Nur jeder fünfte Hagener über 60 Jahren ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt

by

Nach der Entscheidung über die Gesundheitspolitik will die Bundesregierung am kommenden Mittwoch ihren Prüfbericht zur Beschäftigungslage älterer Menschen vorlegen. Die Hagener Gewerkschaften fordern dazu auf, die Erkenntnisse verantwortlich zu nutzen und sich von der Rente mit 67 Jahren zu verabschieden.

„Die Rente ab 67 Jahre ist für meisten Beschäftigten unerreichbar und wird zu einer reinen Rentenkürzung.“, erklärt Jochen Marquardt für den Hagener DGB. Eine große Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann auch deshalb nicht bis 65 Jahre arbeiten, weil die Beschäftigungschancen nicht vorhanden sind. „Auch in Hagen bietet der Arbeitsmarkt nicht genügend Möglichkeiten für Ältere“, so Marquardt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind nur 20,4 % aller 60-64-jährigen in Hagen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein noch schlechterer Wert als auf Bundesebene (20,6 %). Mehr als jeder vierte Arbeitslose sei älter als 50 Jahre. „Den meisten dieser etwa 2.600 Bürgerinnen und Bürger wird ein Wiedereinstieg in Beschäftigung nicht gelingen“, fürchtet der Gewerkschafter. Auch die wirtschaftliche Erholung habe die Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer kaum verbessern können. Die Zahl der Arbeitslosen über 50 Jahren ist um 65 angestiegen, bei 55-64-Jährigen sogar um 110.

Während die Bundesregierung von einer Verdoppelung der Beschäftigungsquote seit dem Jahr 2000 spricht, verweist der DGB auf die Erkenntnisse aus der Arbeitsmarktforschung, die deutlich darauf hinweisen, dass vor allem der Anteil an Teilzeitarbeit angestiegen ist und somit wieder einmal statistische Mogelpackungen herhalten müssen.

Der DGB warnt vor steigender Altersarmut in Hagen und fordert den sofortigen Stopp der Rente mit 67. Altersarmut sei in Hagen schon jetzt deutlich zu spüren. „Aufgrund der Rentenkürzungen liegen die Altersrenten im Schnitt nur noch bei 679 Euro und damit noch niedriger als der Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (692 Euro). Wir müssen dringend umsteuern, damit die gesetzliche Rente wieder vor Armut schützt. Als ersten Schritt fordern wir die Bundesregierung auf, die Rente mit 67 zu stoppen. Die Landesregierung wird aufgefordert eine Initiative für den sofortigen Stopp der Rente mit 67 ergreifen, weil sie die Altersarmut zusätzlich verschärft“, so der Gewerkschafter. Nach DGB-Berechnungen muss im Regierungsbezirk Arnsberg fast jeder sechste Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden und hohe Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente hinnehmen.

Für den DGB ist die Rente mit 67 der falsche Weg. „Die Voraussetzungen für eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters sind nicht gegeben. Es wäre völlig inakzeptabel, wenn die Bundesregierung sehenden Auges in Kauf nimmt, dass Altersarmut zur Perspektive für Arbeitnehmer wird“, sagt Marquardt. Schon heute müssten bereits mehr als die Hälfte aller Altersrentner in Deutschland Abschläge in einer durchschnittlichen monatlichen Höhe von 114 Euro in Kauf nehmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: