Was soll unsere Tochter werden?

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Von Ratgebern und „Himmelsbotschaften“:
Wie Frauen in Männerberufe kamen

Ob sich die Bilder gleichen? Genau wie heute standen in den 1950er und 1960er Jahren viele junge Frauen vor der Entscheidung, welchen Beruf sie nach der Schule erlernen sollten. Auch Eltern zerbrachen sich den Kopf: Was soll unsere Tochter werden?

Am Samstag, 24. Oktober, 15 Uhr, wird die wissenschaftliche Volontärin Julia Setter im Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) diesen Fragen nachgehen.

Im Handwerk waren Frauen damals vor allem als Damen-schneiderinnen, Frisörinnen und Putzmacherinnen tätig. „Die Berufsmöglichkeiten für die weiblichen Schulentlassenen sind sehr begrenzt und einförmig“, heißt es noch 1956 im Berufsratgeber „Frauenberufe des Handwerks“.

Doch zu jener Zeit eröffneten sich den Frauen allmählich weitere Handwerksberufe als Tätigkeitsfeld. Nicht zuletzt deshalb, weil Männer überwiegend zu den besser bezahlten Industrie-arbeitsplätzen wechselten und es deshalb im Handwerk an männlichem Nachwuchs mangelte. Mittels umfangreicher Ratgeberliteratur wurden den Eltern und jungen Frauen auch Berufe vorgestellt, die bis dahin meistens von Männern ausgeübt wurden, wie zum Beispiel im Tischler- oder Bäckerhandwerk.

Gerne erzählten die Bücher kleine Geschichten aus der Perspektive junger Mädchen, um diese für verschiedene Berufe zu interessieren: „Warum bin ich kein Junge? Es hätte kein Überlegen für die Berufswahl gegeben. […] So hörte ich wie eine Himmelsbotschaft von der Berufsberaterin, dass nunmehr auch Mädchen als Bäckerinnen ausgebildet werden können, nachdem sich weibliche Lehrlinge und Gesellen in verschiedenen anderen männlichen Berufen gut bewährt haben.“

Julia Setter geht der Frage nach, welche geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen der damaligen Ratgeberliteratur zugrunde lagen und welche Berufsmöglichkeiten sich für Frauen seit den 1950er Jahren daraus entwickelt haben. Diese vierzig bis fünfzig Jahre alten Ratgeber geben jedoch nicht nur Aufschluss darüber, welche Berufe junge Frauen ergreifen konnten, sondern sie vermitteln auch heute noch einen Eindruck davon, wie Frauen in so genannten Männerberufen wahrgenommen wurden und welche Probleme sich für sie ergaben.

Der Vortrag beginnt um 15 Uhr im Bürgermeisteramt „Marie Boele“ auf dem oberen Platz im LWL-Freilichtmuseum Hagen. Im Anschluss findet eine Führung durch die Ausstellung „Karriere mit Lehre – Frauen im Handwerk in Westfalen-Lippe“ statt. Außer dem üblichen Museumseintritt entstehen keine weiteren Kosten.

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