Stadthalle: Mitreden – aber nicht mitzahlen

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Die Stadthalle gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als einer der großen Verlustbringer der Stadt Hagen. Für das Jahr 2010 weist der Beteiligungsbericht der Stadt immerhin ein Defizit von über 650.000 Euro aus.

Dieses Minus ist in der Vergangenheit aus dem städtischen Etat ausgeglichen worden. Inzwischen wurde dieser Zuschuss im Rahmen der Kürzungsmaßnahmen („Sparpaket“) auf 500.000 Euro gedeckelt. Dieser im BWLer-Sprech des Haushaltsplans „Ressourcenziel“ genannte Schritt „muss durch Maßnahmen innerhalb der Gesellschaft operativ umgesetzt werden.“

Zur Jahreswende 1981/82 hatte die Stadt Hagen das Stadthallengebäude einschließlich Inventar und der dazugehörigen Außenanlagen an die Stadthallenbetriebs-GmbH verpachtet. Die Stadt Hagen trägt – neben dem Betriebserhaltungszuschuss, also den o.g. 500.000 Euro – die Ausgaben für Grünpflege, Bauunterhaltung und Investitionen, Energiekosten, Versicherungen und Mehrwertsteuerabwicklung (alle Angaben lt. Haushaltsplan 2011).

Aber weshalb fokussiert sich der Blick eigentlich ausschließlich auf die Stadt? Die ist, was wahrscheinlich kaum jemand weiß, nur mit 50 Prozent an der Stadthallen GmbH beteiligt.

Die anderen Anteile halten die Dortmunder Actienbrauerei, ein Unternehmen des Oetker-Konzerns, (10 %), Westfälische Getränkeindustrie, dahinter verbirgt sich Coca-Cola, (10 %), Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (10 %), Einzelhandelsverband (5 %), Kreishandwerkerschaft (5 %), ein „Festkomitee zur Pflege und Förderung des heimatlichen Brauchtums“ – was immer das ist (5 %), der Stadtsportbund (2,5 %) und der Sängerkreis Hagen-Ennepe-Ruhr (2,5 %).

Für den Ausgleich der Verluste ist aber nur die Stadtkasse zuständig, die ebenfalls beteiligten Konzerne und Lobbygruppen machen sich einen schlanken Fuß. „Notwendige Liquiditätszuführungen werden aus dem Betriebserhaltungszuschuss von der Stadt abgerufen.“ (Beteiligungsbericht)

Abgenickt alles vom Oberbürgermeister und dem ihm mehrheitlich ergebenen Stadtrat. Gerade in Zeiten der kommunalen Unterfinanzierung und damit verbundenen massiven Kürzungen ist die Methode „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ nicht mehr zu vermitteln und wird von einer großen Mehrheit richtigerweise als zutiefst ungerecht wahrgenommen. Bei Dehm und seinen Unterstützern scheint diese Erkenntnis noch nicht angekommen zu sein.

Konzerne, Zunftvereinigungen und das „Festkomitee“ konnten sich übrigens recht preiswert einkaufen. Ihre Einlagen bewegen sich in Größenordnungen zwischen zweieinhalb und fünftausend Euro. Mitreden wollen sie also. Mitreden – aber nicht mitzahlen. Hagen live.

Eine Antwort to “Stadthalle: Mitreden – aber nicht mitzahlen”

  1. Allan Quatermain Says:

    Es gibt noch einige andere „Partnerschaften“ in Hagen, wo sich die Stadt Hagen und andere Partner die Anteile teilen.

    Wer weiss denn schon, dass in vielen Töchterfirmen der Stadt Hagen, die als GmbH geführt werden, noch andere Eigner
    das (Mit-) Sagen haben.

    Das können sein andere Versorgungsunternehmen,
    über GmbH von Nachbarkommunen,
    oder auch Privatfirmen die eigendlich in Konkurenz zur Stadt Hagen sein sollten.

    Das die Verwaltung und die Politik kein Interesse daran zeigt, dieses Öffentlich zu machen, dürfte auch klar sein.

    Es gilt auch hier, Pfründe und Pöstchen für Parteisoldaten
    ab zu greifen.
    Das Gehalt der Geschäftsführung dieser GmbHs ist nebulös,
    und wird wenn überhaupt, nur im Nichtöffentlichen Teil einer
    Ratsitzung abgehandelt.
    Beliebt sind auch Nichtöffentliche Ausschussitzungen!
    Auch was die Aufwandsentschädigungen dieser Vorstände angeht,
    gilt das Gesetz des Schweigens.

    Bananenrepublik Deutschland!
    Und da wundern sich einige Zeitgenossen, das Deutschland was die Korruption angeht, noch hinter den Irak, Indonesien oder anderen Staaten aus der dritten Welt kommt.

    Ns. Das Aufklären der Bevölkerung durch die Hagener Journale kann man in den gesperrten Kommentaren der Hagener Presselandschaft beobachten.
    Auch wandern Leserbriefe je nach Laune des Redakteurs in einen Rundordner oder werden stark gekürzt Veröffentlicht.

    Auch hier gilt, man kennt sich, man hilft sich.

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