Wie Museen ihren Ruf ruinieren

by

Das Osthaus Museum in Hagen zeigt „Flacons – Haute Couture der Düfte“, eine Schau, die die „Kulturgeschichte von Parfum und Parfumgefäßen im Lauf der Jahrhunderte“ erzählt.

Gleich 14 Kabinette hat man der Schau frei geräumt, die von der ortsansässigen Parfümerie-Kette Douglas Holding AG unterstützt wird und alte Guerlain-Sortimente zeigt, Chanel-Zerstäuber und Fläschchen mit Golliwog-Köpfchen, das sind kleine zottelhaarige Figuren mit Grinselippen, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Mohren als Werbeträger ablösten: kitschig, albern, verächtlich.

Die Ausstellung ist eine Karikatur der Vision des Museumsgründers und Mäzens Karl Ernst Osthaus, der, mitten in der industriellen Revolution, durch Kunst „die Schönheit wieder als herrschende Macht im Leben“ etablieren wollte. Er engagierte sich im Deutschen Werkbund, förderte modernes Bauen und ließ sich von Henry van de Velde ein Museum einrichten, das er mit zeitgenössischer Avantgarde ausstattete. (…) Das war, aus der Kunst heraus gedacht, politisch, demokratisch, bildungsbürgerlich. Damals ging es um die künstlerische Durchdringung aller Lebensbereiche – heute um die Etablierung von Markennamen in der Sphäre der Kultur.

Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, ob es sich die Kulturpolitik leisten kann, teuer finanzierte Häuser solchen Eindringlingen zu öffnen, wo es an eigenen Mitteln für Ausstellungen fehlt.

Quelle: SZ

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: