Zeitenwende in der Atompolitik – Aber Umstieg braucht weiter viel Kraft

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Gut besuchte Veranstaltung in der Villa Post

Es mussten noch Stühle hinzugestellt werden, als Prof. Dr. Peter Hennicke seinen Vortrag in der Villa Post begann. Eingeladen von DGB, VHS und Arbeit und Leben referierte der ehemalige Leiter des Wuppertal-Instituts und renommierte Wissenschaftler den großen Bogen vom notwendigen Ausstieg aus der Atomindustrie bis zu dringenden Erfordernissen zur Sicherung der klimapolitischen Ziele und des alternativlosen Umstiegs auf erneuerbare Energien. Auch für die mitveranstaltenden Aktiven aus dem Hagener Bündnis gegen AKW war, nach den vielen Aktionen der vergangenen Wochen, es ein Abend mit neuen Erkenntnissen.

Hennicke machte deutlich, dass allein die Atomausstiegspolitik nicht ausreichen würde, um eine neue Energiepolitik umzusetzen. Dabei machte er für die Industrienationen eine herausfordernde Doppelaufgabe deutlich: Sie müssten nicht nur die Energieversorgung für ihre Industriepolitik sicherstellen, sondern ständen gleichermaßen vor der Verantwortung eine neue Ressourcenpolitik und Neudefinition von Wohlstand vorzunehmen. Dabei ging es unter anderem darum den Entwicklungs- und Schwellenländern zu helfen neue Wege und Perspektiven zu finden, die eine effiziente und nachhaltige Entwicklung ermöglichen würden. Aus der Entwicklung dieser Lösungen können dann die Industrienationen wiederum für sich lernen.

Unabhängig von unterschiedlichen Zeitfenstern verschiedener nationaler und internationaler Institute wurde deutlich, dass die weltweiten natürlichen Reserven bei Öl, Gas und vielen weiteren Erdschätzen endlich sind. „Hier“, so Hennicke, „benötigen wir andere Politik und Entwicklungsansätze.“

In diesem Zusammenhang machte der Referent auch klar, dass die Lösung keineswegs in der weiteren langfristigen Nutzung fossiler Energien läge. Aus seiner Sicht sollte die Nutzung von Kohlekraftwerken bestenfalls bei den bereits im Bau befindlichen Anlagen beschränkt bleiben.

Manche aufgeworfene Fragen konnten in der 2-stündigen Veranstaltung nur ungenügend diskutiert werden. Unter anderem die Verhältnismäßigkeit von zentralen und dezentralen Systemen der Energieversorgung. Für den Vortragenden müsse man davon ausgehen, dass sich die Strompreise erst einmal erhöhen würden. Durch die Nutzung der erneuerbaren Energiequellen jedoch sinken langfristig die Kosten der Energieversorgung, die zur demokratischen Steuerung wieder in staatliche Hände gehört.

Abschließend verwies der das Gespräch moderierende DGB-Kreisvorsitzende Jochen Marquardt darauf, dass die Auseinandersetzung mit der diskutierten Beschlusslage der Bundesregierung längst nicht beendet sei. Vor allem vor Ort könne und müsse man sich mit intelligenten Lösungen der Energiepolitik auseinandersetzen und neue Wege einschlagen. Dazu soll mit der, vom Anti-AKW-Bündnis initiierte, Unterschriftensammlung, an der sich bislang mehr als 500 Menschen beteiligt haben, an den Rat der Stadt eine lokale Plattform bilden.

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