Du weißt, ich bin nicht gut

by

Zum Tod von Amy Winehouse

Amy Winehouse war die größte Hoffnung einer sonst allseits erschöpften Popindustrie. Sie stand, ganz altmodisch, mit ihrem Leben ein für ihre Musik. Und ihre Musik war offenbar ihrem Leben abgetrotzt. Nun ist sie gestorben. Ach, viel zu früh.

Sie wurde nur 27 Jahre alt. Und um gleich am Anfang diese unangenehme, schreckliche, blöde Zufallsarithmetik hinter sich zu bringen: Ja, es stimmt, 27, das ist das Alter, in dem sie alle gestorben sind, Kurt Cobain genauso wie Janis Joplin, Jimi Hendrix genau wie Jim Morrison. Aber 27 ist nur eine Zahl.

Amy Winehouse, die eine Stimme hatte wie kaum eine andere Popsängerin ihrer Generation und sicher auch eine Frisur wie keine zweite, eine dramatisch aufgetürmte, rebellische Haube aus Haar, ist an diesem Samstag tot in ihrer Londoner Wohnung gefunden worden. Sie hatte zum Zeitpunkt ihres Todes seit fünf Jahren keine neue Platte herausgebracht, in diesen fünf Jahren aber trotzdem ständig in der Zeitung gestanden. Drogen, Entzug, Festnahmen, Ehesachen, mal zu viel, mal zu wenig Körper, alles immer sichtbar, tausend Mal beschrieben, hochkopiert und im Detail gezeigt in genau den Boulevardmedien, denen es jetzt in Großbritannien endlich an den Kragen geht, weil sie sich ernähren vom kleinbürgerlichen Entzücken darüber, wie jemand mit einem Wahnsinnstalent öffentlich nicht damit klarkommt, so wahnsinnig talentiert zu sein. Und so kaputt. Wie Amy Winehouse. (…)

Es bleiben zwei Platten und die große, schmerzhafte Ungerechtigkeit, dass hier jemand, der so viel Talent besaß und so viel Eigensinn und Stil, es nicht geschafft hat zu überleben, um noch einmal zurückzukommen. So wie Johnny Cash zurückkam. Man hätte sich jetzt schon drauf freuen können, welche Platten Amy Winehouse in vierzig Jahren aufnehmen würde. Große Lieder vom Rande der Nacht, vom Hinfallen und Aufstehen, von Fehlern, aus denen man nichts gelernt hat außer guten Pointen.

Es ist furchtbar schade, dass wir diese Lieder nie hören werden. Es ist furchtbar schade um Amy Winehouse.

Quelle: FAZ

Eine Antwort to “Du weißt, ich bin nicht gut”

  1. ego Says:

    Amy Winehouse, die eine Stimme hatte wie kaum eine andere Popsängerin ihrer Generation ist tot. Schade, denn 27 Jahre ist wirklich noch kein Alter um zu sterben. Wieder jemand der mit dem Leben nicht zurecht kam. Jetzt hat es jemand bekanntes getroffen, ein Star. Was ist aber mit den vielen Namenlosen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: