Gewerbegebiet Haßleyer Insel: Weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar

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In seiner letzten Sitzung hat sich der Landschaftsbeirat mit dem Bebauungsplan Haßleyer Insel beschäftigt. Dort beabsichtigt das Unternehmen Enervie, seine Unternehmensbereiche in einem Neubaukomplex zu konzentrieren.

Aus Sicht des Landschaftsbeirates ist die Bebauung hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen, die der Natur endgültig entzogen werden, sehr problematisch. Ein Naherholungsgebiet wird durch bis zu fünfstöckige Bürogebäude zerstört bzw. entwertet. Die Bebauung würde dem Bestreben von NRW-Umweltminister Uhlenberg (CDU) entgegenwirken, weniger Flächen im Außenbereich, das heißt auf der vielzitierten „grünen Wiese“, zu überlassen.

Gebetsmühlenartig wiederholen die Vertreter der Verwaltung, dass der Verbrauch neuer Flächen zur Gewerbeansiedlung in Hagen deshalb erforderlich sei, weil die bestehenden Industrie- und Gewerbebranchen von der Stadt wegen fehlender Eigenmittel nicht saniert und entwickelt werden können. Es sollte aus Sicht des Landschaftsbeirats zunächst Bestrebungen geben, in den bestehenden verlassenen Betrieben Gewerbe anzusiedeln.

Die Landesregierung hält Möglichkeiten für Kommunen bereit, die der Finanzaufsicht der Bezirksregierungen unterliegen, entweder einen geringeren Eigenanteil als üblich vorzuhalten oder in Einzelfällen bis zu 100 Prozent zu fördern. Der Landschaftsbeirat fordert, dass diese Möglichkeiten von Bauflächen im Außenbereich von der Verwaltung grundsätzlich geprüft werden. Dies wäre insofern mehr als gerechtfertigt, als dass nur so die umweltpolitischen Ziele der Landeseregierung als auch wirtschaftliche städtische Ziele vor Ort realisiert werden können.

Es sprechen insbesondere im Fall der Haßleyer Insel nicht nur Belange des Landschaftsschutzes gegen eine Bebauung. Auch ökonomischen Kriterien hält die Planung der Verwaltung aus Sicht des Landschaftsbeirates nicht Stand.

Mindestens würde man nun erwarten, dass selbst nach der Logik der Fürsprecher dieser Planungen, die Stadt diese wenigen zur Verfügung stehenden potenziellen Gewerbeflächen nutzt, um die prekäre Haushaltssituation abzumildern und die wirtschaftliche Situation der Stadt zu verbessern. Selbstverständliche wirtschaftliche Ziele wären: Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen und Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Doch mitnichten – stattdessen wird dieses Filetstück nicht einem Investor, sondern dem heimischen Energieversorger zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis ist weder ein Mehr an Arbeitsplätzen noch an Steuerennahmen. Stattdessen werden 52 000 Quadratmeter Natur unwiederbringlich zerstört. Die Folge ist ein vermarktbares Gewerbegebiet weniger und acht Flächen der ehemaligen Enervie-Nutzung mehr, die zunächst erst wieder einer Nutzung zugeführt werden müssen.

Aus Sicht des Landschaftsbeirates ist dies weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar. Dieses Handeln steht im Gegensatz zu den Interessen der Stadt. Die Auswirkungen auf die Kaufkraft in der Innenstadt durch eine Verlagerung von potenziellen Kunden nach Haßley sowie eine mögliche Erhöhung der regelmäßigen Pkw-Nutzung durch die Beschäftigten, die nun die weniger gut an den ÖPNV angeschlossene Haßleyer Insel ansteuern müssen, stellt der Landschaftsbeirat ebenfalls zur Diskussion.

Der Landschaftsbeirat erwartet von der Verwaltung, dass diese die vorgelegten Pläne noch einmal hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Nachhaltigkeit überprüft und erst danach entscheiden lässt, ob ein Eigenanteil der Stadt zur Entwicklung von Branchen langfristig nicht doch effektiver und effizienter wäre als eine Bebauung von Freiflächen.

Eine Antwort to “Gewerbegebiet Haßleyer Insel: Weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar”

  1. Ninja Says:

    Dann werden wir uns Jahrzehnte an diesen Industriebrachen erfreuen dürfen.

    Oder erwartet dieses größenwahnsinnige Energieunternehmen Enervie,
    dass der Hagener Steuerzahler, anschließend für die Vermarktung seiner Schrottimobilien aufkommt?

    Bei diesem Stadtbaurat ist ja alles möglich.

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