MANDIEmania in Wehringhausen

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Unter dem hochtrabenden Titel „Wehringhausen im Spiegel Europas“ kündigt die Stadtverwaltung ein Expertentreffen im Rahmen des EU-Projekts „Managing District Centres (MANDIE)“ an. Vom 5. bis 7. Oktober finden sich Vertreter der teilnehmenden Kommunen aus mehreren nordwesteuropäischen Ländern und wissenschaftliche Projektpartner zu einem Erfahrungsaustausch in Hagen ein.

In diesem Zusammenhang sind auch eine Exkursion in Wehringhausen (Mittwoch, 7. Okt., 10:30 Uhr, Start: Erzählcafé Wehringhausen, Lange Str. 30) und ein anschließendes Podiums-/Pressegespräch (12-13 Uhr, Kath. Gemeindehaus St. Michael, Lange Str. 70a) geplant.

Was ist MANDIE?

MANDIE ist dem Bereich der Wirtschaftsförderung zuzurechnen, diesmal ist der Fokus allerdings nicht auf Einkaufsgalerien im Stadtzentrum oder auf Industrie- und Gewerbegebiete ausgerichtet, sondern auf die Einzelhandelsstruktur in Stadtteilzentren. Das EU-Projekt betrachtet einen Stadtteil also nicht in seiner gesamten Komplexität, sondern beschränkt sich auf die kleinwirtschaftlichen Strukturen in der Mitte.

Bezogen auf Wehringhausen verstehen die Verantwortlichen unter „lebendiger Stadtteil“: „Handel und Dienstleistungen werden gestärkt“ und „Neue Ideen gegen die Krise – die Händlergemeinschaft als starker Partner“. Das ist sicher nicht verkehrt gedacht, aber eben sehr eindimensional. Das zeigt sich auch an der Zusammensetzung der Runde beim am Mittwoch geplanten Pressegespräch: Außer einem Vertreter der Händlergemeinschaft „Wir in Wehringhausen“ sind keine zivilgesellschaftlichen Akteure dieses Stadtteils auf dem Podium vorgesehen.

Probleme wie der überbordende Individualverkehr (bei gleichzeitiger Reduzierung des ÖPNV), die abnehmende Kaufkraft der Bewohner oder der zunehmende Leerstand von Wohnungen werden bei MANDIE zwar angesprochen, sind zur Lösung aber nicht vorgesehen.

Peinlich wird es in dem Moment, in dem der städtische Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bauen, Thomas Grothe, in einer Pressemitteilung der Stadt mit dem Wahlkampfspruch zitiert wird: „Vor allem geht es um die Menschen.“ Dabei geht es um Wirtschaftförderung. Grothe hat offensichtlich nicht mitbekommen, daß die Kommunalwahlen bereits stattgefunden haben.

Noch wüster treibt es der Wochenkurier, der in seiner Samstagsausgabe titelte: „EU-Geldsegen dank Mandie?“ und sich dann zu der Spekulation verstieg, „daß erneut reichlich Steuergelder in den zunehmend benachteiligten Stadtteil fließen.“

Die Realität ist nüchterner: Die Hauptziele von MANDIE sind es, die Funktionsweise von Stadtteilzentren zu verstehen und ein Zentrumsmanagement zu fördern („The main objectives are to understand district centres; to define and promote a District Centre Management approach.“). Wenn der mit MANDIE verbundene Tagungstourismus abgerechnet ist, wird noch ein Heft gedruckt, Titel: „Führer zu innovativen Geschäftspraktiken in Stadtteilzentren“. Das wars dann.

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