Frequenzversteigerungen: 100.000 € Mehrkosten für das Theater

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Mit großem Unbehagen beobachten Veranstaltungsbetriebe und Kultureinrichtungen in Westfalen die Frequenzversteigerungen der Bundesnetzagentur. Bereits im April dieses Jahres haben Telekommunikationsunternehmen erfolgreich auf die Frequenzbereiche 790 bis 862 Megahertz geboten, um ihr Angebot an mobilen Breitbandzugängen auszubauen.

Das Problem: In diesem Bereich funken auch zahlreiche Theater, Konzerthäuser oder Konferenzzentren mit ihren drahtlosen Mikrofonen. Der Deutsche Bühnenverein erwartet schon in den nächsten Monaten erste technische Störungen bei Theateraufführungen und Konzerten – wenn die betroffenen Kultureinrichtungen nicht rechtzeitig ihre Mikrofon-Technik umrüsten. Das wird allerdings teuer.

Das Theater Dortmund rechnet für die Umstellung der vorhandenen Mikroportanlage mit Kosten in Höhe von 350.000 Euro. „Da wir ein Fünf-Spartenhaus mit fünf Spielstätten sind, betrifft uns die Frequenzumstellung massiv“, so Tonabteilungsleiter Lutz Essfeld. Wenige Kilometer weiter südlich sieht es ähnlich aus: „Den Westfalenhallen Dortmund sind bereits jetzt rund 25.000 Euro Kosten wegen dieser Problematik entstanden“, sagt Pressesprecher Andreas Weber.

Verschont von der Kostenlawine bleibt die Kultur Ruhr GmbH als Veranstalter des Theaterfestivals Ruhrtriennale. Hier werden die Mikrofonanlagen von den Betreibern der Spielorte gestellt. Eigene Technik muss somit nicht umgerüstet werden.

Anders beim Theater Hagen: Sprecherin Monika Martincevic rechnet ganz nüchtern vor: „20 Mikrofone à 5000 Euro macht 100.000 Euro.“ Enorme Ausgaben für das ohnehin auf Sparkurs gedrillte Stadttheater.

Ob und in wie weit sich der Bund als Nutznießer der Frequenzversteigerungen an den Kosten beteiligt, ist bislang unklar. Zwar habe der Haushaltsausschuss am Montag den betroffenen Institutionen in einem Zwischenbeschluss finanzielle Rückendeckung versprochen, aber „Definitives kann man noch nicht sagen“, so eine Sprecherin des Deutschen Bundestags.

Thomas Noack, Tonmeister am Theater Bielefeld, sagt dazu: „Es wäre ein Skandal, wenn der Bund und die Bundesnetzagentur den Bundeshaushalt zu Lasten der betroffenen Kultureinrichtungen aufbessert.“

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