Caritas ist Gewinner

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Die Stadt Hagen wird es freuen. Sie hat relativ schnell das inzwischen unliebsame Willi-Weyer-Bad an die Caritas verkauft. Über die Höhe des Kaufpreises wurde nichts bekannt.

Die Caritas will in der Bergstraße mit einer Investition von 6 Mio. € die Verwaltung aus der Hochstraße ersetzen und Seniorenwohnungen bauen. Der Beschluss zum Verkauf wurde am Donnerstag, im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung, einstimmig gefällt. Auch mit den Stimmen der LINKEN? Was in Anbetracht der Tatsache, dass die Ratsfrau Elke Hentschel Mitarbeiterin der Caritas ist, nicht verwundern würde.

In einem ganz anderen Licht steht das Verhalten des Fraktionsvorsitzenden der CDU Wolfgang Röspel (ein Cousin des SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel) im Vorfeld des Ankaufs des Willi-Weyer-Bades. Er hat sich vehement für die Errichtung des Spaßbades am Ischeland und damit verbunden für die Schließungen von anderen Bädern in Hagen eingesetzt. Damit hat er als Ratsherr den Weg frei gemacht für die Vermarktung des Willi-Weyer-Bades.

Gegenüber der WR vom 10.07.2010 äußerte sich der Geschäftsführer der Caritas in Hagen, Wolfgang Röspel, auf die Frage nach den Kosten für die Seniorenwohnungen: „Die Kosten für Miete und Zusatzleistungen sind für Senioren mit normaler Rente erschwinglich.“ Wie Herr Röspel eine normale Rente definiert ging aus dem Artikel nicht hervor. Es bleibt zu vermuten, dass ein Rentner mit einer Durchschnittsrente von 1.176,00 € sich eine solche Wohnung mit Zusatzleistungen nicht wird leisten können. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, kommt die Caritas überhaupt ihrer Aufgabe nach, Unterstützer für sozial Benachteiligte zu sein? Oder muss sie ihre Gewinne nur schnellstens investieren? Gewinne welche sie auch durch das Anbieten von Arbeitsgelegenheiten der besonderen Art (1€-Jobs) erwirtschaftet.

So forderten am 19.05.2006 renommierte Wohlfahrtsverbände, allen voran das Diakonische Werk der EKD, ganz unverhohlen massive Einschnitte beim ALG II. Unter dem Vorwand, nur die wirklich Bedürftigen sollten Unterstützung bekommen, möchte man alle die abstrafen, die eine zugewiesene Arbeitsgelegenheit der besonderen Art (1€-Job) nicht aufnehmen oder abbrechen.

Gerade von den Wohlfahrtsverbänden erwartet man, dass sie der Anwalt der Armen und Schwachen sind. Warum also diese Forderung nach Streichung von Leistungen? Wenn wir uns die Organisationen einmal näher anschauen, wird uns der Grund schnell klar. Mit jedem nicht besetzten 1€-Job gehen den Wohlfahrtsverbänden Einnahmen verloren. Als Anbieter von Arbeitsgelegenheiten der besonderen Art bedienen sie sich an der kostenfreien Arbeitskraft eines ALG II Empfängers. Nicht nur, dass die Anbieter kostenlose Arbeitskräfte erhalten, obendrauf gibt es noch pro besetzten 1€-Job bis zu 500€ im Monat Verwaltungsaufwandsentschädigung. Dies wird alles vom Steuerzahler finanziert.

Quelle: WR vom 10.07.2010 (Druckausgabe)

2 Antworten to “Caritas ist Gewinner”

  1. Allan Quatermann Says:

    Unsere Neoliberale Frau Arbeitsministerin hat ja für Nachschub an kostenlosen Arbeitskräften bei der CARITAS & Co jetzt gerade gesorgt!

    Den oder die Bürgerarbeiter!

    So wird die CARITAS & Co immer reicher, ca. 55 Milliarden EURO Vermögenswerte. Aber der Arbeitslose, Eltern mit Kinder, Niedriglohnempfänger, durch weniger Netto vom Brutto immer ärmer.

    Da helfen auch keine gemeinsamen Gebete von der Kanzel oder die Vertafelung einer Gesellschaft.

    Was CDU-Mann und Caritasdirektor Röspel damit zutun hat?
    Als Politiker und Lobbyist fleissig die Fingerchen heben.

    Komme ja keiner auf den Gedanken, er könnte in Zukunft befangen sein.

    So wird heute gesät und morgen geerntet.

    Zu dieser Marionette der Linken als Ratsfrau, erübrigt sich jeder Kommentar. Ihr Abstimmungsverhalten wird sie wohl in ihren KV dargelegt haben?

  2. Leif-Thorsten Kramps Says:

    Nun stellt sich für mich die Frage, ob mit dem Verkauf des ehemaligen Willy-Weyer-Bads an die Caritas, das Ende des »Kultopia« besiegelt ist. Ein Seniorenheim in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Jugendkulturhaus, in dem regelmäßig Rock-, Punk- und Heavy Metal-Konzerte stattfinden, kann ich mir nur schwer vorstellen. Da sind doch Konflikte wegen Ruhestörung und ähnlicher Delikte vorprogrammiert. Steht das »Kultopia« etwa schon auf einer noch nicht veröffentlichten Streichliste?

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