Volkshochschulen: Weiterbildung für alle

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„Auftrag und Ideal der Volkshochschulen ist es, Weiterbildung für alle anzubieten. Damit kommt ihnen in der deutschen Weiterbildungslandschaft eine Schlüsselrolle zu“, so die Kernthese von Reiner Hammelrath,  Direktor des Landesverbands der Volkshochschulen NRW.  Er war einer Einladung von Arbeit und Leben, DGB sowie VHS gefolgt,  im Rahmen der Reihe „Gegen den Strom“ die Situation der Weiterbildung zu analysieren.

Selbstbewusst machte er vor interessierten Zuhörern in der Villa Post auf die Stärken der Volkshochschulen aufmerksam. Sie sind bundesweit flächendeckend vertreten, sie stehen bei aller Unterschiedlichkeit für gemeinsame Qualitätsstandards, sie bieten einen breiten Fächerkanon und erfüllen  in kommunaler Trägerschaft ihre gesellschaftliche Aufgabe, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialer Situation Weiterbildung für alle anzubieten.

Doch in welchem politischen Rahmen bewegt sich Weiterbildung? Hinsichtlich öffentlich geäußerter Wertschätzung muss sich die Weiterbildung keine Sorgen machen. In kaum einer Rede fehlt der Hinweis auf die Bedeutung lebensbegleitenden Lernens. Blickt man auf die konkrete Förderung von Weiterbildung, sieht es jedoch weit weniger rosig aus.

Die von Hammelrath als „Ministerin ohne Ministerium“ bezeichnete Bundesbildungsministerin Schavan kann im Bildungsbereich im Wesentlichen nur Projekte  fördern, da die Zuständigkeit für Bildung bei den Ländern liegt. „Mit Projekten schafft man aber keine nachhaltigen Strukturen“, so Hammelrath. Die Länder hingegen haben ihren Anteil an der Finanzierung der Weiterbildung seit den 70er Jahren kontinuierlich zurück gefahren, wie der Referent am Beispiel Nordrhein-Westfalen verdeutlichte: „Als das Weiterbildungsgesetz 1974 verabschiedet wurde, betrug der Anteil des Landes 50 %, 2009 lag er im Landesschnitt nur noch bei 17 %.“

Dass die rot-grüne Landesregierung die Kürzungen ihrer Vorgänger zurücknehmen will, bezeichnete Hammelrath als kleinen Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen. Der Anteil der Teilnehmerentgelte und der Drittmittelmaßnahmen ist im Gegensatz zur Landesförderung heute deutlich höher als Mitte der 70er. Eine Schlüsselposition kommt aus Sicht des Referenten den Kommunen zu, die sich bei allen Problemen als Stütze ihrer Volkshochschulen erwiesen haben. „Daher ist eine ausreichende Finanzausstattung der Kommunen auch aus VHS-Sicht dringend erforderlich“, meinte Hammelrath.

Dem Vortrag folgte eine lebendige Diskussion, in der auch die Aktivitäten der Volkshochschulen im Bereich des Zweiten Bildungswegs thematisiert wurden. Angesichts der am Donnerstag anstehenden Ratsentscheidung empfahl der DGB-Vorsitzende Jochen Marquardt, die für eine funktionierende Volkshochschule notwendigen Mittel selbstbewusst einzufordern.

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