Straßenbäume senken Hitze in Innenstädten

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Entscheider vor Ort kapieren es nicht – oder sind von Lobbyisten fremdgesteuert

Lang wurde er in diesem Jahr vermisst, doch jetzt startet der Sommer 2012 durch. Des einen Freud ist jedoch des anderen Leid. Während die einen das Bade- und Grillwetter genießen, schlagen anderen die heißen Sommertage gerade in einem Ballungsraum auf Herz und Kreislauf. Besonders alte und kranke Menschen leiden unter diesen Bedingungen.

Schuld an den Hitzebelastungen in Innenstädten hat jedoch nicht nur der Klimawandel. Dichte Bebauung, Beton und Asphalt, dafür wenig Grün, sorgen für eine starke Aufheizung der Oberflächen am Tage und eine geringe Abkühlung in der Nacht. Dadurch kann es in einigen Innenstädten vor allem in den Nachtstunden bis zu neun Grad wärmer sein als im unbebauten Umland.

Abhilfe leisten können dabei Grünflächen und Straßenbäume. Bäume und Sträucher sorgen durch Schatten und Verdunstung dafür, dass sich Straßenräume und innerstädtische Plätze tagsüber nicht so stark aufheizen und nachts weniger Wärme an die Luft abgeben. Zur Verbesserung des Stadtklimas tragen auch begrünte Dächer und Fassaden sowie Wasserflächen in Innenstädten bei.

Diese Feststellung ist eigentlich ein alter Hut, aber jetzt auch Ergebnis einer Klimauntersuchung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) in der Stadt Recklinghausen. Die Studie belegt, dass bereits kleine Eingriffe wie das Fällen von Bäumen sich nachteilig auf das Kleinklima in Straßenräumen auswirken.

Ein Standort im Süden von Recklinghausen wurde im Jahr 2000 noch als durchweg kälteste Station innerhalb des Stadtgebietes identifiziert. An der Straße standen bis dato Bäume, die ein nahezu geschlossenes Kronendach bildeten. Diese wurden jedoch 2010 komplett gefällt. Folge ist, dass sich die Straße seither zu einer Wärmeinsel entwickelt hat. Der Verlust der Straßenbäume hat zu einer erheblichen Temperaturerhöhung in den Sommermonaten geführt.

Martin Tönnes, Bereichsleiter Planung beim RVR: „Die Bedeutung von Straßenbäumen für das innerstädtische Klima konnten wir mit unserer Untersuchung erstmals konkret für die Metropole Ruhr belegen. Für eine Straße mit dichter Baumbepflanzung wurde eine Temperatur ermittelt, die mit dem Freiraum vergleichbar ist. Eine Straße ohne Baumbepflanzung kann dagegen deutlich höhere Werte als der Außenbereich aufweisen. Bei einem hohen Versiegelungsgrad der Bebauung hat dies zur Folge, dass Wärmeinseln in der Stadt entstehen können. Insbesondere in Hitzeperioden macht sich dies dann für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner negativ bemerkbar.“

Als Begründung für die Fällaktion in Recklinghausen musste herhalten, dass die Wurzeln Gehwegplatten zerstören. Ein Argument, das auch in Hagen gerne vorgeschoben wird, aber nicht stichhaltig ist. So sollte vor einigen Jahren die Allee an der Sachsenstraße in Haspe komplett abgeholzt werden, Begründung ebenfalls: die bösen Wurzeln. Nur wehrten sich in diesem Fall die Anwohner. Und siehe da: es gab (natürlich) eine Lösung. Der Wurzelbereich der Bäume wurde mit einer wassergebundenen Decke versehen, die ist nicht starr und es entstehen somit keine Stolperkanten.

Wer jetzt glaubt, es handele sich hier um ein Lehrstück für bislang baumfeindliche Politiker, der irrt gewaltig. Diese Spezies ist offensichtlich – und nicht nur bei diesem Thema – lernunfähig. So beschloss die Bezirksvertretung Haspe auf Antrag des damaligen Bezirksvorstehers Weber, zwei ausgewachsene Platanen als angebliche „Gefahrbäume“ fällen zu lassen. Bei diesen Bäumen hatten Schlaumeier die Wurzelbereiche zuasphaltieren lassen, der Asphalt brach wie zu erwarten auf und bildete Stolperkanten. Nach der Logik der Eversbusch-Freunde in der BV mussten nicht die Dummköpfe weg, die die Asphaltierung zu verantworten hatten, sondern die Platanen.

Glücklicherweise konnte ein weiterer Beschluss dieser BV bisher aus Geldmangel nicht umgesetzt werden: Die komplette Abholzung des Straßenzuges Karweg/Dickenbruchstr. Das ist zur Abwechselung mal ein positiver Effekt der massiven Verschuldung der Stadt.

Nichts mit Schulden hat ein Beschluss des Hagener Stadtrats zu tun. Der hat mit Mehrheit auch noch die Baumschutzsatzung hinweggefegt. Drahtzieher dieser Aktion dürften die Vertreter der Baulobby gewesen sein, die traditionell im Rat bestens verankert ist.

2 Antworten to “Straßenbäume senken Hitze in Innenstädten”

  1. Allan Quatermain Says:

    Und täglich grüßt das Murmeltier.

    Das oben genannte, dürfte seit Jahren bekannt sein.

    Auch das man einige Wind- und Luftschneisen dem schnöden Mamon opfern wollte.
    Ich erinnere nur an das Bettermann-Gelände. Das man zupflastern wollte mit einen Kaufland, nebst Parkhaus.
    Aber irgend wann steht dieses wieder auf der Agenda einer nichtöffentlichen Sitzung des Hagener Rats!

    Wetten?

    Einen Schwachsinn haben wir ja noch, der nicht ausgesetzt wird
    bei den Sommerlichen Temperaturen.
    Die LKW- Routenpläne bei zu hoher Feinstaubbelastung.
    Wegen 200-300Meter Sperre des Graf-von Galen Ring, oder am Finanzamt, dürfen die LKW jetzt den Remberg hoch,
    einen ca. 5km Umweg fahren.
    Immer schön hinter einen Bus des ÖPNV, hinterher zuckeln. Die Halten zwar alle paar Meter wegen den Caps, aber was solls.
    Das nennt sich dann Feinstaubreduzierung nach Hagener Art.

    Zu den Plantanen.
    Diese wurden in Unmengen angeschaft, wegen Kostenreduzierung
    bei der Pflege. Nebenbei wachsen die beim Zusehen.
    Die Schlaumeier aus Politik und Verwaltung haben erst bei den Stutzen dieser Plantanen gemerkt, dass das Holz und Laub von diesen Plantanen nicht verrottet.
    Es musss teuer entsorgt werden in der Hagener Müllverbrennungsanlage!

    Die Bio-Anlage, für Strauchschnitt in der Donnerkuhle ist auch deshalb mehr eine Alibianlage.
    Bei der Anzahl von Plantanen am Straßenrand.

  2. Harald Helmut Wenk Says:

    Die meisten haben sich schon immer gedacht, das es nicht gut ist, dei bäuejm in de rInnesnatdt zu fällen,. Un dan standen sie da – ohen so ohne rechte Argumente, meist noch mit irgendwelchen „Zahlen“ „dagegen“. OFFZIELLEN; VERWALTUNGSZSHLEN““ RECHTSFREALATN: BAURELEVANT: So sah es dann hinterher wirklich AUS!! Der „Machivalli“Niertzsche verleig diser „Ohnamcht“ schon mal Ausdruck. Es empört sehr, recht zu haben und den andern „intelelktuell“ siegen zu sehen. J, und deshalb weden die ;iLinken so gerhe genau sin diese Lage gebarchtt; Nein, sowas….

    Selbstverständlicvh ist „eigentlich“ die Notwendiglit von wissesnchaftclehn Studein für einzlene Bäume ein recht „unprofesioneller“ GEbarcuch von Wissesnchaft.
    Profressioenl wird er nur druch die Notwenbdigkeit in der PROFESSIONELLEN Kommmunalpolzsicgen Verwendung.

    Deshalb meint der Artikel ja zu recht, es müsste umstandslos übertragbar sein.

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