Die Angst der Bratwürste

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Bei der Hagener Westfalenpost sorgt man sich offensichtlich, die Deutungshoheit über das städtische Geschehen endgültig zu verlieren. Akuter Anlass sind die Ereignisse rund um die Tournee des Hagener Oberbürgermeisters Jörg Dehm durch die Stadtbezirke.

Noch in der Mittwochs-Ausgabe seines Blattes äußerte sich WP-Redakteur Martin Weiske halbwegs zufrieden mit der Performance von Dehm bei seinem Auftritt in Hohenlimburg:

„Das hatte die Opposition im Hagener Rat schon befürchtet: Oberbürgermeister Dehm beherrscht es, sich und seine Botschaften bei öffentlichen Auftritten geschickt und überzeugend zu Markte zu tragen. Selbst wenn die erste Bürgerversammlung am gestrigen Abend nicht gleich zur „Yes, we can!“-Veranstaltung mutierte, so verstand es der Verwaltungschef immerhin, Akzeptanz für tiefgreifenden Spareinschnitte zu wecken. (…)

Grundsätzliche darf der Premierenversuch eines Oberbürgermeisters, eine gravierende lokalpolitische Entscheidung in öffentlicher Runde mit der Bürgerschaft rückzukoppeln, als gelungen bezeichnet werden. Menschen, die sich zu Hagen bekennen und mit ihrer Stadt identifizieren, erhalten hier eine formlose Plattform, sich konstruktiv einzubringen.“

Über diese überschwängliche Bewertung der Dehm-Show wunderte sich anschließend die GRÜNEN-Ratsfrau Benedikta Buddeberg: „Als ich den Kommentar von Herrn Weiske las, musste ich mir doch ein wenig die Augen reiben und fragte mich, ob ich vielleicht auf einer anderen Veranstaltung war als er. Überrascht bin ich von der optimistischen Einschätzung, die Oberbürgermeister-Tournee habe in Hohenlimburg eine Akzeptanz hervorgerufen. Das kann ich so nicht sehen. An den Plakaten, auf denen man Maßnahmen mit Punkten bewerten konnte, war ein deutliches Votum gegen fast alle Vorschläge abzulesen.“

Daraufhin ist die WP-Redaktion wohl in sich gegangen und hat überlegt, wie sie dem von ihr im Vorfeld der Kommunalwahl hochgeschriebenen Dehm wieder zu Oberwasser verhelfen kann. Das Ergebnis dieser Klausur war dann in der Samstags-Ausgabe nachzulesen: Der arme Herr Dehm ist hilflos den Parteien, Gewerkschaften und Verbänden ausgeliefert.

Wörtlich heißt es: „Parteien, Gewerkschaften und Verbände sind bestens präpariert, wenn es darum geht, dem Oberbürgermeister zum Thema Sparpaket auf den Zahl zu fühlen. So fing bei der ersten Bürgerversammlung Verdi-Geschäftsführerin Regina Sparfeld-Möbus den Verwaltungschef bereits am Eingang des Hohenlimburger Rathaus ab, um ihm ihre Sicht der Dinge zu vermitteln. Auch im Saal dominierten Politfunktionäre – oft rhetorisch geschickt – die Debatte mit Jörg Dehm. Der Bürgerabend wurde somit leider von Diskutanten missbraucht, die für ihre Auseinandersetzungen eigentlich die Bezirksvertretungen, Ausschüsse oder den Rat als Forum nutzen sollten. So mancher Bürger zuckte mit Fragen und Kommentaren verschüchtert zurück.“

An welcher Stelle Vertreter von Verbänden in den politischen Gremien der Stadt Rederecht haben sollen, bleibt rätselhaft. Vielleicht sind solche von völliger Unkenntnis zeugenden Behauptungen ja auch nur die Auswirkungen des massiven Abbaus von Redakteursstellen im WAZ-Konzern, zu dem auch die WP gehört. Und vor wem zuckte denn „so mancher Bürger“ zurück? Vor dem mit einem gewissen rhetorischen Geschick und vor allem reichlich Chuzpe agierenden Dehm?

Die Westfalenpost verspricht jedenfalls Hilfestellung: „Vor diesem Hintergrund möchten wir dazu aufrufen, dass Sie, liebe Leser, sich mit ihren Stellungnahmen an unsere Zeitung wenden.“ Die WP als Retter der Witwen und Waisen – mal ganz was neues.

Passend dazu gibt es als Zusatzlektüre an gleicher Stelle noch einen Leserbrief von Uli Alda. Sie wissen nicht, wer das ist? Macht nichts, muß man auch nicht wissen. Nur der Vollständigkeit halber (und weil wir uns dem Bildungsauftrag der Medien verpflichtet fühlen): Der Mann ist Vorsitzender der örtlichen Gliederung der neoliberalen Splitterpartei FDP und kommt mit folgender geistreichen Äußerung des Weges: „Und wer meldet sich wieder als erstes, um zu meckern? Natürlich wieder DGB – Marquart und Co., um die Einschnitte bei der Verwaltung zu kritisieren. Ist Marquardt und seinem Gefolge noch nicht aufgefallen, dass die Verwaltung noch massiv geschont wird? Ist denen noch nicht aufgefallen, dass die Leute die Stadt verlassen trotz oder gerade wegen dieser überbesetzten Verwaltung? Dies dann noch mit dem Mittelstand zu vergleichen, schlägt dem Fass den Boden aus. Marquard, Sparfeld-Möbus und Co. haben doch im Leben noch keine Bratwurst verkauft.“

Das mag sein. Die Gegenfrage ist doch: Hat Alda schon mal eine Bratwurst verkauft? Oder zwei Bratwürste? Oder was will er mit diesem Quatsch eigentlich sagen?

Vorschlag: Alda eröffnet einen mobilen Bratwurststand in der Volme-Galerie und zeigt dem Gewerkschaftspöbel mal so richtig, wie man mit Grillgut ein lukratives Business betreibt – gefeuert wird mit reichlich WP-Exemplaren, was wiederum dem Auflagenschwund entgegenwirkt .

Bei etwas Ascheflug würden dann WP- und FDP-Alda-Produkte zu einer idealtypischen Gesamtbratwurst verschmelzen. Der anschließende Verzehr derselben wäre wahrscheinlich die beste Medizin gegen beider Absturz. Nur Kunden müssten sich noch finden.

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