Kiffen mit Hindenburg

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In Hagen gibt es das noch, in Münster wurde es am Sonntag mit einem Bürgerentscheid besiegelt: Eine öffentliche Fläche, die nach dem Steigbügelhalter Adolf Hitlers, dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, benannt wird, ist in der Westfalenmetropole nicht länger erwünscht.

Der Rat der Stadt Münster hatte beschlossen, den Hindenburgplatz vor der Universität in Schlossplatz umzubenennen. Daraufhin hatte sich eine Initiative gegründet, die mit einer Art heimatverbundenem Gewohnheitsrecht gegen die Umbenennung argumentierte. Ihr Slogan lautete: „Ein vertrautes Stück Münster. Hier sind wir zu Hause.“ Rechte Gruppierungen scharrten bereits mit den Hufen.

Diesem Spuk haben die Münsteraner jetzt ein Ende bereitet. Mit rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen sprachen sich die Bürger für den neuen Namen aus. Selbst der Münsteraner Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) zeigte sich laut SPIEGEL erleichtert: „Wir haben so intensiv wie keine andere Stadt in Deutschland dieses Thema bearbeitet.“

Die Hagener Hindenburgstraße dümpelt währenddessen munter vor sich hin. Leerstände, ein freigezogener Laden für Kifferzubehör und verlassene Bankpaläste prägen das Bild, das abgerundet wird von einem Pornokino und einem Parkhaus, bei dem großflächig der Putz von der Wand fällt.

Anders als man vielleicht annehmen könnte, bekam die Straße nicht erst nach 1933 ihren Namen, sondern war schon zu Zeiten der Weimarer Republik eingebettet in ein Umfeld, in dem auch andere führende damalige Politiker wie Friedrich Ebert, Rathenau oder Erzberger namentlich beheimatet waren. Während der Nazizeit wurde dann fleißig umbenannt: aus der Friedrich-Ebert- wurde beispielsweise die Adolf-Hitler-Straße, gleich um die Ecke war der Morphinist Göring angesiedelt. Ironischerweise dort, wo sich Jahrzehnte später die Freunde eines gepflegten Pfeifchens die Klinke in die Hand gaben.

Sollte man die Straße umbenennen? Eigentlich ja, aber so wie Hindenburg (beispielhaft) für den Untergang der Weimarer Republik steht, repräsentiert die nach ihm benannte Straße (ebenso beispielhaft) den fortschreitenden Verfall der Stadt Hagen. Also besser nicht?

Fast egal. Vielleicht sollte die grandiose Hagen-Agentur in ihrem Info-Laden „Hindenburg-Tüten“ als „Leuchtturmprojekt“ anbieten und damit dem „Schwarzem Afghanen“ Konkurrenz machen. Das wäre mal ein echtes „Alleinstellungsmerkmal“, mit dem sich die gebeutelten Hagener die Welt ein wenig schön nebeln könnten.

3 Antworten to “Kiffen mit Hindenburg”

  1. Harald Helmut Wenk Says:

    Der Artikel bring das Prinzip: Der Brutalere gewinnt, sehr schön zum Ausdruck.

  2. Vito L'Orso Says:

    Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass der parteilose Paul von Hindenburg bei der Reichspräsidentenwahl 1932 der Kandidat der Sozialdemokraten (SPD), des Zentrums und der Liberalen (DVP und DDP) war (—> http://www.kul-tours.de/aaaaa/Schlagt-Hitler-Waehlt-Hindenburg.JPG). Hindenburgs Gegenkandidaten waren neben Adolf Hitler, der KPD-Mann Ernst Thälmann und der deutschnationale Theodor Duesterberg. Die Sozialdemokraten rühmten, dass der bereits 1925 erstmalig zum Reichspräsidenten gewählte ehemalige Generalfeldmarschall sein Amt „stets korrekt und unparteiisch“ ausgeübt habe.

    Nach den Reichstagswahlen vom 31. Juli (—> http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_Juli_1932) und 6. November 1932 (http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_November_1932) stand Hindenburg vor der Alternative entweder eine Präsidialdiktatur ohne Rückhalt im Volk einzusetzen, was möglicherweise zu einem Bürgerkrieg geführt hätte, oder aber eine Mehrheitsregierung im Reichstag zu bilden. Diese war aber seit den Wahlen im Juli und im November 1932 ohne eine Beteiligung der Nationalsozialisten formal nicht mehr möglich. Am 19. November 1932 erhielt Hindenburg eine Eingabe von führenden Industriellen, mittelständischen Unternehmern, Bankiers und Agrariern mit der Aufforderung, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen (—> http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe). Hindenburg weigerte sich jedoch und berief am 2. Dezember 1932 den erzkonservativen aber parteilosen Reichswehrminister Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Dieser versuchte, die hitlerkritischen Teile der NSDAP um Gregor Strasser von Hitler weg in eine Querfront zu bringen, doch dies misslang. Als Schleicher seinerseits vorschlug, den Reichstag aufzulösen und unter Bruch der Reichsverfassung bis auf weiteres keine Neuwahlen durchführen zu lassen, entzog ihm Hindenburg seine Unterstützung und ernannte am 30. Januar 1933 Adolf Hitler mehr oder weniger widerwillig zum Reichskanzler.

    Der Totengräber der Weimarer Demokratie war m.E. nicht Paul von Hindenburg, sondern jene Leute, die Hitlers NSDAP im Juli und November 1932 mit 37,3 bzw. 33,1 Prozent zu der mit Abstand stärksten Partei im Deutschen Reichstag gewählt haben. Der von einer breiten Bevölkerungsschicht respektierte Hindenburg hatte – trotz aller Kritik, die man an ihm üben kann – die Republik lange Zeit auch stabilisiert. Ohne ihn wäre sie vielleicht schon früher am Ende gewesen.

  3. Harald Helmut Wenk Says:

    Aus 1/3 Wählerzustimmung eine Führerdikatur zu „zaubern“! zu kpönnen ud das bei einem Reichspräsidenten, der im Heer eine „Legende“ war ist schion ein Art „Steigbügelhaltiung“ (Dopelbedeutung). Das vorhergehene „Notverordnungsregime“ unter weitgehender Ausschaltung des Parlaments Hindenburgs, die de facto Präsidialdikatutur war auch schon eine „Nichteingwöhnug“ von Demokratie.
    Wie schlecht die SPD da damalige brutale Politgroßmeisterschach beherrschte hat ist durch dad konsequengtt Setzen auf die eigenen, offen brutalen Massakrierern, ogz gegen die Arbeiterschaft, zu zu gut bewiesen. Das meinte ich mit den „Brutaleren“ durchsetzen. Mit 1/3 eine Diktaturt errichen können. Der brutale Militarismus in Deutschland, den Hindenburg mit repräsentierte und praktizierte, WAR DER TOTENGRÄNER (Vielfachsrbedeutung).

    Wie redet wohl ein Schalchtermeister mit dem Schlacht(Doppelbedeutung!!!)vieh. (Quellenkritische Leseanleitung…). („Regelgerechter Zugg, ich weß gar nicht,was Sie wollen…Wie 2. Weltkrieg Was hat das denn damit zu tun???? )O unheilig Einfalt… )

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