WFG: Alter Wein in neuen Schläuchen

by

Gestern wurde die Beschlussvorlage zur Neuaufstellung von Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus erstmals im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) der Stadt Hagen öffentlich beraten. Nimmt man die Zielvorgaben, die sich aus der Vorlage für die neu aufzustellende Wirtschaftsförderung ergeben, als Maßstab, so ist der jetzigen WFG-Führung ein unzureichendes Zeugnis auszustellen.

Die aktuelle Vorlage skizziert, welche zwingend notwendigen Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Hagen in den vergangenen Jahren durch die amtierende Geschäftsführung nicht realisiert worden sind. Vor allem bei den Kernkompetenzen Wirtschaftsfreundlichkeit, Bestandspflege, Neukundenakquise und Flächenvermarktung, die eine nachhaltige und erfolgreiche Wirtschaftsförderung ausmachen, weist die WFG erhebliche Schwächen auf. Ein bundesweites Städteranking, bei dem die Stadt Hagen in den Jahren 2007, 2008 und 2009 jeweils die hintersten Plätze eingenommen hat, belegt diese Defizite.

Der aktuelle Status quo scheint eine Mehrheit der Hagener Kommunalpolitiker bei der Neuausrichtung von WFG, SZW, Hagen-Touristik und Stadtmarketing unter einem gemeinsamen Dach jedoch nicht zu sorgen. CDU, SPD und FDP beabsichtigen, die genannten Unternehmens- und Verwaltungseinheiten unter dem Dach einer neuen Gesellschaft mit der Bezeichnung „Hagen Agentur GmbH“ zusammenzuführen – und zwar unter Leitung der jetzigen WFG-Führung.

In der Beschlussvorlage wird jedoch ausgerechnet dieser – zumindest indirekt – attestiert, dass sie in den vergangen Jahren keine nachhaltigen Akzente für den Wirtschaftsstandort Hagen setzen konnte.

Eine derartige Erkenntnis verwundert kaum, wenn man berücksichtigt, dass die WFG anhand einer Branchen- und Clusteranalyse mit Basiszahlen aus dem Jahr 2007 die strategische Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Hagen voranzutreiben versucht. Die Prognosewerte dieser Marktanalyse reichen bis ins Jahr 2011, also nur noch sechs Monate. Eine vorausschauende Standortplanung und -gestaltung für die Stadt Hagen sieht anders aus.

„Hier wird alter Wein in neuen Schläuchen verkauft“, so Fraktionschef Bücker. Neben anderen Ratsfraktionen hat Hagen Aktiv als eine der ersten intensiv Ideen und Anregungen zur Neuaufstellung der Wirtschaftsförderung in Hagen eingebracht. Bereits im Kommunalwahlprogramm 2009 der Wählergemeinschaft ist die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung ein wesentlicher Bestandteil. Eine maßgebliche Forderung ist die Einbindung eines kompetenten Wirtschaftsförderers, der politisch unbelastet ist.

Für die „Hagen Agentur GmbH“ ist mittelfristig ein Einsparziel von insgesamt 500.000,- Euro und ein Maximalzuschuss seitens der Stadt in Höhe von 1,5 Mio. Euro vorgesehen, so dass die Neueinstellung eines externen Geschäftsführers für die Stadt Hagen möglich ist. Entgegen anders lautender Meldungen hat die Bezirksregierung aus Arnsberg zur Finanzierbarkeit eines neuen Geschäftsführers keinerlei Bedenken geäußert, so dass man den Schritt eines vollständigen Neuaufbaus einschlagen kann.

Nicht alle Fraktionen halten einen grundlegenden Neuaufbau mit Unterstützung eines externen Geschäftsführers für erstrebenswert, so dass allein die Ankündigung, die Beschlussvorlage nicht mittragen und gegebenenfalls blockieren zu wollen, zur aktuellen Kompromisslösung geführt hat. Scheinbar sehen einzelne Ratsvertreter hier nicht das Wohl des Wirtschaftsstandortes Hagen im Vordergrund, sondern den Erhalt der politischen Einflussnahme.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: