung zum Hochbehälter Loxbaum am 18. August 1945 normalisierte sich die Wasserversorgung langsam wieder.

Neuanfang und Investitionstätigkeit

In den Jahren ab 1950 wird das Wasserwerk Hengstey durch den Bau neuer Anreicherungsbecken und Brunnengalerien sowie die Installation neuer Pumpen erweitert und modernisiert. Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegsjahre führte durch wachsende Produktion dazu, dass die Ruhr immer stärker mit industriellen Abwässern insbesondere aus der Eisen- und Stahlindustrie belastet wurde. Die Gewinnung von Trinkwasser durch Uferfiltration wurde dadurch erheblich schwieriger. 1956 nehmen die Hagener Wasserwerke daher eine Schnellfilteranlage in Betrieb, die täglich rund 25.000 m3 Wasser reinigen konnte.

Weitere Modernisierungsmaßnahmen in den Jahren 1956 bis 1964 beinhalteten unter anderem die Inbetriebnahme des neuen Hochbehälters am Loxbaum mit einem Fassungsvermögen von 10.000 m3, die Erweiterung der Schnellfilteranlage auf ein Volumen von 80.000 m3 pro Tag sowie den Austausch von dampfgetriebenen gegen elektrische Pumpen.

Durch den weiterhin steigenden Wasserbedarf – die Abgabe beträgt mittlerweile 14,3 Mio. m³ pro Jahr – wird ab 1970 eine vierte Brunnengalerie gebaut.

Umweltschutzmaßnahmen und Ausbaustufen

Die zunehmend schlechter werdende Ruhrwasserqualität sorgte dafür, dass im Jahr 1973 zum Schutz der unmittelbaren Umgebung des Wasserwerkes vor schädlichen Einflüssen bei der Bezirksregierung ein Antrag auf Ausweisung eines Wasserschutzgebietes gestellt wurde. Nach Erlass der Wasserschutzgebietsverordnung 1974 bauten die Stadtwerke Hagen eine neue Sauerstoffanreicherungsanlage zur langfristigen Sicherstellung der Wassergüte. Auch das Wasserwerk an der Hasper Talsperre wurde modernisiert und so ausgebaut, dass es 1978 täglich rund 18.000 m3 Wasser liefern konnte.

Der Höhepunkt der nutzbaren Wasserabgabe wurde im Jahr 1977 mit 16,8 Mio. m3 pro Jahr erreicht. Seitdem ist sie – insbesondere bedingt durch Verminderung der Industrie und demografischen Wandel – kontinuierlich zurückgegangen und liegt heute noch bei ca. 12,0 Mio. m3 pro Jahr.

1986 wurden im Zuge der Verbreiterung der Autobahn A1 zwei Anreicherungsbecken und drei neue Brunnengalerien gebaut, um die Wasserversorgung der Stadt Hagen weiterhin sicherzustellen. Die Kosten für diese Maßnahmen beliefen sich auf rund 2 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung von Naturschutzaspekten entstanden in diesem Zuge auch mehrere Feuchtbiotopbecken.

1992 wurde ein neues Desinfektionsverfahren eingeführt, das auf einer Mischung aus Chlordioxid und Chlor basiert. 1993 ersetzte eine innovative Filterrückspülwasserkläranlage das bisherige Sedimentabsetzbecken. Im Ergebnis hatte das aufbereitete, in die Ruhr rückgeleitete Filterrückspülwasser eine bessere Qualität als das ursprünglich der Ruhr entnommene Wasser.

„Konzept Zukunft Trinkwasser“

Um die Wassergewinnungsanlagen in Hagen zukunftsfähig und sicher betreiben zu können, wurde nach einer eingehenden Analyse 2003 ein umfangreiches Sanierungsprogramm aufgelegt. Dieses „Konzept Zukunft Trinkwasser“ war die Basis für eine umfassende Sanierung des Wasserwerkes Hengstey bei laufendem Betrieb in den Jahren 2004 bis 2012. Das naturnahe Aufbereitungsverfahren wurde beibehalten, saniert wurden Bauwerke sowie Anlagen-, Elektro- und Leittechnik. Der heutige Anlagenbetrieb läuft vollautomatisch. Die Kosten für diese Sanierung beliefen sich auf rund 16 Mio. Euro.

Weitere Elemente des Konzeptes sind die bereits in diesem Jahr erfolgreich durchgeführte Inbetriebnahme des Hochbehälters Haspe und die Sanierung und Inbetriebnahme des Wasserwerkes Hasper Talsperre bis Ende 2013. Im Zuge des Programms „Reine Ruhr“ wird zudem bis 2015 im Wasserwerk Hengstey mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Mio. Euro eine weitere innovative Aufbereitungsstufe errichtet.

Insgesamt investiert Mark-E somit über 40 Mio. Euro in eine dauerhafte und zuverlässige Versorgung der Hagener Bevölkerung mit Trinkwasser, das qualitativ höchsten Ansprüchen genügt.

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