ENERVIE will Kraftwerk stillegen

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„Mangelnde wirtschaftliche Perspektive“ trotz „signifikanten Deckungsbeitrags“

Die Hagener ENERVIE plant, ihren steinkohlebefeuerten Block E3 im Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen mit Wirkung zum Frühjahr 2014 stillzulegen. Das Kraftwerk wird vom ENERVIE Tochterunternehmen Mark-E betrieben. „Gründe für die Stilllegung sind das Überschreiten der technischen Lebensdauer sowie die mangelnden wirtschaftlichen Perspektiven der Anlage vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Energiewende“, so Ivo Grünhagen, Sprecher des Vorstands ENERVIE. Der vom Vorstand des Unternehmens gefasste Beschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats, der am 20. August 2012 das Thema beraten wird.

Derzeit erziele der Block aus der Vermarktung seines Betriebs bis zum Frühjahr 2014 noch einen signifikanten Deckungsbeitrag. Ein längerer Weiterbetrieb als nun vorgesehen, würde allerdings Instandhaltungs- und Revisions-Aufwendungen in Höhe von rund 20 Mio. Euro erforderlich machen. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr vertretbar. Daher wird der Block E3 im Frühjahr 2014 nach dann 43 Jahren Betriebsdauer seine letzte Kilowattstunde Strom erzeugen.

Obwohl im Zuge der Energiewende auch die Gefahr von Versorgungslücken ein Thema ist, seien Gas- und Kohlekraftwerke derzeit schlecht am Markt zu positionieren, erklärt Enervie-Pressesprecher Andreas Köster auf Nachfrage der Meinerzhagener Zeitung. „Der Neubau von Kohle- oder Gaskraftwerken lohnt sich derzeit nicht. Zumal dabei dreistellige Millionenbeträge investiert werden müssen.“ Bezüglich etwaiger Versorgungslücken, die bei der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie enstehen könnten, müsse es deshalb aus Sicht der Energieversorger zu Veränderungen des Systems kommen. Köster: „Die Frage ist, ob das Vorhalten von Kraftwerken künftig nicht wirtschaftlich belohnt werden sollte.“

Genau da liegt also der Hase im Pfeffer. „Wirtschaftliche Belohnung“ meint im Klartext: Die Energieversorger wollen ihr Unternehmensrisiko partiell auf den Staat abschieben. Ob für einen übergangsweisen Weiterbetrieb des Mark-E-Kraftwerks Investitionen in Höhe von 20 Mio. Euro überhaupt erforderlich sind, lässt sich seitens der Bürger nicht beurteilen und noch entscheidender: von den Mitgliedern des Aufsichtsrats, die die Planung abnicken sollen, auch nicht. Vorsitzender des Gremiums ist der Hagener Oberbürgermeister Jörg Dehm. Und der verfolgt vor allem ein Ziel: Mit möglichst hohen Ausschüttungen städtischer Beteiligungen (Hagen hält gut 42% Anteile an ENERVIE) das Loch im Hagener Haushalt verkleinern.

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