DGB-Hagen: „Armut wächst rasant“

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Die aktuellen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaft sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hagen als bedrückende Bestätigung seiner Aussagen.

Die EU-Kommission erklärte das laufende Jahr 2010 zum „Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung“. Die in diesen Tagen veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung machen noch einmal die unbedingte Notwendigkeit einer aktiven Gegenbewegung deutlich.

Nach den DIW-Daten leben in Deutschland rund 11,5 Mio. Menschen unter der von der EU vorgegebenen Armutsrisikoschwelle. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung. Besonders hoch ist die Quote in den ostdeutschen Ländern. Dort liegt sie bei rund 19 Prozent, während sie im Westen bei 13 Prozent berechnet wird.

Und auch regional gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Der DGB verweist darauf, dass in Hagen etwa 30.000 Menschen betroffen sind.

Besonders hervorgehoben wird in der vorliegenden Statistik, dass vor allem die Einkommensarmut in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat und das Armutsrisiko für junge Erwachsene immens angestiegen ist.

Im Jahr 2008 leben knapp ein Viertel der Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Allein in diesen Alterskohorten wuchs das Risiko in den vergangenen 10 Jahren um 6 Prozent. Für die jungen Menschen erfolgt der Einstieg in den Arbeitsmarkt zunehmend über prekäre Beschäftigung und schlecht bezahlte Praktika („Generation Praktikum“).

Als weitere besonders betroffene Gruppe werden die Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern im Bericht benannt, die mit über 40 Prozent als einkommensarm eingestuft werden.

Für den DGB-Kreisvorsitzenden Jochen Marquardt werfen die neu veröffentlichten Daten ein bezeichnendes Licht auf die Entwicklung der vergangenen Jahre und das unhaltbare neoliberale Gewäsch aus Teilen aus Politik und Wirtschaft.

„Diese Daten machen nachhaltig deutlich, dass wir eine andere politische Ausrichtung brauchen. Statt in der Krise ausschließlich den Banken zu helfen, benötigen wir gute und gut bezahlte Arbeit für die Menschen. Statt über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu lamentieren, brauchen wir zukunftsfeste Arbeit von der junge Menschen ihr Leben bestreiten und gestalten können. Anstatt sich kommunal auf Kürzungsprogramme zu konzentrieren benötigen wir mehr Geld in der Kommune, um zumindest gegen die Auswirkungen eintreten zu können.“

In den nächsten Wochen und Monaten will sich der Hagener DGB gemeinsam mit anderen Kräften im Bündnis für eine sozialgerechte Stadt weiterhin zu Wort melden und die dringend erforderlichen Veränderungsprozesse einfordern. Dabei soll auch eine Veranstaltung mit dem Armutsforscher Prof. Dr. Butterwegge am 2. März in der Villa Post beitragen, die über Hintergründe informiert und die EU-Debatte im Jahr gegen Armut und Ausgrenzung auch in die kommunalen Bezüge hinein trägt. Am 18.3. kommt Prof. Dr. Uta Meier–Gräwe von der Justus-Liebig-Universität Gießen nach Hagen um über das Armutsrisiko von Frauen zu referieren.

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